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Blond und bissig: So präsentierte sich Simone Solga am Wochenende auf der Bühne des Rottacher Seeforums.

Kabarettistin präsentiert aktuelles Programm

Simone Solga: Mit kesser Schnauze im Seeforum

Rottach-Egern - Man kennt sie aus der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, aus Kino und Fernsehen: Jetzt war die Kabarettistin Simone Solga mit ihrem neuen Programm im Rottacher Seeforum zu sehen.

Zuerst soufflierte sie Angela Merkel, nun plaudert Simone Solga aus dem Nähkästchen der Regierungschefin – sogar bis hin zur Enträtselung der Hände-Raute. In ihrem aktuellen Programm „Im Auftrag Ihrer Kanzlerin“ führte die Kabarettistin am Wochenende im Rottacher Seeforum hinter die Kulissen der großen Politik. In einem zweistündigen Feuerwerk bot die zierliche Blondine mit dem sächsischen Akzent das volle Programm der aktuellen Themen – einschließlich des jüngsten CDU-Parteitags.

Obwohl Solga den Rottachern anfangs gleich die „anatomischen Ressourcen“ zum Lächeln abgesprochen hatte, gelang es ihr mit scharfem Blick, kesser Schnauze und boshaften Spitzen mehrfach, den Raum mit schallendem Gelächter und Szenenbeifall zu füllen. Zum Beispiel mit der Vorstellung von den („nahe beieinander liegenden?“) US-Präsidentschaftskandidaten Hillary und Donald, ihrem Ablästern über allzu einheitliche „Arschitäktur“ von Bürohochhäusern oder mit dem Gag über die Treuepunkte an der Supermarktkasse für den Kondomkäufer.

Doch sie sorgte im Laufe ihres Auftritts auch für nachdenkliches Schweigen. „Glauben Sie, die Angela hat gute Laune in ihrem Amt?“ Ängsten vor Enteignung, Einbrechern oder knapper Rente riet sie mit sofortigem Konsum zu begegnen: „Raus mit der Kohle, Prassen und Tebartzen!“ Kritisch setzte sie sich mit den ständigen Krisengipfeln, Flüchtlingsproblemen, dem Statistik-Wahn, Pegida und „Führer-Problemen“ bei der AfD auseinander und korrigierte die Kanzlerin sowie Ex-Präsident Christian Wulff: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland, wohl aber die Moslems, die bei uns leben.“

Sehr witzig auch ihr laszives Lied über einen furchteinflößend männlichen Wunsch-Kerl – „ein Trojaner, jede Sünde wert“. Augenzwinkernd und mit aufregender Röhre trug sie den Song vor. Später folgte noch ein schmeichelndes Schlaflied voller Ironie für „Angie“.

Weniger amüsant fand das Publikum die Tatsache, dass sich Solga einen Gast aus der ersten Reihe herauspickte, den sie – teils hart an der Grenze zur Beleidigung – in ihre Nummern einband. Doch „Werner“ trug sein Los mit Humor und Fassung.

Für die gelegentlichen Schwächen des Programms entschädigte die Kabarettistin mit einem glänzenden Schluss. In atemberaubendem Tempo zappte sie sich durch wohlbekannte Fernsehformate und mixte Fetzen von Kochshows, Werbung, Stöhn-Hotlines, Geschwätz-Runden, Terror-Nachrichten, Verdauungsproblemen, Krimi-Verhören, Wetterbericht, Liebesdramen und Hintergrund-Doku-Blabla zu einem einzigen „Arrrh!“ – wunderbar!

Allein dafür hatte sich das Kommen gelohnt. Dass der Saal wegen der Konkurrenz zum Tegernseer Advent nur halbvoll war, glich das Publikum mit doppelt starkem Beifall aus – und mit dem Versprechen, mit Mundpropaganda beim nächsten Mal für mehr Zuspruch zu sorgen.

Gudula Beyse

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