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Auch Heimatdichter Ludwig Thoma gehört zur ausdrucksstarken Porträt-Serie „Seemänner“, mit der sich Susanne Kohler erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.  

Beginn einer Künstler-Karriere?

Hoteliersgattin macht Kunst: Die „Seemänner“ von Susanne Kohler

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Susanne Kohler hat schon immer gespürt, dass die Malerei ein Teil von ihr ist. Seit ein paar Jahren setzt sie sich intensiv damit auseinander und überrascht nun mit ihren „Seemännern“.

Gmund– Ja, sie sei mächtig aufgeregt gewesen, als bei der Eröffnung des Mizu Onsen Spa im Juli gut 500 Gäste in einer Warteschlange am Einlass standen und dabei auf ihre Bilder blicken konnten. „Ich bekam wahnsinnig viele Komplimente“, freut sich Susanne Kohler im Nachhinein. Die 48-jährige gebürtige Oberammergauerin ist Ehefrau von Korbinian Kohler, der das gemeinsame Hotel Bachmair Weissach selbst mit viel Kreativität in kürzester Zeit zu einem angesagten Wellness- und Tagungshotel gemacht hat und ständig mit neuen Ideen weiterentwickelt. „Viele internationale Gäste, die seitdem auf dem Weg ins Spa an den Bildern vorbeiflanieren, animieren mich, weiterzumachen“, sagt Susanne Kohler.

Dabei hat sie erst angefangen: Während ihres Studiums für Marketing und Kommunikation und ihrer Arbeit in einer Werbeagentur habe sie gemerkt, dass sie bewegte Bilder und Bilder in jeder Form faszinieren. Weil sie immer schon gerne gemalt habe, fasste sie den Beschluss, das Handwerkszeug dafür richtig zu erlernen. Die Familie mit vier Kindern zwischen zehn und 19 Jahren hatte sie jedoch lange gefordert, und so kam es zur intensiven Auseinandersetzung mit der Malerei erst vor drei Jahren: Susanne Kohler belegte Kurse, um verschiedene Techniken zu lernen. Ein enger Freund der Familie, der Münchner Maler Werner Maier, fing an, sie zu unterrichten. „Er ist mein Coach“, gesteht sie. Dann wurde sie auf die Akademie der bildenden Künste in Kolbermoor aufmerksam: „Da wollte ich hin“, sagt sie. Zu Professor Markus Lüpertz, dem berühmten Maler, Grafiker und Bildhauer. Sie reichte eine Mappe ein und bekam als talentierte Quereinsteigerin tatsächlich einen der begehrten 15 Studienplätze. Gerade hat sie das erste von drei Jahren hinter sich – quasi das Grundstudium.

Während eines Porträtkurses fing sie richtig Feuer: „Ich hab’ mich da richtig reingeklemmt“, erzählt Susanne Kohler, die daraufhin begann, sich mit markanten Gesichtern vom Tegernsee auseinanderzusetzen. Ludwig Erhard war der erste, in den sie sich vertiefte. Zu seinen Ehren wird im Januar 2018 wieder ein Gipfel in Rottach-Egern veranstaltet, seine Büste begegnet ihr in Gmund beim Spaziergang.

„Man beginnt mit diesen Personen ein Verhältnis, stellt sich ständig Fragen, recherchiert, schaut sich Bilder an“, sagt Kohler. Ein Bild muss die Seele verkörpern, das weiß sie. Daher seien die Augen das Wichtigste. „Sie sind Spiegel der Seele. Wenn man die richtig gut schafft, hat so ein Bild eine wahnsinnige Aussage.“

Susanne Kohler malt in Acryl, weil es die Bilder leichter mache. Die Auseinandersetzung mit ihren markanten Gesichtern dauert oft Wochen. Sie nimmt die Werke mit an den Tisch zum Essen mit der Familie, schaut immer wieder darauf, geht immer wieder darüber, „schrubbt“ regelrecht über die Gesichter, um ihnen Falten und Tiefe zu verleihen, sprüht und wischt. Mit vielen lockeren Strichen und flächigen Akzenten – durchgängig ausschließlich in Schwarz- und Weißtönen – verleiht sie den Gesichtern zugleich eine abstrakte Leichtigkeit. Jede zärtliche Berührung, sagt sie, sei eine weitere sensible Auseinandersetzung mit dem Porträt von Personen, die nicht nur Menschen, sondern Typen sind: Franz Joseph Strauß, Olaf Gulbransson, Leo Slezak und Ludwig Thoma. „Seemänner“ nennt die Künstlerin ihre erste Serie großer Porträts, „weil sie alle mit dem Tegernsee zu tun haben.“

Dass die 1,40 mal einen Meter großen Bilder jeweils unterschiedliche Hintergrundfarben haben, macht die Werke auf ihre Art poppig und zum Hingucker. Der Pfeife rauchende Heimatdichter Thoma auf Türkis, der sanft und komisch wirkende Gulbransson auf Rosa, Slezak auf hellgrün. So schafft sie es, dass die Porträts nicht altmeisterlich wirken, sondern modern und intensiv.

Neben der Serie der „Seemänner“, die sie fortsetzen will, vertieft sich Susanne Kohler in ihrem Atelier neben ihrem Wohnhaus in Moosrain gerade in ein großflächiges grünes Wald-Bild. Dann möchte sie Personen mit ihren Wunsch-Gesprächspartnern malen. „Zum Beispiel meinen Mann, der ja gerade Philosophie studiert und sich immer gerne mit dem Philosophen Immanuel Kant (Anm.d.Red. 1724-1804) unterhalten hätte.“ Ideen hat sie viele. Und Susanne Kohlers Künstler-Karriere hat ja gerade erst begonnen.

gr

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