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Doch kein Putin-Freund? Oligarch äußert sich erstmals zu Immobilien am Tegernsee

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Der Rottacher Oligarch Alischer Usmanow ist derzeit in aller Munde. Jetzt hat sich der Milliardär erstmals selbst zu seinem Vermögen geäußert - und weist Vorhaltungen zurück.

Rottach-Egern – Alischer Usmanow steht nicht erst seit Putins Überfall auf die Ukraine im Zentrum öffentlichen Interesses. Der Name des Oligarchen findet sich zusammen mit 30 weiteren russischen Milliardären auf der Sanktionsliste der Europäischen Union. Sein Vermögen wird auf 15 Milliarden Dollar geschätzt. Am Tegernsee ist er bekannt, weil ihm vier Immobilien gehören sollen. Doch dies dementiert er nun auf Anfrage.

Alisher Usmanov vor seiner unfertigen Villa am Tegernsee.
Alisher Usmanov vor seiner unfertigen Villa am Tegernsee. © kw/ITAR-TASS/IMAGO (Archivbild/Monatge)

Vermögen von Tegernsee-Oligarch Usmanow: Pressebüro schickt umfangreiche Stellungnahme

Die Antwort aus dem Pressebüro Usmanows umfasst einige Seiten. In ihnen wird versucht, das Wirken des geborenen Usbeken in ein anderes Licht zu rücken. Denn bislang wurde über Usmanow nur als Putin-Freund mit besten Verbindungen in den Kreml berichtet. Die EU-Behörden sehen in ihm einen „von Putin besonders favorisierten Oligarchen“.

Er gehöre zu einem Kreis russischer Geschäftsleute, die „mit der Verwaltung von Finanzströmen betraut wurden“, in dieser Funktion habe Usmanow Putin als „Strohmann“ gedient. In der Folge wurde sein Vermögen eingefroren, wie europaweit seine anderen Villen, die Superyacht „Dilbar“ und sei Airbus A300.

Sanktionen am Tegernsee: Usmanow wird als Paradebeispiel eines russischen Oligarchen betrachtet

Einfrieren bedeutet, dass Usmanow seine Häuser nicht vermieten oder weiterverkaufen darf; sie bleiben jedoch sein Eigentum. Die Juristen nennen das ein „Verfügungsverbot“. So lautete bislang die Berichterstattung weltweit, befeuert durch politische Forderungen auf internationalen Bühnen bis hin zur EU-Kommission in Brüssel.

Auch die USA und Großbritannien setzten Usmanow auf Sanktionslisten. In die EU darf er seither nicht mehr einreisen. Alle sehen in dem 68-Jährigen das Paradebeispiel eines russischen Oligarchen, der sein Vermögen auf unlautere Art unter dem Schirm von Putin vermehrt haben soll. Dem widerspricht er nun seinem Schreiben.

Oligarch Usmanow widerspricht: Keine engen Verbindungen zum Kreml

„Usmanow war nicht an der Privatisierung von staatlichen Vermögenswerten beteiligt“, so seine Pressestelle. Ebenso wenig sei er an „Entscheidungen“ von Regierungsbeamten beteiligt gewesen, noch habe er „die ihm nachgesagten engen Verbindungen zum Kreml“.

Der Aufstieg zum „Geschäftsmann“ sei in den 80er-Jahren mit der „erfolgreichen Produktion von Plastiktüten erfolgt“. Sein Vermögen habe Usamnow in der 90er-Jahren mit „dem Handel von Wertpapieren“ und dem „Erwerb von Metallunternehmen vergrößert“. Als Kapitalanleger sei er unter anderem auch an Facebook und Twitter beteiligt.

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Usmanow hat Vermögen angeblich zwischen Familie und Management aufgeteilt

Doch bereits vor der Annektierung der Krim durch Putin 2014 und den „ersten antirussischen Sanktionen“ hat sich offensichtlich auch die Gefechtslage für Usmanow verändert. Schon „vor etwa zehn Jahren“ habe er sich aus dem Geschäftsleben „schrittweise“ zurückgezogen und „sein Vermögen zwischen seiner Familie und dem Management seiner Unternehmen“ aufgeteilt.

Da er selbst kinderlos sei, kamen „die Familien seiner Schwestern“ in den Genuss seines Vermögens. Es handelt sich dabei um Gulbakhor Ismailova und Saodat Narzieva, beide stehen aber auch auf der Sanktionsliste.

Immobilien in Rottach-Egern angeblich an Familien der Schwestern übertragen

Im Hinblick auf die Usmanow zugeschrieben Immobilien (Villen, Reihenhaus und Bootshütte) in Rottach-Egern verweist seine Pressestelle darauf, dass diese „mindestens seit dem Jahr 2006 konsequent und unwiderruflich in Trustfonds zu Gunsten der Familien seiner Schwestern übertragen“ wurden.

„Alle Objekte in Rottach-Egern, mit Ausnahme der Immobile in der Ganghoferstraße, zu welcher weder Herr Usmanov noch seine Angehörigen in irgendeiner Beziehung stehen, wurden von Herrn Usmanov tatsächlich erworben und danach zusammen mit den Nutzungsrechten in die Trusts zu Gunsten seiner Schwestern übergeben. Er mietete diese dann zu marktüblichen Preisen, damit seine Verwandten nicht an Dritte vermieten mussten.“

Oligarch am Tegernsee: Usmanow widerspricht - Alle Immobilien „mit ehrlich verdientem Geld“ erworben

Die Immobilien seien „mit ehrlich verdientem Geld nach Begleichung aller Steuern und in voller Übereinstimmung mit dem Gesetz erworben“ worden, so Usmanows Verlautbarung. „Kategorisch zurückweisen“ lässt er auch den Vorwurf des Einsatzes von „‚Strohleuten’ zum Kauf dieser Immobilien“. Dies sei „empörend und unethisch in Bezug auf Herrn Usmanow und den Familien seiner Schwestern, welche diese Immobilien in völliger Übereinstimmung mit der gesetzlichen Grundlage besitzen“.

Erfreuliches hat Usmanow dagegen für die „lokalen Fachkräfte“, die bei seinem Neubau in der Forellenstraße noch auf unbezahlten Rechnungen sitzen: „Das Unvermögen, die Kosten für die Dienstleistungen der Unternehmen zu begleichen, hängt wirklich mit den Sanktionen zusammen und werden, sobald es dazu eine Möglichkeit gibt, bezahlt.“ Klaus Wiendl

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