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Die Verschlammung der Schwaighofbucht schreitet unaufhörlich voran. Der Verein „Rettet den Tegernsee“ will, dass endlich etwas passiert.

Verein „Rettet den Tegernsee“ mit neuen Ansätzen

Schwaighofbucht: Lässt sich der Schlamm einfach zersetzen?

Der Schlamm soll endlich aus der Schwaighofbucht verschwinden. Diese Forderung untermauerte der Verein „Rettet den Tegernsee“ bei einer Versammlung. Dabei kamen auch ganz neue Methoden zur Sprache.

Rottach-EgernDas Thema ist ein Dauerbrenner: die zunehmende Verschlammung der Schwaighofbucht und die Frage, wie mit dem Problem umgegangen werden soll. Der Verein „Rettet den Tegernsee“ um Andreas Scherzer hat sich den Kampf um den Erhalt der Bucht auf die Fahnen geschrieben. Für seine Jahreshauptversammlung im Rottacher Seeforum hatte der Verein Fachleute eingeladen. Sie sollten vor allem eines deutlich machen: Eine Entfernung des Schlamms sei durchaus möglich.

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Zunächst aber hielt Wolfgang Kron, vorgestellt als Experte für hydrologische Gefahren, einen ausführlichen Vortrag über die Entwicklung des Hochwasserrisikos im Allgemeinen. Mit Bildern von Überschwemmungen der vergangenen Jahre machte Kron das Ausmaß solcher Katastrophen deutlich. Sein Fazit: „Durch den Klimawandel haben wir mehr niederschlagsstarke Tage bekommen.“ Diese Entwicklung begünstige Sturzfluten. Das Phänomen nehme stetig zu, auch das Tegernseer Tal könne davon betroffen sein. Der Vortrag hatte in den Augen mancher Teilnehmer den Bezug zur Schwaighofbucht vermissen lassen – sie verließen deshalb vorzeitig den Saal.

Vor einem überschaubaren Besucherkreis referierte Andreas Scherzer (r.) einmal mehr über den Zustand der Schwaighofbucht.

Dann wurde es doch noch konkret. „Das Problem Schwaighofbucht ist hausgemacht“, erklärte Vereinsvorsitzender Scherzer. Es sei durch menschlichen Eingriff entstanden und müsse daher auch von Menschenhand repariert werden. Entgegen den Aussagen der Gemeinde sei bereits 2009 vom Wasserwirtschaftsamt der überhand nehmende Schlamm aus der Bucht gebaggert und dann vom Ringsee aus in eine Schottergrube bei Fischbachau transportiert worden. Jetzt herrsche erneut dringender Handlungsbedarf, sagte Scherzer. Wasserproben hätten gezeigt, dass im Vergleich zur „Top-Qualität“ des übrigen Seewassers das mittlerweile gelbe Wasser der Schwaighofbucht die schlechteste Qualität aufweise. „2000 Blesshühner leben dort etwa, da weiß man dann, was in dem Schlamm enthalten ist“, meinte Scherzer und wies darauf hin, dass es bei Badenden schon zu Verätzungen durch Entenkot gekommen sei.

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Eine Alternative zum umstrittenen Ausbaggern des Schlamms präsentierte Joachim Schöchle von der Firma Söll Tec. in Hof, die sich mit Wasseraufbereitung und -therapie beschäftigt. Ihre Methode besteht in der Einbringung eines umweltneutralen Spezialpräparates ins Wasser, das mithilfe spezieller Mikroorganismen den Faulschlamm zersetzen soll. „Weder Nutzung noch Wasserqualität werden hier beeinträchtigt“, erläuterte der Projektmanager. Das Mittel würde mit einem Spezialboot in der Bucht ausgebracht.

216.000 Euro koste diese Variante – im Gegensatz zu etwa 4,7 Millionen Euro fürs Ausbaggern. Als Erfolgsnachweis konnte Schöchle einen Beitrag aus der „Frankenschau“ zeigen, der die Anwesenden zu spontanem Beifall bewegte: Mit ihrem Verfahren hatte die Firma hier den Quellitzsee in Oberfranken erfolgreich saniert.

Abschließend kam Reinhard Seilmaier von der Firma „Wurzer Umweltdienst“ zu Wort, die für die Entfernung des groben Schmutzes, etwa Äste und Wurzeln, zuständig ist. Dies würde mit einem Schwimmbagger vorgenommen. Der Aushub würde dann über den See zum Ringsee befördert, um dort auf einer angemieteten Fläche in wasserdichten Behältern bis zur Entsorgung zu trocknen. „Die Kosten liegen hier bei 13 bis 15 Euro pro Kubikmeter“,teilte Seilmaier den Besuchern mit.

Auch eine Umweltministerin befasste sich schon mit dem Thema

Stefan Gernböck

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