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Die Schwaighofbucht verlandet.

Verein Rettet den Tegernsee stellt Forderung zurück

Virus legt Bürgerbegehren zur Schwaighofbucht auf Eis

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Das Corona-Virus hat auch das Bürgerbegehren zur Schwaighofbucht erwischt. Der Verein „Rettet den Tegernsee“ hat es in der Krise auf Eis gelegt. Vorerst, wie der Vorsitzende Andreas Scherzer erklärt. 

Tegernsee – „Im Moment haben die Menschen andere Sorgen“, weiß Andreas Scherzer. „Wir haben jetzt eine andere Zeit.“ Die Unterschriftenlisten fürs Bürgerbegehren zur Schwaighofbucht hat der Verein still eingesammelt. 300 Unterstützer haben die Forderung unterschrieben. Sie lautet: „Sind Sie dafür, dass die Stadt Tegernsee alles rechtlich Zulässige unternimmt, damit die zum Teil lebensgefährliche Verschlammung der Schwaighofbucht zwischen dem Anwesen Schwaighofstraße 2 im Norden und der Mündung der Rottach in den Tegernsee beseitigt, und das Baden im See wieder möglich wird?“

Bislang nur 300 Unterschriften für Begehren

400 Unterschriften müssten es für einen Bürgerentscheid mindestens sein. Ende Januar waren Scherzer und seine Mitstreiter noch davon überzeugt, diese Marke leicht erreichen zu können. Seit etlichen Jahren schon prangert der Verein den Zustand der Schwaighofbucht an. Die Stadt Tegernsee hat sich mit der Forderung, die Bucht vom Schlamm zu befreien, auch bereits intensiv befasst. Nach einem Gutachten kam der damalige Stadtrat zu der Einschätzung, dass sich mikrobiologische oder chemische Lösungen zum Schlammabbau anbieten. Ob sie zu realisieren sind, soll das Umweltministerium prüfen. Dort liegt auch die Zuständigkeit für den Zustand des Sees.

Nach Ansicht des Vereins hat die Stadt nicht genug getan. Kurz vor der Kommunalwahl startete er darum ein Bürgerbegehren. Den Auftakt machte ein Vereinstreffen Ende Januar im Rottacher Café Maxl. Dort stimmte der vom Verein beauftragte Anwalt Benno Ziegler die Runde auf eine Auseinandersetzung mit der Stadt Tegernsee ein. Ziegler hat seinen Kampfgeist bereits im Verfahren um die Erweiterung der Wasserschutzzone unter Beweis gestellt. Im Café Maxl erklärte Ziegler, der Tegernseer Rathauschef Johannes Hagn müsse seiner Sicherungspflicht nachkommen und den Freistaat zum Handeln bringen, urteilte er.

Der Bürgermeister winkte ab: Die Sicherungspflicht tauge nicht als Argument, die Bucht zu entschlammen. Sie werde vielmehr mit einer Beschilderung erfüllt, die Schwimmer vor dem Schlamm warne. Bei Bedarf werde die Stadt den Bereich zusätzlich absperren.

Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal lehnt Forderung des Begehrens ab

Klar Position gegen das Bürgerbegehren bezog die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT). Im Februar erklärte der SGT-Vorstand per Newsletter, die Bucht solle der Natur überlassen werden. „Dem extrem touristisch genutzten See würde eine kleine Schilf-Ruhezone sehr gut zu Gesicht stehen und auch von Vorteil für die dort lebenden Wasservögel sein“, hieß es dort. Die enormen Kosten für die Schlammentsorgung seien dem Steuerzahler auch nicht zumutbar.

Der letzte Punkt hat seit Februar noch deutlich mehr Gewicht bekommen. Das weiß auch Scherzer. „Der Schlamm war ein Luxusproblem, als noch Geld da war“, bekennt er. Nun, wo der Freistaat und die Stadt zur Bewältigung der Krise jeden Euro zusammenkratzen müsse, habe sich die Lage sehr verändert. Darum habe der Verein seither darauf verzichtet, weiter Unterschriften zu sammeln und auf Antworten des Ministeriums zu drängen. Aus dem Auge verlieren wolle der Verein das Problem Schwaighofbucht aber nicht. „Das hat sich ja nicht in Luft aufgelöst“, meint Scherzer, Wenn wieder Normalität eingekehrt sei, werde der Verein den Pfad weiter beschreiten. Ein zeitlicher Rahmen sei dabei nicht absehbar: „Aber das Bürgerbegehren war ja auch nicht auf ein bestimmtes Datum gesetzt.“

Lesen Sie auch: Verein Rettet den Tegernsee startet Bürgerbegehren

Schwaighofbucht: Lässt sich der Schlamm einfach zersetzen?

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