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Begehrte Wohnlage: in dem Gebiet zwischen Georg-Hirth-Straße, Oberachweg und Pflegerweg soll ein Bebauungsplan für Ordnung sorgen.

Klare Vorgaben fürs Bauen

So versucht die Gemeinde gegen die Bauwut anzugehen

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Rottach-Egern - Die Gemeinde macht ernst und versucht, die Bautätigkeit besser zu steuern: Ein Bebauungsplan für das Gebiet zwischen Georg-Hirth-Straße, Pflegerweg und Oberachweg ist in Arbeit.

Das Dreieck zwischen den drei Straßen ist gekennzeichnet durch Ein- und Zweifamilienhäuser mit Gärten drumherum. Auch ein Tourismusbetrieb, das Hotel Bergspatz, ist darunter. Der Charakter dieses locker bebauten Gebiets soll so bleiben, findet der Gemeinderat. Um zu verhindern, dass Bauanträge gestellt werden, damit aus Einfamilienhäusern große, gewinnbringende Mehrspänner mit Tiefgaragen werden können – dem derzeit angesagtesten Baumodell in Rottach-Egern – hat die Gemeinde bereits eine Veränderungssperre erlassen. Denn Vorbescheids-Anträge für Bauprojekte gibt es schon.

Bei seiner letzten Sitzung im zu Ende gehenden Jahr befasste sich der Gemeinderat mit der Aufstellung eines Bebauungsplans für dieses Gebiet. Damit hat die Gemeinde die Möglichkeit, die Größe der Bebauung festzulegen und auch die Gestaltung zu steuern. Weil dieser Bebauungsplan hieb- und stichfest sein und möglicherweise auch vor Gericht standhalten muss, nimmt sich die Gemeinde ausreichend Zeit. Sie beauftragte ein Fachbüro mit einem Entwurf des „Bebauungsplans Nr. 23“. Bauamtsleiterin Christine Obermüller erklärte die wichtigsten Eckdaten: So dürfen die zwischen 120 und 250 Quadratmeter großen Grundstücke künftig nur mit maximal zwei Wohneinheiten bebaut werden. „Damit das Wohngebiet homogen und locker gestaltet bleibt“, lautete Obermüllers Begründung. Die Wandhöhe der Häuser darf maximal sechs Meter betragen. Gerade dieser Punkt hat zuletzt zu Debatten im Ortsplanungsausschuss geführt, als mehrere Bauanträge zur Diskussion standen, bei denen noch mehr Wandhöhe beantragt war. Die Gebäudelänge darf 19 Meter nicht überschreiten. In diesem Punkt muss sich die Gemeinde an bestehenden Häusern orientieren.

Insgesamt orientiert sich Rottach-Egern an seinem Bebauungsplan für das Gebiet an der Karl-Theodor-Straße.Es dient als Vorbild, zumal ein Gerichtsprozess, den ein Bauherr ausgefochten hatte, heuer zugunsten der Gemeinde entschieden wurde.

„Wir machen uns Gedanken“, reagierte Vize-Bürgermeister Josef Lang (CSU), der die Sitzung für Rathauschef Christian Köck (CSU) leitete, auf die jüngste Berichterstattung zur Bauwut im Ort. Köck, der seine Reha unterbrach und mit am Ratstisch saß, ergänzte im Laufe der Diskussion, dass die Gemeinde keine „Verhinderungsplanung“ machen wolle. Mit diesem Bebauungsplan sei man auf einem „guten Weg“.

Nachfragen gab’s zur Zukunft des Hotels Bergspatz. Dass nach einer eventuellen Auflösung des Betriebs vier Einfamilienhäuser dort entstehen könnten, war für Anastasia Stadler (CSU) fragwürdig. Da es sich aktuell um ein reines Wohngebiet handle, sei dies möglich, erklärte Obermüller. Andreas Erlacher (FWG) sah hier ebenso Nachbesserungsbedarf. Geprüft wird nun, ob das Grundstück des Hotels Bergspatz in ein Sondergebiet Fremdenverkehr gepackt werden könnte, um den Erhalt für den Tourismus zu sichern. Zudem gefiel Erlacher nicht, dass kein durchgängiger Grünstreifen eingezeichnet ist. 

„Der ist wichtig und gut, und wenn das nicht geht, stimme ich nicht zu“, sagte Erlacher. Der dritte Kritikpunkt Erlachers betraf die Wandhöhe der Gebäude. Es müsse doch machbar sein, dass aus städtebaulichen Gründen eine Abstufung der Wandhöhen zu den begrenzenden Straßen hin möglich ist. Ein paar Fragen sind also noch offen. Sie sollen bis zur nächsten Sitzung im Januar geklärt sein. Dann wird der Gemeinderat den Bebauungsplan endgültig auf den Weg bringen. Zwei Bebauungspläne dieser Art sind gerade in Arbeit, erklärt Obermüller auf Nachfrage. Ein weiterer, im Zentrum beim Rathaus, soll folgen. Und auch ein Bebauungsplan für Flächen an der Werinherstraße ist im Gespräch.

gr

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