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Die Seniorenresidenz Wallberg soll deutlich erweitert werden. Die bisherige Planung stößt bei Anwohnern auf Widerstand.  

Rottacher Gemeinderat fordert Nachbesserungen  

Seniorenresidenz: Planung muss auf den Prüfstand

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Mehr Wohnplätze, mehr Einzelzimmer: Die Rottacher Seniorenresidenz Wallberg will wachsen. Doch von den Anwohnern kommt viel Gegenwind, und auch dem Gemeinderat erscheint die Planung zu wuchtig. 

Rottach-Egern– „Die Planung ist noch nicht reif“, urteilte Bürgermeister Christian Köck (CSU) am Ende eines Marathons. Eine Stunde lang hatte er abwechselnd mit Bauamtsleiterin Christine Obermüller Stellungnahmen zur Änderung des Bebauungsplans Seniorenresidenz Wallberg verlesen. Eigentlich sollte der Gemeinderat anschließend den Billigungsbeschluss fassen. Das geschah nicht. Am Ratstisch war man sich einig: Die Bedenken der Anwohner müssen sorgfältiger geprüft, die Planung nachgebessert werden.

„Wir haben da eine große Verantwortung“, machte Köck deutlich. Zum einen, weil unzweifelhaft Bedarf besteht, mehr Wohnplätze für Senioren zu schaffen. Ihre Zahl soll in der Wallberg-Residenz von 103 auf 163 steigen. Gleichzeitig ist geplant, deutlich mehr Einzelzimmer anzubieten, was den Platzbedarf weiter erhöht. Sicher sei auch jeder froh, am Lebensabend einen Raum für sich allein zu haben, meinte Köck.

Aber: Auf dem Grundstück der Seniorenresidenz in der Nähe der lieblichen Weissachauen ist nicht viel Platz. Um den Raumbedarf zu decken, ist unter anderem ein neuer Westtrakt mit vier Geschossen geplant. Auch die enge Zufahrt ist ein Problem. Nicht nur den Anwohnern ist die Planung zu wuchtig. Auch dem Gemeinderat erscheinen die Neubauten sehr massiv. Er sieht sich in der Pflicht, auch eine andere Verantwortung nicht zu vernachlässigen: die für Ortsbild und Landschaftsschutz.

Nachbarn der Seniorenresidenz beklagen die Rücksichtslosigkeit, mit der ihnen ein gewaltiger Baukörper vor die Nase gesetzt werden soll. Die Vermietung von Ferienwohnungen etwa werde in unzumutbarer Weise beeinträchtigt. Vorgeschriebene Abstandsflächen würden nicht eingehalten, auch das Verkehrsproblem sei nicht gelöst. Sollte die Planung nicht verändert werden, ließen Betroffene wissen, werde man alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, die Realisierung zu verhindern.

Wie im Abwägungsverfahren üblich, geht das Bauamt auf alle Einwände in Stellungnahmen ein. Diese sind dann vom Gemeinderat abzusegnen. Doch in diesem Fall gab’s viel Kopfschütteln. Die vorgelegten Stellungnahmen, vom Rechtsanwalt des Bauwerbers verfasst, erschienen dem Gremium teils nicht zutreffend. Die Abwägung sei nicht sorgfältig genug erfolgt, urteilte Andreas Erlacher (FWG). Der Gemeinderat müsse in dieser Sache kritisch sein und genau recherchieren: „Ich habe da ein extrem schlechtes Gefühl.“

Josef Kaiser (CSU) lehnte die Planung rundweg ab. Die massive Bebauung sei mit dem Landschaftsschutz nicht verträglich. „Es wäre ein totaler Fehler, wenn wir da zustimmen.“

In die Warteschleife geht das Projekt ohnehin. Wegen formaler Fehler ist eine erneute öffentliche Auslegung erforderlich. Zeit, die gut für Nachbesserungen zu verwenden ist, wie Gabi Schultes-Jaskolla (FWG) meinte. Ihr Fraktionskollege Georg Höß warnte unterdessen davor, dem Projekt einen totalen Stopp zu verpassen. „Wir werden alle älter.“ Die Notwendigkeit, mehr Betreuungsplätze für Senioren zu schaffen, könne man ebenso wenig leugnen wie den Klimawandel.

Am Bedarf hat auch Mediziner Klaus Fresenius (FWG) keinen Zweifel. Umso wichtiger ist es ihm, dem Investor jede Möglichkeit zu nehmen, in dem geplanten Neubau am Ende doch kein Seniorenheim zu realisieren, sondern schlicht Wohnungen zu errichten. Im Bebauungsplan hat die Gemeinde die Nutzung zwar schon verankert, doch soll ein städtebaulicher Vertrag zusätzliche Sicherheit bringen. „Wir haben da noch viel Arbeit vor uns“, erkannte Köck. Der Beschluss wurde vorerst vertagt. Am Ende, merkte Thomas Tomaschek (Grüne) an, werde es wohl auf einen Kompromiss herauslaufen: „Mit dem Entwurf kommen wir nicht zusammen.“

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