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Die Deichkrone entlang der Rottach soll um durchschnittlich 50 Zentimeter erhöht werden. Um das zu ermöglichen, wurden am Ufer bereits zahlreiche Bäume gefällt. Von einem Kahlschlag war die Rede. 

Maßnahme zum Hochwasserschutz

Stadträte haken nach: Viele Fragen zum Rottach-Ausbau

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Die Hochwasserschutz-Maßnahme an der Rottach ist beschlossene Sache. Die Vorarbeiten für den Ausbau haben stattgefunden. Doch jetzt hakte der Stadtrat Tegernsee bei den Verantwortlichen noch einmal nach.

Rottach-Egern Eigentlich ist die Planung des Rottach-Ausbaus für das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Rosenheim in trockenen Tüchern. Die Behörde, die die Hochwasserschutz-Maßnahmen im Auftrag der Regierung von Oberbayern durchführen lässt, hat mit allen betroffenen Grundstückseigentümern geklärt, welche Ausbau-Variante wo ausgeführt wird. Auf Rottacher Seite sind 88 Grundbesitzer betroffen, auf Tegernseer Seite 23. Der Rottacher Gemeinderat war bereits im Januar im Detail informiert worden, auf eigenen Wunsch bat der Tegernseer Stadtrat jetzt um Aufklärung. Zur jüngsten Sitzung kamen also Projektleiter Gerhard Lichtnecker und Planer Martin Killi ins Rathaus, um Rede und Antwort zu stehen.

Bekanntlich wird entlang der 1,3 Kilometer langen Strecke zwischen der Tuftenbrücke beim Sportplatz Birkenmoos und der Brücke an der Bundesstraße die Deichkrone um durchschnittlich 50 Zentimeter über dem jetzigen Niveau erhöht. Drei Varianten sind dafür möglich: der Einbau von Winkelstützmauern aus Fertigteilen, auf denen ein Geländer zur Absturzsicherung sitzt, die Erhöhung der Deichkrone mit vorgesetzten Mauersteinen (Variante zwei) sowie die Erhöhung mit einer großflächigen Aufschüttung zu beiden Seiten (Variante drei).

In allen Fällen bleibe der Deichweg erhalten. Wie sich inzwischen gezeigt habe, wünschen 90 Prozent der Anwohner einen Ausbau mit einer Schwergewichtsmauer, also Variante zwei. Die Winkelstützmauer sei nur im Bereich des neuen Fußgängerstegs möglich, nur ein Nachbar habe sich für die Variante drei ausgesprochen.

Zum Zeitplan: Die Anpassung des Entwurfs, die Planungsabstimmung mit dem Ingenieurbüro sowie die Planung der Ausschreibung seien bereits am Laufen. Auch die Rodung ist schon erledigt. Die Maßnahme hatte bei vielen Talbewohnern großes Bedauern ausgelöst. Sogar von einem Kahlschlag war die Rede.

Nach all der Information hatten die Stadträte dennoch etliche Fragen. „Ist für eine ausreichende Absturzsicherung gesorgt?“, wollte Vize-Bürgermeister Heino von Hammerstein (Bürgerliste) wissen. Laut Lichtnecker sei dies Aufgabe des WWA, dafür zu sorgen. Christine Laprell (CSU) fragte nach, wie oft die Rottach in den vergangenen 20 Jahren überhaupt über die Ufer getreten sei. Laut Lichtn-
ecker habe es abgesehen vom Jahrhunderthochwasser 2013 im Jahr 1999 eine kritische Situation gegeben. „Mit der aktuellen Planung sind wir für die Zukunft auf der sicheren Seite“, so der Projektleiter.

Nicht nur Laprell, sondern auch Peter Schiffmann (SPD) sorgte sich um die weitere Verlandung der Schwaighofbucht. Seiner Meinung nach sei nach der Rodung viel zu viel Schwemmgut im Fluss, das es jetzt in die Bucht spüle. „Da bleibt uns nur die Möglichkeit, auf das nächste Hochwasser zu warten, dann können wir ausräumen“, glaubte Bürgermeister Johannes Hagn (CSU). Schiffmann wollte zudem wissen, warum der komplette Hochwasserausbau nicht in einem einzigen Schritt geplant worden sei. Dies habe finanzielle Gründe, antwortete Lichtnecker. „Das Budget war nicht da, die Gelder sind nur träge geflossen.“ Die Aufteilung der Mittel sei nicht gut gelaufen, fand der WWA-Mitarbeiter. Die aktuelle Maßnahme kostet rund 4,3 Millionen Euro, 30 Prozent davon müssen die Kommunen Tegernsee und Rottach-Egern schultern, je nach Anzahl der betroffenen Grundstücke zu beiden Seiten.

Rudolf Gritsch (CSU) wollte sichergestellt haben, dass die Anlieger künftig keine nassen Keller haben. Lichtnecker versicherte, dass die Flusssohle nicht mehr angekratzt werde, letztlich liege es aber in der Verantwortung jedes Hausbesitzers, selbst für trockene Keller zu sorgen. Martina Niggl-Fisser (Bürgerliste) fand es schade, dass der alte Baumbestand entfernt worden sei. Lichtnecker versicherte, dass eine Ersatzpflanzung nach dem Motto „alt gegen neu“ vorgesehen sei. „Die Rodung tut mir auch weh“, gestand Lichtnecker, „aber sie musste sein.“

Was den weiteren Zeitplan betrifft, so soll im dritten Quartal des Jahres mit dem Bau begonnen werden. Persönliche Bedürfnisse würden bei der Einteilung der Bauzeiten berücksichtigt. Noch zum Ende diesen Jahres soll das Projekt geschafft sein. „Aber das ist sehr sehr sportlich“, meinte Lichtnecker.

gr

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