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Putin-Oligarch am Tegernsee: Arbeiten an Usmanow-Villa stehen still - greifen jetzt die Sanktionen?

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Alisher Usmanov vor seiner unfertigen Villa am Tegernsee.
Alisher Usmanov vor seiner unfertigen Villa am Tegernsee. © kw/ITAR-TASS/IMAGO (Archivbild/Monatge)

Alisher Usmanow, einer der einflussreichsten Putin-Oligarchen, residiert am liebsten in Rottach-Egern am Tegernsee. Doch die EU-Sanktionen könnten ihn nun hart treffen.

Rottach-Egern - Greifen die EU-Sanktionen gegen russische Oligarchen am Tegernsee bereits? In Rottach-Egern wurden jedenfalls die Arbeiten an Alisher Usmanows Neubau eingestellt. Dabei sollten die Bauarbeiten in der Forellenstraße eigentlich bis Ostern abgeschlossen sein.

So sah es zumindest die Planung der Firmen vor, die mit den letzten Gewerken beauftragt waren. Doch ihnen wie dem Bauherrn kam Putins Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar dazwischen. Bereits vier Tage später verließ Oligarch Usmanow fluchtartig seinen Hauptwohnsitz in der Rottacher Fischerstraße. Wie berichtet, jetteteUsmanow mitsamt Entourage am 28. Februar mit seinem Airbus von München nach Taschkent.

Usmanow-Villa am Tegernsee: Bauarbeiten bei Putin-Oligarchen stehen still

Zurück blieb der im Werden begriffene Neubau in Rottach-Egern. Einige Wochen noch werkelten die Baufirmen an dem gut 20 Millionen Euro schweren Projekt weiter. Allein 6,2 Millionen davon kostete das Grundstück. Erworben wurde die Immobilie über Strohmänner auf der Steueroase Isle of Man.

Auch die anderen drei Villen Usmanows in Rottach-Egern wechselten über Briefkastenfirmen die Eigentümer. Unzählige seiner Villen, ob auf Sardinien, in Italien, London und am Tegernsee, wurden auf diese Weise erworben. Es handelt sich um Besitzungen im Wert von einigen Milliarden Euro.

Doch seit gut zwei Wochen scheint Usmanows Geldfluss für seinen Neubau in Rottach-Egern versiegt, wie Betroffene beklagen. Jahrelang wurde in Rottach-Egern mit den Immobilien des Russen gut verdient. Jetzt aber macht sich Ernüchterung breit.

EU-Sanktionen gegen Russland treffen auch Oligarchen: Bauarbeiten an Usmanow-Villa wohl unterbrochen

Sprichwörtlich über Nacht müssen die regionalen Firmen die Baustelle aufgegeben haben. Vor Ort zeigt sich: Alles liegt noch herum. Platten für die großen Terrassen, Sandhaufen, Holzpaletten, Schläuche. Selbst der Baustrom wurde gekappt.

Am Neubau in der Forellenstraße wird derzeit nicht mehr gearbeitet.
Am Neubau in der Forellenstraße wird derzeit nicht mehr gearbeitet. © kw

Der auf etwa 18 Milliarden Dollar Vermögen taxierte Usmanow sei den Baufirmen größere Summen schuldig geblieben, berichten Firmenchefs, die allesamt anonym bleiben wollen. Für sein Anwesen auf dem 2300 Quadratmeter großen Grundstück am See hatte der 68-jährige Oligarch an nichts gespart. Der ganze Garten samt Terrassen und Garageneinfahrt soll mit Heizschlangen durchzogen sein. „Niemand sollte hier schneeräumen müssen“, sagt ein Kenner der sündteuren Baumaßnahmen.

Schulden bei den Baufirmen: Oligarch Usmanow kann Villa am Tegernsee nicht fertigstellen

Doch so mancher Firmenchef hatte das Unheil kommen sehen und seine a-conto-Rechnungen bereits Mitte Februar gestellt. „Sie wurden noch umgehend bezahlt“, wie ein Unternehmer berichtet. „In weiser Voraussicht habe ich mit solchem Unheil gerechnet“, sagt er.

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Andere offenbar nicht. Eine Firma soll noch Außenstände von 150 000 Euro haben. Das scheint verschmerzbar, zumal zuvor bereits ein Mehrfaches des Üblichen für das Gewerk geflossen sein soll. „Auch wir warten seit Inkrafttreten der Sanktionen auf die Schlusszahlung“, sagt ein anderer Firmenchef. „Die Beträge kamen bis dahin immer von wechselnden ausländischen Banken.“ Russische seien nicht darunter gewesen. „Aber das Geld kam immer pünktlich.“

EU-Sanktionen gegen Russland: Usmanow-Villa am Tegernsee bleibt unfertig - Firmen ziehen sich zurück

Inzwischen würde „keine Firma mehr auf Usmanows Baustelle arbeiten, wenn das Geld nicht mehr kommt. Das ist ja klar“, sagt ein anderer betroffener Unternehmer.

Ob die Villa je fertiggestellt wird, ist fraglich. Denn der Bundestag soll noch vor der Sommerpause ein „Sanktionsdurchsetzungsgesetz“ verabschieden. Damit will die Ampelkoalition die Kompetenzen von Behörden erweitern. Sie sollen dann mit Sofortmaßnahmen Vermögensgegenstände sicherstellen können, bis die Eigentumsverhältnisse geklärt sind. Denn bisher seien die Gesetze zu lasch und nicht aufs „Oligarchenjagen“ ausgerichtet, wie es heißt.

Mit dem neuen Gesetz will die Regierung Sanktionen gegen Putin-Getreue besser durchsetzen. Ziel ist es, deren Vermögenswerte wie die Villen im Ausland einfrieren zu können. Klaus Wiendl

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