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Verein „Rettet den Tegernsee“: Neue Forderungen zum Hochwasserschutz

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Von: Gerti Reichl

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Das Schuhmacherwehr in der Mangfall bei Gmund
Das Schuhmacherwehr in der Mangfall bei Gmund: Der Verein „Rettet den Tegernsee“ fordert erneut die Modernisierung oder den Neubau. © Thomas Plettenberg

Der Verein „Rettet den Tegernsee“ lässt nicht locker. Er fordert, dass das Planungsverfahren zur Pegelabsenkung des Tegernsees und zur Modernisierung des Schuhmacherwehrs wieder aufgenommen wird.

Rottach-Egern – Auch wenn derzeit eher Wasserknappheit Sorgen bereitet: Der Verein „Rettet den Tegernsee“ kämpft für nachhaltigen Hochwasserschutz. Und er lässt nicht locker bei seinen Forderungen für Maßnahmen am Tegernsee, auch wenn schon 2021 ein wesentliches Projekt nach 14-jähriger Planung vom Freistaat gestoppt wurde: der Hochwasserausgleich Tegernsee, verbunden mit einem außergewöhnlichen und aufwendigen Bauwerk im Mangfallabfluss bei Gmund und der Modernisierung des Schuhmacherwehrs.

Verein fordert Informationen zum Schuhmacherwehr ein

Gerade auf dieses Wehr, das sich im Besitz der Büttenpapierfabrik Gmund befindet und dieser Tage wegen der Vergütung der Energiegewinnung in den Schlagzeilen war, richtet der Verein seinen Fokus. Über seinen Anwalt Benno Ziegler führte der Verein beim Landratsamt Miesbach eine Abfrage nach dem Umweltinformationsgesetz (UIG) durch und forderte Informationen zu Regelungen des Wehrs ein. Über die wichtigsten und vom Mai stammenden Antworten informierte Vereinsvorsitzender Andreas Scherzer bei der Hauptversammlung die Anwesenden der derzeit 109 Mitglieder.

Vorsitzender Scherzer fordert neuen Bescheid zum Wehr

Eine Frage war, ob der Betreiber des Wehrs stets seinen öffentlich-rechtlichen Verpflichtungen nachgekommen sei. Sie zielte auf den zuletzt 1986 neu erlassenen Bescheid ab, in dem festgelegt ist, wann die Staubretter im Wehr umzulegen sind, um somit ein Abfließen des Tegernsee-Wassers über die Mangfall zu beschleunigen. „Dieser Bescheid liegt dem Landratsamt nicht mehr vor“, berichtete Scherzer seinen Mitgliedern. Er fordert einen neuen Bescheid, da sich die Verhältnisse inzwischen geändert hätten.

Andreas Scherzer, Vorsitzender des Vereins „Rettet den Tegernsee“
Andreas Scherzer © Thomas Plettenberg

Landratsamt stellt klar: Wehr dient nur der Energiegewinnung

Keine Antwort habe der Verein auf die Frage erhalten, welche Maßnahmen ergriffen werden, damit das Wehr nicht zu Überschwemmungen beiträgt. Abgefragt wurde auch, ob der Klimazuschlag von 15 Prozent bei der Betriebsgenehmigung berücksichtigt wurde. Hier habe das Landratsamt klargestellt, dass das Wehr nicht zur Regelung des Hochwasser-Abflusses diene, sondern zur Energiegewinnung. Ein Faktum, das auch der Betreiber immer wieder betont. Der Klimazuschlag müsse also nicht angerechnet werden.

Hochwasserausgleich: Kritik an zugrunde liegender Masterarbeit

Aufgegriffen wurde bei der Versammlung auch eine Masterarbeit eines Rosenheimer Studenten, die offenbar in die Bewertung des dann wegen des schlechten Kosten-Nutzen-Verhältnisses gestoppten Hochwasserausgleich-Projekts eingeflossen war. Scherzer kritisiert die Arbeit: „Wie wir wissen, wurde kein einziger Seeanlieger zu seinen Schäden vom Hochwasser 2013 befragt.“ Die Kosten seien damals pauschal mit 9,5 Millionen Euro berechnet worden, „sie liegen mindestens bei 25 Millionen, ohne Folgekosten eines Hochwassers“, sagt Scherzer und fasst zusammen: „Die Masterarbeit ist nicht als Entscheidungsgrundlage geeignet, wir lehnen sie deshalb ab.“

Verein stellt mehrere Forderungen an die Landesregierung

Vier wesentliche Forderungen stellt der Verein an die Landesregierung: Erstens müssten die tatsächlichen Schäden des Hochwassers von 2013 ermittelt werden. Ein Gutachten, das die Hochwasserszenarien am Tegernsee unter Berücksichtigung des Ahrhochwassers vom vergangenen Jahr mit 200 Litern pro Quadratmeter in zwei Tagen darstellt, müsse in Auftrag gegeben werden. Drittens: Das Planungsverfahren zum Bau der Pegelabsenkung des Tegernsees und zur Modernisierung oder Neubau des Schuhmacherwehrs müsse wiederaufgenommen werden. Schließlich müsse ein neuer Bescheid für das Wehr erlassen werden, mit dem das Stauziel des Tegernsees von 725,71 auf 725,41 Meter über Normalnull (mNN) gesenkt wird. Diese Forderungen will der Verein an das Wasserwirtschaftsamt, das Umweltministerium, an die Tal-Bürgermeister und Landrat Olaf von Löwis schicken. „Dann warten wir mal auf Antworten.“

Entschlammung am Tegernsee weiterhin Thema

Die Schwaighofbucht bleibt ebenso Thema, auch wenn der Verein bekanntlich mit seinem Bürgerbegehren zur Entschlammung gescheitert war und die Renaturierungsmaßnahmen des Wasserwirtschaftsamt bereits ergriffen wurden. Scherzer und seine Mitstreiter befassen sich offenbar bereits mit einem neuen Verfahren zur umweltfreundlichen Entschlammung. „Es wird uns demnächst vorgestellt, und vielleicht taugt es ja für andere Stellen am Tegernsee.“

gr

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