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Das erste seiner Art im Landkreis: Daniel Glasl aus Tegernsee hat sich ein autarkes Tiny House angeschafft. 

Trend aus den USA

Tiny Houses: Gemütlichkeit auf engstem Raum

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Die Zahl der Gästebetten schrumpft, bezahlbarer Wohnraum ist Mangelware. Der Gegenentwurf: Tiny Houses. Der Tegernseer Daniel Glasl hat sich ein solches Mini-Häuschen angeschafft. Zur Vermietung.

Rottach-Egern – Immer wieder zieht das Häuschen, das derzeit auf einem Grundstück in der Rottacher Karl-Theodor-Straße steht, die neugierigen Blicke von Passanten auf sich. Worum handelt es sich? Wohnwagen? Gartenhaus? „Ein Nachbar kam im Bademantel und mit einem Holzeimer vorbei“, scherzt Besitzer Daniel Glasl. „Er dachte, das sei ein Saunawagen.“ Weit gefehlt. Tatsächlich hat der Tegernseer dort sein Tiny House aufgestellt. Um es zu vermieten. Schon am Samstag werden dort die ersten Gäste die Nacht zubringen. Auf gerade einmal 15 Quadratmetern. Bayerische Gemütlichkeit trifft auf skandinavische Funktionalität.

Die Tiny-House-Bewegung hat ihren Ursprung in den USA

Alles da: Trotz der geringen Wohnfläche müssen die Gäste auf nichts verzichten.

In Deutschland haben die Tiny Houses noch Seltenheitswert – in den USA ist daraus bereits eine Bewegung entstanden. Der Grundgedanke dahinter ist das sogenannte „downsizing“, also die Verkleinerung. Dass sich Glasl ein solches Häuschen angeschafft hat, geht auf eine Veränderung seiner eigenen Wohnsituation zurück. Im Zuge von Umbauarbeiten schrumpfte seine Wohnfläche von rund 100 Quadratmetern auf nur 26. Als Problem hat er diesen Umstand – wider Erwarten – nicht empfunden. Ganz im Gegenteil. „Ich habe gemerkt, wie schön das ist. Wie wenig man braucht, um glücklich zu sein.“

Autark: Das Häuschen braucht weder Abwasser- noch Stromanschluss

Deswegen habe er angefangen, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Dabei stieß er auf die österreichische Firma, die sein Tiny House hergestellt hat. Glasl schlug zu. Kostenpunkt: rund 100 000 Euro. Einen Wohnwagen hätte man auch billiger haben können, könnte man jetzt sagen. Sicher. Mit einem Wohnwagen hat das Tiny House aber nicht mehr viel gemeinsam. Denn: Glasls Tiny House ist völlig autark, also unabhängig. Es braucht weder Abwasser- noch Stromanschluss. 

Glasls Tiny House ist ein komplettes Smart-Home

Gemütlichkeit auf engstem Raum: Das Tiny House misst gerade einmal 15 Quadratmeter.

Seinen Strom produziert das Tiny House nämlich mittels einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach selbst. Diese sorgt in Kombination mit einem Holzofen auch für die Beheizung und die Warmwasserproduktion. Das nötige Wasser, beispielsweise zum Duschen, entnimmt das Häuschen dem eigenen Kreislauf, in dem rund 650 Liter unterwegs sind. Das benutzte Wasser wird innerhalb eines Tages über eine Grünkläranlage auf dem Dach gereinigt und im Anschluss erneut dem Kreislauf zugeführt. Ganz ohne Wasser und auch ohne Geruchsentwicklung kommt die Trockentoilette aus. Den Urin reinigt die Grünkläranlage, Fäkalien werden kompostiert. Verzichten müssen Glasls Gäste also auf nichts, sogar W-LAN gibt es im Tiny House. Ein komplettes Smart-Home.

Gastgeber-Blut: Glasls Großvater war Eigentümer des Gasthauses Herzog Maximilian in Gmund

Das hat übrigens auch einen Namen, „Max“. Aus zwei Gründen: Zum einen, weil Glasls Großvater einst Eigentümer des Gasthauses Herzog Maximilian in Gmund war – durch seine Adern fließt quasi Gastgeber-Blut. Zum anderen als eine Art Hommage an den Herzog Maximilian. „Sollte ich mir ein zweites Tiny House anschaffen, dann wird es logischerweise Josef heißen“, scherzt Glasl.

„Wenn sich Leute vorstellen können, dass der Max bei ihnen eine neue Heimat findet, dann dürfen sie sich gerne melden“

Der Max soll künftig immer wieder an anderen Plätzen stehen. Dafür ist Glasl auf die Zusammenarbeit mit Grundstückseigentümern angewiesen. „Wenn sich Leute vorstellen können, dass der Max bei ihnen eine neue Heimat findet, dann dürfen sie sich gerne melden“, sagt der Tegernseer. Ob im Tegernseer Tal oder beispielsweise am Schliersee ist ihm egal. Dies wäre dann ohnehin nur für kurze Zeit. Stehen darf der Max derzeit nämlich nur auf Bauland und unter zeitlicher Befristung. „Das ist noch eine rechtliche Grauzone“, sagt Glasl. Solange gibt es die Tiny Houses in Deutschland ja auch noch nicht. Deswegen setzt Glasl auch auf die Kooperation mit Gemeinde und Landratsamt. Denn: „Es geht nur zusammen.“

Weitere Infomationen zu Glasls Tiny House finden Sie unter www.kleineheimat.bayern.

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