Kutschenmuseum in Rottach-Egern
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Das Modell eines Vierergespanns. Eine Station zeigt, wie die Einzelteile des Geschirrs heißen.
Kutschenmuseum in Rottach-Egern
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Der große Reiselandauer aus dem Jahr 1780 ist das Prachtstück der Ausstellung. Er wurde auch als Postkutsche genutzt. 
Kutschenmuseum in Rottach-Egern
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In der Tenne sind zahlreiche Chaisen zu sehen. Im Vordergrund kleine Goaßlschlitten. 
Kutschenmuseum in Rottach-Egern
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Vor der Theke des Cafés Gäuwagerl: (v.l.) Bürgermeister Christian Köck, Jo Bogner als Vertreter der Wirtsfamilie und Alt-Bürgermeister Konrad Niedermaier. 
Kutschenmuseum in Rottach-Egern
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Zur Ausstellung gehören auch historische Pferdeschlitten.
Kutschenmuseum in Rottach-Egern
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Die Sammlung hübsch gepolsterter Kutschen wurde zum größten Teil von Thomas Böck zusammengetragen.
Kutschenmuseum in Rottach-Egern
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Im neuen Café Gäuwagerl lässt es sich gemütlich sitzen. Es ist in ehemaligen Ausstellungsräumen des Kutschenmuseums untergebracht. 
Kutschenmuseum in Rottach-Egern
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Das Café Gäuwagerl bietet insgesamt 50 Sitzplätze. Es wird von der Wirtsfamilie Bogner geführt.

So sieht das neue Kutschenmuseum aus

Kutschen und ihre Geschichte - ein Rundgang in Bildern

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Rottach-Egern - Alles neu macht der Mai. Auch beim Rottacher Kutschenmuseum. Neben einem Café gibt's viele schöne Stücke - mit spannenden Geschichten.

Rottachs Bürgermeister ist Konrad Niedermaier (78) schon seit 16 Jahren nicht mehr. Aber das Kutschenmuseum, das ist ihm geblieben. Der Rosserer Thomas Böck hat ihm damals seine Sammlung ans Herz gelegt, und Niedermaier pflegt sie noch immer, mit Unterstützung von Thomas Esterl und Bernd John. „Er ist unser Museumsdirektor“, scherzt der amtierende Bürgermeister Christian Köck (CSU).

Zuletzt gab’s viel zu tun. Wie berichtet, hat die Gemeinde dem Museum das Café Gäuwagerl hinzugesellt. Wegen des Umbaus war das Muesum sechs Monate geschlossen, vieles musste neu gestaltet werden. Die Ausstellung hat Räume verloren, aber an Attraktivität gewonnen. In dem Café mit 50 Plätzen kredenzt die Wirtsfamilie Bogner Kuchen und Kaffee Schmankerl und Getränke. Zum Museum geht’s durch ein Drehkreuz. Kinder haben freien Eintritt, Erwachsene zahlen drei Euro für den Rundgang.

Eine Kassenkraft braucht es nun nicht mehr. Und der Mix aus Cafébesuch und Museumsrundgang hat das Zeug zum Ausflugsziel. „Es war uns wichtig, ein zusätzliches Angebot zu schaffen“, sagt Köck. Rund 300 000 Euro hat die Gemeinde investiert. In siebeneinhalb Jahren dürfte sich die Summe amortisiert haben. Bislang hat das Museum ein Minus verursacht: etwa 70 000 Euro im Jahr.

Dabei gibt es dort viel zu entdecken. Da ist der gewaltige Reiselandauer aus dem Jahr 1780, in dem zehn Menschen sitzen konnten. Der frühere Wiesseer Bürgermeister Paul Krones hatte ihn von Tirol an den Tegernsee bringen lassen. Unter großen Schwierigkeiten, wie Niedermaier weiß. Überhaupt sind es die Geschichten zu den Exponaten, die einen Museumsbesuch spannend machen. Sie sind auf kleinen Tafeln beschrieben. „Aber wir wollen einen Audio-Guide machen lassen“, kündigt Köck an.

An Stoff fehlt es nicht. Staunen lässt zum Beispiel das kostbare Geschirr, das einst der Schah von Persien, Reza Pahlevi, bei der Sattelfabrik Kieffer bestellte. Doch dann wurde der Schah gestürzt. Der neue Herrscher Ayatollah Khomeini wollte zwar das Geschirr, verweigerte aber die Zahlung der fälligen 25 000 Mark. Dank Niedermaiers guter Kontakte hängt das gute Stück mit dem Schah-Wappen auf den Scheuklappen nun im Museum. Auch ein Stück aus Thailand zieht die Blicke auf sich. Es ist das Modell einer Kutsche mit der Aufschrift Rottach. Ein Freund Niedermaiers hatte es in Phuket entdeckt und dem Museum geschenkt.

Die exotischen Stücke runden eine Sammlung ab, die vor allem das Leben der Bauern damals widerspiegelt. Da sind die kleinen Gäuwagerl, mit denen die Landwirte flott im Gäu, also in der Region, unterwegs waren. Manche hatten auch eine Ladefläche. „Da wurde die Sau zum Eber gebracht“, weiß Niedermaier. Wenn die Honoratioren unterwegs waren, ging es feiner zu. Auch eine schicke Chaise, die einst dem Ostiner Kistlerwirt gehörte, hat den Weg ins Museum gefunden. Ebenso ein schneller Wagen, in denen Ärzte und Hebammen unterwegs waren. „Da fehlt eigentlich nur das Blaulicht“, meint Niedermaier.

Bequemer saß man im Münsterländer Reisewagen, den das Tegernseer E-Werk dem Museum gestiftet hat. Hier konnte sogar der Kutsche im Trockenen sitzen. Stolz ist Niedermaier auch auf das fein bestickte Sechserzug-Haflingergeschirr aus dem Gestüt Underberg in Schwärzenbach. Und auf die von Martin Walleitner nachgebauten Bauernhöfe, die von Hand bemalten Zinnfiguren, die geflickten Pfannen aus alten Zeiten.

Zuletzt hat Niedermaier gemeinsam mit Thomas Esterl die Sammlung vor zwei Jahren ergänzt. Aus Veichtshöchheim holten sie einen Schiffslandauer aus dem Jahr 1800 ab. „Der war so unglaublich dreckig und kaputt, dass wir schon überlegt haben, ob wir ihn wirklich mitnehmen wollen“, erzählt Niedermaier. Mit viel Sachkenntnis und Liebe zum Detail restaurierten Esterl und seine Helfer das gute Stück wieder, ein Experte vertrieb den Holzwurm. Jetzt soll Schluss sein mit dem Sammeln, zumal der Platz für neue Exponate fehlt, wie Niedermaier sagt: „Und wir haben auch noch einiges im Lager.“

Eröffnet

wird das Museum im Gsotthaber Hof am morgigen Samstag um 15 Uhr von Bürgermeister Christian Köck. Konrad Niedermaier führt die Besucher durch die Ausstellung. Das Museum ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet, außer donnerstags.

Der Gsotthaberhof, in dem heute Museum und Café beheimatet sind, wurde schon in einer Chronik des Jahres 1346 erwähnt, als Lehen des Klosters Tegernsee. Der erste freie Bauer auf dem Hof war Franz Öttl (1773 bis 1852), der übrigens auch als Rottachs erster Bürgermeister gilt. Den alten Hof gibt es allerdings nicht mehr. Er brannte am 6. Oktober 1933 nieder. Seit 1953 gehört der Gsotthaber Hof der Gemeinde Rottach-Egern. Der pferdenärrische Thomas Böck (1919 bis 2007), Begründer des Rosstags, mietete 1964 Stall und Tenne. Dort stand Böcks Haflingerstute Kitty, deren Fohlen Stefan später als schnellster Haflinger des Oberlands zur Legende wurde. In dieser Zeit begann Böck, alte Kutschen, Wägen und Schlitten zu sammeln, die er in der Tenne lagerte. Unter der Führung von Konrad Niedermaier, damals Bürgermeister, erwarb die Gemeinde 1997 die Sammlung Böcks mit dem Ziel, ein Kutschenmuseum zu errichten. Um alles unterzubringen, war ein Anbau nötig. Am 2. Oktober 2001 wurde das Museum dann feierlich eröffnet, von Niedermaiers Nachfolger Franz Hafner.

Für den Einbau des Cafés Gäuwagerl hat die Gemeinde nun noch einmal kräftig investiert. Und das Kutschenmuseum hat einen neuen Namen bekommen, um die Historie des alten Hofs zu würdigen. Es heißt nun: Museum im Gsotthaber Hof – Bäuerliches Brauchtum in Rottach-Egern.

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