Funktioniert das Suchergerät? Das können Tourengeher bei der Checkstation überprüfen, die Michael Gebhardt (r.) im Oktober mit seinem Verbandskollegen Thomas Estner installiert hat.
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Funktioniert das Suchergerät? Das können Tourengeher bei der Checkstation überprüfen, die Michael Gebhardt (r.) im Oktober mit seinem Verbandskollegen Thomas Estner installiert hat.

Bergwacht weist auf richtiges Verhalten hin

Station für Freerider und Tourengeher am Wallberg: Vor der Abfahrt den „Piepser“ checken

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Funktioniert der Lawinenpiepser? Tourengeher können das jetzt bei einer Checkstation am Wallberg überprüfen.

Rottach-Egern – Wo sich immer mehr Freerider und Tourengeher tummeln, kommt es auch vermehrt zu Unfällen mit Lawinen. Um dem ein Stück weit vorzubeugen, hat der Verband deutscher Polizeiberg- und Skiführer jetzt am Wallberg in Rottach-Egern eine Checkstation für Verschüttetensuchgeräte (VS) installiert – es ist die erste im Tegernseer Tal überhaupt.

Als Beamter der Grenzpolizeistation in Kreuth und Mitglied der Alpinen Einsatzgruppe Rosenheim bekommt Michael Gebhardt (44) die Situation im Winter hautnah mit: Seit der normale Skibetrieb am Wallberg eingestellt ist, erfreut sich das Gebiet bei Skitourengehern und vor allem Freeridern Jahr für Jahr wachsender Beliebtheit. „Wenn’s frisch geschneit hat, ist oft schon gegen Mittag alles komplett eingefahren“, sagt Gebhardt, der auch Vorsitzender des Deutschen Polizeiberg- und Skiführerverbands ist. Das Problem: Viele wagen sich ohne Notfall-Ausrüstung ins Gelände. Hier möchte der Verband, in dessen Satzung ausdrücklich auch die Unfallprävention verankert ist, nun ansetzen. Der Verein hat im Bereich der Wallbergbahn-Bergstation eine sogenannte VS-Checkstation errichtet und wird diese pünktlich zur Wintersaison in Betrieb nehmen.

Checkstation soll auch zur Anschaffung animieren

An der Tafel können Tourengeher und Freerider ihre Lawinenverschüttetensuchgeräte („Piepser“) auf deren Funktionsfähigkeit überprüfen. Und vielleicht, so hofft Gebhardt, werde der eine oder andere durch die Checkstation auch animiert, sich so ein Gerät überhaupt erst anzuschaffen. „Damit kann schließlich nicht nur ich in einer Lawine schneller gefunden werden, sondern ich kann auch andere retten.“

Doch warum wurde die Checkstation nicht an der Talstation installiert, wo Tourengeher schon vor Start des Aufstiegs ihre Piepser prüfen könnten? Gebhardt begründet dies mit dem großen Andrang, der an guten Skitagen im Bereich des Bahneinstiegs herrsche. „Da will jeder nur rauf, für die Tafel interessiert sich dann niemand“, meint der Verbandsvorsitzende.

Notausrüstung soll Standard werden

Adi Boemmel, Vorsitzender der Bergwacht Rottach-Egern, begrüßt die Einrichtung der Checkstation am Wallberg als Präventionsmaßnahme. Er betont aber auch: Das VS-Gerät allein sei kein Schutz vor einem Lawinentod. Eine Notfall-Ausrüstung mit Schaufel, Sonde und Erste-Hilfe-Set müsse zum Standard eines jeden Freeriders und Tourengehers gehören. „Dafür müssen wir das Bewusstsein schärfen“, sagt Boemmel. Außerdem appelliert er an alle Sportler, sich stets des Risikos bewusst zu sein: „Ich muss nicht überall reinfahren, wo es schön ausschaut.“ Es sei immer nötig, sich vor der Tour mit der Lawinen-, der Schneelage und dem Wetter zu beschäftigen.

Skitouren im Aufschwung

Dass der Trend des Skitouren- und Pistengehens heuer einen weiteren Aufschwung nehmen wird, davon sind sowohl Bahnbetreiber als auch Bergretter überzeugt. „Die örtlichen Sportgeschäfte verkaufen schon jetzt mehr Touren- als Skiausrüstungen“, berichtet Gebhardt. Auf den bekannten Standard-Routen rechnet er in diesem Corona-Winter daher mit einem großen Andrang. Schon in den zurückliegenden Wintern seien auf den Tegernseer Hausbergen wie etwa dem Hirschberg an schönen Skitouren-Tagen bis zu 400 Leute unterwegs gewesen, sagt Gebhardt. Umso größere Bedeutung komme der Aufklärung und der Unfallprävention zu.

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