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Beim Festakt in Moskau: Michael Gorbatschow (M.) erhält den Freiheitspreis der Medien von Christiane Goetz-Weimer und Wolfram Weimer. Es handelt sich um eine Holzskulptur mit dem Titel „Dialog“.

Besuch in Rottach-Egern abgesagt

Tegernseer Preis für Michael Gorbatschow

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Rottach-Egern -  Michael Gorbatschow im Rottacher Seeforum begrüßen zu können, das wäre der Glanzpunkt des Ludwig-Erhard-Gipfels gewesen. Aber Gorbatschow hat abgesagt - und Besuch aus Tegernsee bekommen. 

Michael Gorbatschow als Empfänger des Freiheitspreises der Medien im Rottacher Seeforum begrüßen zu können, das wäre der Glanzpunkt des Ludwig-Erhard-Gipfels am Freitag, 8. Januar, gewesen. Aber Gorbatschow hat abgesagt – und den Preis schon jetzt bekommen.

Die Ehrung des russischen Friedensnobelpreisträgers sollte das „Gipfeltreffen der Elite“ – so heißt es in der Einladung – krönen. Gorbatschows Tochter lebt in Rottach-Egern, darum schien sein Kommen realistisch. Am Ende des Konferenztags am 8. Januar mit hochrangigen Vertretern von Politik und Wirtschaft wollten Christiane Goetz-Weimer und Wolfram Weimer von der Tegernseer Weimer Media Group den früheren Präsidenten der Sowjetunion, der mit Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umbau) das Ende des kalten Krieges eingeleitet hat, den Freiheitspreis der Medien für sein Lebenswerk verleihen (wir berichteten). 

Doch Gorbatschow hat kurzfristig abgesagt: Die Gesundheit des 84-Jährigen spielt nicht mit. Den Preis hat er nun schon vor dem Gipfel bekommen. Das Verleger-Ehepaar reiste in einer Blitzaktion nach Moskau und würdigte Gorbatschow dort. Der Geehrte erhielt eine Skulptur aus edlem Holz mit dem Titel „Dialog“. Sie zeigt zwei Gesichter, die sich anschauen. Das ZDF mit seinem Studio Moskau hat sie begleitet und wird noch im Januar dazu eine Sendung ausstrahlen. 

Beim Festakt der Weimer Media Group in Moskau sagte Verleger Wolfram Weimer zu Gorbatschow: „Dieser Preis würdigt Ihre historische Leistung als Friedensstifter, Brückenbauer und Versöhner.“ Als Staatschef habe er auf Dialog statt auf Konfrontation gesetzt, auf Worte statt auf Waffen, auf Partnerschaft statt auf Feindschaft. Millionen von Europäern seien durch seine Entscheidungen frei geworden. „Und Sie sind persönlich immer ein Mann des freien Wortes geblieben. Sie haben den Mut, unangenehme Wahrheiten auch gegen den Zeitgeist und gegen Mächtige auszusprechen“, erklärte Weimer. 

Michail Gorbatschow zeigte sich berührt. Einer Pressemitteilung der Weimer Media Group zufolge bat er für die Absage seines Rottach-Besuchs um Entschuldigung. Er sei oft in Deutschland gewesen, nur in den den vergangenen drei, vier Jahren immer seltener. „Der Brückenkopf dort ist meine Familie“, meinte Gorbatschow mit Blick auf die am Tegernsee lebende Tochter.

In seiner Rede appellierte Gorbatschow an das deutsche Volk, weiterhin gute Beziehungen zu Russland zu pflegen. Nur der Dialog führe zu Lösungen. Er verurteilte die Kräfte, die die Völker Europas wieder auseinandertreiben wollen. „Es existieren immer mehr Missverständnisse zwischen den Völkern, und irgendjemand will davon profitieren. Man will das, was heute in Europa ist, zurückdrehen in die Zeit, in der es sehr viele Punkte der Zuspitzung der Beziehung gab. Und man will das Wettrüsten wieder ankurbeln.“ 

Gorbatschow ermahnte insbesondere die Medien, dass sie es seien, die wahrheitsgemäße Informationen für alle Seiten bereitstellen und mit ihrer Arbeit den Weg zum Dialog ermöglichen müssten. Die vom ZDF-Team dokumentierten Aussagen Gorbatschows werden beim Gipfeltreffen in Rottach-Egern gezeigt. Zum Ludwig-Erhard-Gipfel haben sich Weimer Media zufolge inzwischen rund 330 Gäste aus ganz Deutschland angemeldet. 

Das Treffen steht unter dem Motto „Politik trifft Wirtschaft trifft Medien“. Es geht um einen Masterplan für eine soziale Marktwirtschaft 4,0, ums digitale Wirtschaftswunder, um Vision und Vernunft. Erwartet werden unter anderem Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und Frank Stieler, Vorstandsvorsitzender der KraussMaffeiGroup sowie Abtprimas Notker Wolf und Louise Gräfin Schlippenbach, ehemals Referentin von Ludwig Erhard.

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