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Die alten Hasen der Band Trovasur zogen das Publikum vom ersten kubanischen Klang an in ihren Bann.

Doppelkonzert von Trovasur und Kinihasn

Publikum zwischen Jubel und Ratlosigkeit

Rottach-Egern - Beim Doppelkonzert der Bands Trovasur und Kinihasn im Seeforum schwankte das Publikum zwischen Jubelrufen und Ratlosigkeit. Grund: Die Kinihasn verstand man leider nicht.

Einmal ins Schwarze getroffen, einmal knapp daneben. Das ist die Bilanz des Doppelkonzerts „Oide Hasn – junge Hasn“ mit den Bands Trovasur und Kinihasn bei den Kunst- und Kulturtagen in Rottach-Egern. Während die sieben alten Hasen von Trovasur die rund 230 Zuschauer von den ersten kubanischen Klängen an in ihren Bann zogen, zum Mitwippen und -klatschen sowie zu Applaus und Jubel bewegten, sprang der Funke von den Kinihasn in der zweiten Konzerthälfte nicht richtig über.

Dabei hätten die Zeichen dafür gut gestanden: Kathi Weber und Sarah Leonhard, aufg’maschelt mit feuerroten Dirndln und verstärkt durch die sechs Jungs (schwarze Hosen und Hemden mit knallroten Hosenträgern) ihrer Kinihasn-Brass-Band, hatten alle Aufmerksamkeit des Publikums.

Schon mit dem ersten Song „Achtung, Achtung, Kinihasn“, seiner fetzigen, mitreißenden Brassmusik, der witzigen Moderation und frechen Choreografie war klar, dass die Kinihasn was zu sagen haben. Jeder war gespannt auf ihre rotzfrechen Texte. Schließlich sind die beiden Lehrerinnen bekannt dafür, kein Blatt vor den bayerischen Mund zu nehmen. Nur leider verstand man sie nicht.

Besonders schade war das bei „Was d’Leit sog’n“, „Scheiß da nix, na feit da nix“ und vor allem „Luada“, ein Song über die Trud vom Grea Wasserl, der schon musikalisch sehr spannend war.

Aber auch angestrengte Versuche der Mischtechnik, beim Ton nachzusteuern, brachten nichts: Die Instrumente fegten die Worte einfach fort, so dass der Großteil des nicht ganz so internetaffinen Publikums ratlos und ja, auch ein bisschen enttäuscht war. Die Zuschauer, die die Texte indes kannten und mitsangen, genossen die Gute-Laune-Party-Musik der Gruppe sichtlich.

Dass das Gros der Zuschauer auch die Texte der kubanischen Songs, die Trovasur zum Besten gab, nicht verstand, lag nicht daran, dass sie auf Spanisch waren, sondern daran, dass sie voll erotischer Anspielungen und sehr verklausuliert immer von der körperlichen Liebe, der Leidenschaft und der Sehnsucht handeln.

„Was das für ein Typ ist, wenn er Kater genannt wird, ist eh klar“, ließ Georg Höss beispielsweise bei „Adios compay gatto“ wissen. Der Rottacher (Gitarre, Tres und Gesang) moderierte launig, nachdem er sich damit abgefunden hatte, dass er, Markus Aldenhoven (Gitarre und Gesang), Andreas Erlacher (Akkordeon), Matthias Erhardt (Percussion), Sebastian Erhardt (Guitarrón), Klaus Miller (Zither, Percussion und Gesang) und Raúl Piminchumo (Percussion, Gitarre und Gesang) offensichtlich nun zu den „oidn Hasn“ zählen.

Trovasur feiert demnächst sein 20-Jähriges Bestehen und war bereits vor Jahren schon einmal bei den Kunst- und Kulturtagen zu Gast. Aber alt? In kurzen Dialogen, aber auch mit der Auswahl der Son-Cubano-Songs spielten und ironisierten sie mit dem neuen „alten“ Image.

„Die Liebe, die ich für dich empfinde, lasst sich nicht mehr verbergen. Wenn ich Dich sehe, läuft mir schon der Sabber aus dem Mund“, sangen sie als Referenz an den Buena Vista Social Club beim wohl bekanntesten aller kubanischen Lieder „Chan Chan“. Just bei diesem Hit, der wohl jedem Zuschauer im Ohr ist, zeigte Trovasur, wie genial ihre bayerische Interpretation mit dem unglaublichen Zither-Solo ist.

Dass die einheimische Band, die aus Spaß am gemeinsamen Musizieren spielt und nur selten öffentlich auftritt, ihrem Publikum an diesem Abend die gesamte emotionale Bandbreite der Sonieros zu Füßen legte, wurde mit tosendem Applaus, Jubel und Zugabeforderungen bedacht.

Alexandra Korimorth

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