Eröffnungskonzert Musikfest Kreuth
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Musikalisch besonders einfühlsam geleitete das Stuttgarter Kammerorchester unter Leitung von Thomas Zehetmair die Zuhörer durch den Eröffnungsabend des 32. internationalen Musikfests.

Ungewöhnlicher Start der Konzertreihe

Eröffnungskonzert des internationalen Musikfests Kreuth: Ein Auf und Ab der Emotionen

  • Alexandra Korimorth
    VonAlexandra Korimorth
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Zwischen Optimismus und Trauer: Die Eröffnung des 32. internationalen Musikfests Kreuth am Tegernsee war in jeder Hinsicht eine bewegende Veranstaltung.

Rottach-Egern – Von der sonst vor dem ersten Konzert der Tegernseer Festspielzeit geradezu greifbaren Freude und gespannten Neugier auf das Kommende war am Donnerstagabend vor dem Eröffnungskonzert im Rottacher Seeforum nur wenig zu spüren. „Es ist alles ungewohnt, aber wir gehen mit Optimismus an den Start“, begrüßte Festivalleiter Dieter Nonhoff die treuen Musikfest-Freunde und Ehrengäste. Dabei hatte er nicht nur die allseits präsenten FFP2-Masken im Blick. Diese mussten während der gesamten Dauer des Konzerts – das coronabedingt minutengenau durchgetaktet und auf rund 60 Minuten eingekürzt worden war – getragen werden. Wer das zwischenzeitlich und angesichts des eindrucksvollen Auftritts der Musiker und Sängerin Okka von der Damerau kurzzeitig vergaß, wurde umgehend aufgefordert, die Maske wieder aufzusetzen.

Alle Konzerte des Musikfests sind so gut wie ausverkauft

„Wir achten da sehr genau drauf, damit wir unser Musikfest nicht abbrechen müssen, weil sich ein einzelner nicht an die Hygienebestimmungen gehalten hat“, erklärte im Anschluss Helge Augstein, künstlerischer Leiter des Musikfests. Die Neuerungen haben immerhin dazu geführt, dass alle Konzerte, inklusive Kinderprogramm, so gut wie ausverkauft sind. Auch wenn über diesen Umstand bei den Veranstaltern keine rechte Freude aufkommen konnte. Schon gar nicht an diesem Abend, den Musikfest-Freund und -Sponsor Helmut Nanz, den die Kulturgemeinde im vergangenen Jahr an das Virus verlor, noch initiiert hatte. Dem Stuttgarter Unternehmer war somit das Eröffnungskonzert gewidmet worden. An seiner statt saß nun die Familie Nanz geschlossen in der ersten Reihe.

Musiker und Sängerin geleiten gefühlvoll durch den Abend

Mit dem Programm sollten die Zuhörer im Saal die zurückliegenden Monate mit all den Verlusten und der Hoffnung noch einmal durchleben und einen Läuterungsprozess erfahren können. Besonders feinfühlig führte das Stuttgarter Kammerorchester unter Leitung von Thomas Zehetmair die Zuhörer durch die einnehmend weiche, warm umfangende und Heilung verheißende Einleitung zur Oper „Capriccio“, die Richard Strauss sehr bewusst als Kontrapunkt zum tobenden Zweiten Weltkrieg komponierte. Und auch Mezzosopranistin Okka von der Damerau begleitete mit ihrem warmen, den Klangkörper über sämtliche Oktaven hinweg als wunderbar abgerundet erscheinen lassendem Timbre durch Richard Wagners fünf Lieder. Diese hatte Wagner auf Grundlage der Gedichte seiner unerfüllten großen Liebe, Mathilde Wesendonck, komponiert. Ob in „Der Engel“, „Stehe still!“, „Im Treibhaus“, „Schmerzen“ oder „Träume“ – Damerau vermochte, aus allen emotionalen Untiefen herauszufinden und Hoffnung aufkeimen zu lassen.

Mit Abstand und Maske: Unter neuen - ungewöhnlichen - Bedingungen verfolgten die Zuhörer das Eröffnungskonzert im Rottacher Seeforum.

Den Höhepunkt der emotionalen Läuterung aber brachten Richard Strauss’ „Metamorphosen“, mit denen die 23 Streicher das Publikum nicht nur durch die emotionalen Unwägbarkeiten des Lebens und das daraus resultierende Erstarken geleiteten, sondern es geradezu in physisch wahrnehmbaren raumfüllenden Klängen salbte.

Wiedersehen wurde vor und nach dem Konzert unter freiem Himmel gefeiert

Dass der Applaus ein paar Sekunden auf sich warten ließ, war ein Indiz dafür, dass sich die Musikfest-Freunde an so viel mittels Musik erlebbarer Emotionalität erst wieder gewöhnen mussten. Zumal sich der Abend zeitlich komprimiert und umfassend einnehmend gestaltete. Auch entfiel die Pause mit dem obligatorischen, inspirierenden Austausch. Dennoch wurden das Wiedersehen und der Umstand, dass das Musikfest überhaupt stattfinden kann, vor und nach dem Konzert vor dem Seeforum gebührend gefeiert.

ak

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