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In der Lindenstraße in Rottach-Egern sackte die Straße ab. 

Nach Bauarbeiten an Wohnhaus

Krater mitten in Rottach-Egern: Hier aktuelle Bilder

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Rottach-Egern - Mitten in Rottach-Egern ist am Dienstagabend eine Straße abgesackt. Sie hat einen Krater von 20 Metern Durchmesser hinterlassen.

+++Aktualisierung+++

Dienstagabend in der Lindenstraße: Vor dem Haus von Hans Holzer und seiner Frau Maria spielt sich eine gespenstische Szene ab: Auf einer Fläche von 20 mal 20 Metern gibt die Straße nach. „Das Absacken war richtig zu sehen“, schildert der 63-Jährige seine Eindrücke. Das Ehepaar alarmiert die Polizei, dann rückt die Feuerwehr Rottach-Egern mit Kommandant Josef Stadler und 40 Mann aus. Sie riegelt das Gelände großzügig ab. Tiefe Risse sind inzwischen im Teer zu sehen, die Fahrbahn ist um gut zwei Meter abgesunken, eine Linde ist in die tiefe gewandert. Der Kommandant holt Bauamts-Mitarbeiter Stefan Staudinger aus der zeitgleich stattfindenden Gemeinderatssitzung im nahegelegenen Rathaus. Dessen erste Einschätzung noch am Abend vor Ort: Eine bayerische Geothermiefirma, die am Nachmittag neben einem im Bau befindlichen Wohnhaus eine Erdwärmebohrung durchgeführt hat, könnte dabei eine Grundwasserblase angebohrt haben. Dabei könnte der betroffene Straßenabschnitt unterspült worden sein, bis er schließlich abbrach. 

Noch in der Nacht werden ein Vertreter des Landratsamts und das Technische Hilfswerk (THW) aus Weilheim mit zwölf Mann und einem Baufachberater nach Rottach-Egern abkommandiert. Zunächst waren sechs Männer des THW Miesbach vor Ort, später wurde die Gruppe mit Einsatzkräften des THW Weilheim und des ESS aus Berchtesgarden aufgestockt. Die Männer halten die ganze Nacht Wache. Auch Bürgermeister Christian Köck eilt nach der Sitzung zur Unglücksstelle. Die Bewohner der Häuser an der Lindenstraße 1, 2 und 9 werden evakuiert. Gegen 3.30 Uhr entspannt sich die Situation. 

Nach ein paar Stunden Schlaf ist Köck am Mittwochmorgen gleich wieder vor Ort, um die Lage zu inspizieren. Er deutet auf die sichtbaren Schäden ringsum: Ein Kellerschacht im benachbarten dm-Drogeriemarkt ist regelrecht abgerissen, ein Kanalschacht verrutscht. Die Risse am Rand des Kraters sind tiefer geworden und ein Beleg dafür, dass sich das Erdreich weiter bewegt. Das THW will es genauer wissen und hat ein Lasergerät installiert, zusammen mit mehreren Spiegeln, die an die Hauswand des Drogeriemarktes montiert sind. „Der Boden geht immer noch“, weiß ein THW-Mitarbeiter.

Der Bürgermeister ist fassungslos: „So etwas hat es in Rottach-Egern noch nicht gegeben.“ Die Suche nach der Ursache, die noch in der Nacht begonnen hat, setzt sich am Mittwoch den ganzen Tag über fort. Der Geologe soll herausfinden, wie das passieren konnte. Er wird am Donnerstag seine Arbeit aufnehmen. 

Hat die Gemeinde Fehler bei der Genehmigung des Wohnhauses gemacht? „Keinesfalls“, betont Köck. „Wir haben lediglich den Bauantrag für das Haus bearbeitet. Von einer Erdwärmebohrung wussten wir nichts.“ Offenbar soll die Firma ungewöhnlich tief gebohrt haben – etwa 45 Meter. Das Landratsamt Miesbach als Genehmigungsbehörde hat davon gewusst. Eine Stellungnahme vom Wasserwirtschaftsamts Rosenheim lag offenbar vor. "Nichts hat darauf hingedeutet, dass es Probleme geben könnte", sagt Birger Nemitz, Sprecher des Landratsamts. Ganz im Gegenteil: "Die Bedingungen im Landkreis für Geothermie sind gut." 

Kann so ein Fall jederzeit wieder passieren in Rottach-Egern angesichts des Booms an Erdwärmebohrungen zur Energieversorgung von Wohnhäuser? Sitzt Rottach-Egern auf lauter Wasserblasen? „Ich hoffe nicht“, sagt Köck. Die Ratlosigkeit steht ihm ins Gesicht geschrieben. Viele Fragen müssen jetzt geklärt werden. Jeder künftige Antrag müsse sehr genau geprüft werden. Im Internet machen derweilen kritische Kommentare zur Bauwut im Ort die Runde. 

Die Höhe des Schadens ist noch offen, sie wird sich laut Polizei bei mehreren hunderttausend Euro bewegen. „Das Beweissicherungsverfahren muss erst beginnen“, sagt Köck. Wer dafür aufkommen muss – die Genehmigungsbehörde oder die Bauherrin – ist ebenso offen. Das Landratsamt geht davon aus, dass es am Ende die Geothermiefirma treffen könnte. 

Die Lindenstraße ist vorerst nicht befahrbar, die Umleitung führt über den Erikaweg oder die Karl-Theodor-Straße. Auch der Drogeriemarkt hat vorübergehend geschlossen. Ein Schild an der Ladentür weist Kunden darauf hin. „Das ist noch offen, wer diesen Verlust bezahlt“, sagt Horst Fath, Mitarbeiter bei dm und Mieter im geschädigten Haus. 

Hans Holzer hat den ersten Schock überwunden. Er musste am Abend sein Wohnhaus verlassen und gegenüber in seinem Ferienhaus übernachten, wo er acht Ferienwohnungen vermietet. Dieses Haus ist voll belegt, in der Nacht musste auch hier das Wasser abgesperrt werden. „Die Leute müssen wohl abreisen“, sagt der Rottacher. „Gästen, die sich für das Wochenende angemeldet haben, habe ich abgesagt.“ Verletzt wurde bei dem kuriosen Vorfall keiner. Zum Glück befanden sich nur wenige Passanten am Dienstagabend auf der Straße, um ihre Einkäufe rundum zu erledigen.

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Es passierte am Dienstagabend zwischen 19 und 20 Uhr. In der Lindenstraße, einer Seitenstraße zur Bundesstraße 307 mitten in Rottach-Egern, sackt die Fahrbahn ab. Es entsteht ein fast kreisrunder Krater mit einem Durchmesser von etwa 20 Metern. Die Straße selbst sackt um etwa zwei Meter ab. Die Feuerwehr Rottach-Egern rückte mit 40 Mann aus und sperrte das Gebiet ab.

"So etwas hat es in Rottach-Egern noch nie gegeben", sagt Gemeinde-Mitarbeiter Stefan Staudinger, der von der Feuerwehr aus der zeitgleich stattfindenden Gemeinderatssitzung im nahegelegenen Rathaus geholt wird. Er ahnt die Gründe, warum es zu dem kuriosen Vorfall gekommen sein könnte: In der Lindenstraße wird gerade ein Wohnhaus gebaut. Der Bauherr habe offenbar nach Grundwasser für eine Wärmepumpe gebohrt. Dabei könnte er auf eine Wasserblase gestoßen sein, die dann zu einem Absacken der Straße geführt hat.

Verletzt wurde offenbar niemand, denn zum Glück waren um die Uhrzeit nicht mehr so viele Passanten in Rottach-Egern unterwegs, um ihre Einkäufe in den nahe gelegenen Geschäften zu erledigen.

Krater mitten in Rottach-Egern: Bilder

Der Schaden ist wohl beträchtlich. Eine Summe wurde vor Ort nicht genannt. Die Lindenstraße ist eine Gemeindestraße. Der Bauherr wird wohl für den Schaden aufkommen müssen.

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