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Hier ist Schluss: Am Wallbergmoos auf 1117 Metern Höhe endet die vier Kilometer lange Panoramastraße.

Mühevoller Bau und legendäre Autorennen

Das ist die Geschichte der Wallbergstraße

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Die Panoramastraße auf den Wallberg in Rottach-Egern gilt als eine der schönsten Bergstraßen Bayerns überhaupt. Vor 80 Jahren wurde sie eröffnet. Seitdem hat sie viele Geschichten zu erzählen.

Rottach-Egern – Direkt neben der Talstation der Wallbergbahn geht’s hinauf. Nach dem Einwurf von vier Euro in den Kassenautomaten öffnet sich die Schranke für den vier Kilometer langen Fahrspaß auf sauber asphaltierter Straße, durch satte Bergwälder und vorbei an wuchtigen Felswänden. Immer wieder öffnet sich der Blick hinunter ins Tegernseer Tal und hinüber zu den umliegenden Bergen.

Am Wallbergmoos auf 1117 Metern ist am Parkplatz Schluss. Hier kann man sich in der gleichnamigen Alm stärken, den Ausblick genießen oder neue Kräfte tanken – falls man die zehn- bis zwölfprozentige Steigung mit dem Fahrrad hochgestrampelt ist.

Rasant in die Kurven ging‘s für die Teilnehmer der legendären ADAC-Wallbergrennen.

Dass Autofahrer heute nicht schneller als mit Tempo 50 und – bittschön – rücksichtsvoll und umsichtig fahren sollen, war nicht immer so: Ein 3,2 Kilometer langer Abschnitt war zwischen 1959 und 1988 14 Mal Schauplatz des spektakulären ADAC-Wallbergrennens. Alles, was im Motorsport Rang und Namen hatte, gab hier auf der kurvenreichen Strecke Gas – insgesamt 1200 Rennfahrer, darunter 17 Frauen. 1984 war sogar Formel 2 am Start.

Zum ersten Rennen kamen über 12.000 Zuschauer, der Name Rottach-Egern rauschte durch den deutschen (Zeitungs-)Blätterwald. Dann folgten Gleichmäßigkeits-Berg-Prüfungen für historische und klassische Automobile. Mit dem zunehmend „grünen Gewissen“ der Deutschen kam 1988 das Aus für das Wallbergrennen. Der Versuch der Gemeinde Rottach-Egern, die Renntradition 1990 wieder zu beleben, scheiterte an der Ablehnung durch den damaligen CSU-Staatsminister Edmund Stoiber.

Eigentümer und Betreiber der Straße ist der bereits 1885 gegründete Verkehrsverein Rottach-Egern mit aktuell 200 Mitgliedern. Bis 1957 hieß er noch Verschönerungsverein Egern Rottach und kümmerte sich um Sitzbänke, Spazierwege und Alleebäume, das Seefest und die Winterpauschale für Gäste.

Anastasia Stadler ist seit 2001 die Vorsitzende. Sie sorgt dafür, dass es mit der Straße und den jährlich 10.000 Benutzern rund läuft. Sie muss die Mitglieder, die 30 involvierten Grundeigentümer und die 27 Zeichner regelmäßig informieren. Die Zeichner: Das sind private Geldgeber, die mit ihrem Startkapital von damals 100.000 Mark den Bau der Wallbergstraße vor 80 Jahren überhaupt möglich gemacht haben.

Ein Blick in die Historie

1927 standen Tourismus-Pioniere angesichts der rasanten Entwicklung im Skisport und der wachsenden Zahl an Kurgästen vor der Frage: Straße oder Seilbahn? Weil zugleich auch von einer Queralpenstraße Bodensee-Königsee die Rede war und eine Seilbahn utopisch teuer gewesen wäre, lief es auf die Straße hinaus.

Da es keine öffentlicher Gelder gab, spendeten Einheimische und Kurgäste: 100.000 Mark kamen als Startkapital zusammen. „Die Zeichner von damals sind teilweise noch über Generationen heute an der Straße beteiligt“, sagt Stadler. Vor jeder Hauptversammlung muss sie sie über Zahlen und Fakten auf dem Laufenden halten.

1935 konnte der Bau nach achtjähriger Planungsphase beginnen. 600 Männer mussten für einen Lohn von 40 Pfennig pro Stunde schuften. Sie waren der damaligen Sturmabteilung (SA) im Naziregime zugehörig und nach einem gescheiterten Staatsstreich in Österreich in einem Lager am Fuße des Wallbergs untergebracht. Ein Schatten in der Geschichte. Sprengungen waren nötig, 6000 Kubikmeter Stein mussten mit bloßen Händen bewegt, Brücken und Durchlässe aus Naturstein gebaut werden.

Nach nur zwei Jahren war die Straße bis zum Wallbergmoos fertig. Bis ganz hinauf sollte man trotz Trassierung und Ausholzung nicht kommen, denn die „Legionäre“ mussten zurück nach Österreich. 1937 wurde die „schönste Bergstrecke für Autos“ offiziell eröffnet. 1948 klärte die Oberste Bayerische Baubehörde die Besitzverhältnisse und machte den Verkehrsverein zum „Eigentümer und Träger des Wallbergstraßen-Unternehmens“. Die Einführung der Maut wurde zur Auflage gemacht. Und 1949, nach einer Sanierung wegen eines Murenabgangs, zählten die Vorgänger von Anastasia Stadler 21 Mark als erste Tageseinnahme.

Im Winter dann war die Straße eine große Hilfe bei der Abwicklung der „Deutschen Alpinen Schimeisterschaft“ am Wallberg. Zwei Jahre später kam sie doch: die Wallbergbahn, erbaut von einer Privat-Initiative. „Natürlich gab’s anfangs kontroverse Diskussionen, denn die Benutzerzahlen auf der Straße gingen zurück“, weiß Stadler aus der Chronik. „Heute haben wir natürlich eine gute Nachbarschaft.“ Seit 1962 ist die Straße im Winter gesperrt. Rodelfans nutzen sie seit dem Winter 2001/2001 als Teilstück von Deutschlands längster Naturrodelbahn.

Ein Blick nach vorne

Anastasia Stadler, die den Webermohof betreibt und für die CSU im Gemeinderat sitzt, richtet angesichts des Jubiläums den Blick auch nach vorne: Es gehe nicht nur darum, die Straße instandzuhalten, für eine gut funktionierende Technik der 2002 eingeführten elektronischen Schranke zu sorgen und Investitionen, wie das für 210.000 Euro erneuerte Mauthaus zu planen. „Vielleicht gelingt es uns, nach 30 Jahren den Geist des Wallbergs wieder zu wecken und in die Neuzeit zu katapultieren“, sagt Stadler. Also wieder ein Wallbergrennen? „Natürlich mit Elektro-Autos“, sagt Stadler, „das wär doch eine coole Geschichte.“

gr

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