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Obhut für ukrainische Haustiere: Tierschutzverein kümmert sich um Vierbeiner der Flüchtlinge

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Von: Gabi Werner

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Viele Ukraine-Flüchtlinge bringen ihre Haustiere mit
Neben wenigen Habseligkeiten bringen einige Geflüchtete aus der Ukraine auch ihre Haustiere mit in den Landkreis Miesbach (Symbolbild). Hier werden die Vierbeiner zunächst vom Tierschutzverein in Obhut genommen. © dpa

Immer mehr Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine stranden im Landkreis Miesbach. Einige haben auch ihre Haustiere mit auf die Flucht genommen. Der Tierschutzverein kümmert sich um die Vierbeiner.

Rottach-Egern – Es bedarf viel Feingefühl und beruhigender Worte, wenn die Mitglieder des Tierschutzvereins Tegernseer Tal gemeinsam mit den Behörden-Vertretern und Dolmetschern die Busse mit Flüchtlingen in Miesbach in Empfang nehmen. Immer wieder haben Menschen neben ihren wichtigsten Habseligkeiten auch ihre geliebten Haustiere im Gepäck. In der Erstaufnahmeeinrichtung – im Landkreis ist das die Berufsschulturnhalle in Miesbach – können die Tiere zunächst aber nicht bleiben. Deshalb springt hier der Tierschutzverein ein und nimmt Hund und Katze vorläufig in Obhut. Es soll nur eine Trennung auf Zeit sein. „Unser Ziel ist es, dass die Tiere so schnell wie möglich wieder zu ihren Leuten kommen“, sagt Vorsitzende Johanna Ecker-Schotte.

Verein sendet Bilder und Videos von den Tieren, um die Besitzer zu beruhigen

Noch von der Erstuntersuchung in der Tierarzt-Praxis aus haben Ecker-Schotte und ihre Kollegen zuletzt Bilder und Videos an die ukrainischen Besitzer geschickt, um zu zeigen, dass es ihren Lieblingen gut geht. „Vertrauen ist das Wichtigste“, weiß die Vorsitzende, die von bewegenden Szenen bei der Ankunft der Flüchtlinge berichtet. Natürlich seien die Menschen zunächst in großer Sorge, wenn sie von ihren Tieren getrennt werden. Mit Hilfe von Dolmetschern versuche man dann, den Leuten in aller Ruhe zu erklären, dass es lediglich darum gehe, die Tiere zu untersuchen und ihnen etwas Ruhe zu gönnen. „Es war schön, zu sehen, wie ruhig und menschlich das auch von Seiten der Behörden und der Security-Mitarbeiter abläuft“, erzählt Ecker-Schotte. Letztlich seien die Flüchtlinge erleichtert gewesen, „dass wir hier helfen konnten“.

Auch einen kleinen Yorkshire Terrier aus der Ukraine haben Johanna Ecker-Schotte (l.) und Tierheim-Mitarbeiterin Ulrike Meder für kurze Zeit im Tierheim aufgenommen. Der Vierbeiner konnte mittlerweile wieder zu seiner Familie zurückkehren.
Auch einen kleinen Yorkshire Terrier aus der Ukraine haben Johanna Ecker-Schotte (l.) und Tierheim-Mitarbeiterin Ulrike Meder für kurze Zeit im Tierheim aufgenommen. Der Vierbeiner konnte mittlerweile wieder zu seiner Familie zurückkehren. © Tierschutzverein

Vierbeiner aus der Ukraine müssen zunächst zum Tierarzt-Check

Insgesamt acht Tiere – fünf Hunde und drei Katzen – hat der Tierschutzverein bislang in Miesbach abgeholt und in seinem Tierheim in Rottach-Egern untergebracht. „Nach einem ersten Check beim Tierarzt waren Futter, Auslauf, Ruhe und viel Schlaf für die uns anvertrauten Tiere angesagt“, erzählt die Vorsitzende. Zudem müssen die Haustiere auf ihren Impfstatus untersucht, möglicherweise gegen Tollwut geimpft und registriert werden. Erst dann kann ein so genannter EU-Heimtierausweis ausgestellt werden.

Tierschutzverein spendiert Flüchtlingen Ausstattung und Futter

Ecker-Schotte freut sich, dass ein Teil der in Obhut genommenen Tiere bereits wieder von ihren Familien abgeholt werden konnte. Der Tierschutzverein unterstützt die betroffenen Flüchtlinge dann noch mit der notwendigen Ausstattung und Futter. „Und wir sind für die Besitzer jederzeit erreichbar.“

Aus hygienischen Gründen: Haustiere dürfen nicht in die Berufsschulturnhalle

Wann und ob die Tiere wieder mit ihren Familien vereint werden können, hängt von der jeweiligen Unterkunft ab, in der die Geflüchteten unterkommen. „Grundsätzlich spricht nichts dagegen, das Haustier beim Besitzer zu belassen“, erklärt Sophie Stadler, Sprecherin des Landratsamtes. Bei einer privaten Unterbringung müsse hier aber natürlich der Vermieter zustimmen. Stadler bestätigt, dass in der Berufsschulturnhalle die Unterbringung von Tieren leider nicht möglich sei, da das bei so vielen Menschen – die Rede ist von bis zu 150 Geflüchteten – aus hygienischen Gründen nicht zu vertreten sei. „Die Geflüchteten sollen aber bekanntermaßen sowieso nur so kurz wie möglich in der Erstaufnahmeeinrichtung sein und dann in ein privates Angebot vermittelt werden, so dass die Trennung nur kurz sein sollte“, meint die Sprecherin. In der Zwischenzeit sorge dankenswerterweise das Team des Tierheims für die mitgereisten Vierbeiner. Bisher, so teilt das Landratsamt mit, seien im Landkreis Miesbach 15 Hunde und Katzen von Kriegsflüchtlingen registriert worden.

Tatsächlich, so berichtet der Tierschutzverein, könnten nicht alle Tiere mit in die Unterkünfte ihrer Familien. „Wir sind bemüht“, sagt Ecker-Schotte, „hier eine Lösung zu finden“.

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