Justizia als Richterin mit Waage.
+
Justizia muss urteilen: Ein Vorfall in einem Rottacher Lokal wird derzeit vor Gericht verhandelt.

Münchnerin (36) wegen Vorfall in Rottach-Egern vor Gericht

Vorweihnachtlicher Ärger im Weinlokal

Zu einer vorweihnachtlichen Auseinandersetzung kam es im Dezember 2019 in einem Rottacher Weinlokal. Derzeit wird der Fall vor Gericht aufgerollt.

Rottach-Egern – Jahr für Jahr ist das Weinhaus Moschner in Rottach-Egern in normalen Zeiten am 23. Dezember rappelvoll – über die Grenzen des Tegernseer Tals hinaus ist bekannt, dass es der Tag schlechthin ist, um einen Abstecher dorthin zu machen. Eine 36-Jährige aus München soll sich 2019 in der Nacht auf Heiligabend dagegen gewehrt haben, das Weinlokal zu verlassen, woraufhin es zunächst zu einer Auseinandersetzung mit dem Türsteher und anschließend mit der Polizei kam.

Vor dem Miesbacher Amtsgericht wurde ihr nun der Prozess gemacht. Laut Strafbefehl soll die Angeklagte den Türsteher gegen 5 Uhr wüst beschimpft und ihm einen Faustschlag auf dessen linkes Auge verpasst haben. Von der Polizei soll sie einen Platzverweis erteilt bekommen, diesen aber ignoriert haben. Gegen eine Fesselung durch die Beamten soll sich die 36-Jährige zudem gewehrt und nach einer Polizistin getreten, sie allerdings nicht getroffen haben.

Die Vorwürfe: Körperverletzung, Beleidigung, tätlicher Angriff, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte

Als die Beamten die Frau auf der Polizeiinspektion Bad Wiessee in eine Zelle steckten, sei die Angeklagte noch immer nicht zu beruhigen gewesen und ausfällig und gewalttätig geworden. In Summe standen so neben einer Körperverletzung mit Beleidigung noch ein tätlicher Angriff auf sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, eine vorsätzliche Körperverletzung und eine weitere Beleidigung als Vorwürfe gegen die Münchnerin zu Buche.

Angeklagte nicht selbst vor Gericht anwesend

Zu einer Äußerung der Münchnerin kam es vor Gericht vorerst nicht. Sie war selbst nicht anwesend, ließ sich durch ihren Verteidiger Kevin Rebentrost vertreten. Der Anwalt wollte zur Tatnacht keine Angaben machen, stellte aber klar: „Ich halte es für problematisch, wie die Polizei mit meiner Mandantin umgegangen ist – ich erachte die Maßnahmen für rechtswidrig.“

Die Vernehmung des ersten Prozess-Zeugen dauerte dafür umso länger – satte drei Stunden befand sich der 41-jährige Miesbacher und Türsteher des Moschner auf dem Zeugenstuhl. Denn: Für Verteidiger Rebentrost waren die Aussagen des Türstehers „zu widersprüchlich“. Der Miesbacher sagte aus, dass an besagtem Morgen alle Gäste schon den Nachhauseweg angetreten hätten – bis auf die Beschuldigte. Höflich habe er sie gebeten, das Lokal zu verlassen. „Aber sie meinte weinend, ich solle sie in Ruhe lassen und wir hätten ihre Jacke geklaut“, erinnerte sich der Türsteher. Dann sei sie auf der Suche nach ihrer Jacke – offenbar einem Erbstück der Mutter – auf die Bar gesprungen.

Türsteher und Barfrau sagen aus

„Ich hatte Angst, dass die Gläser umfallen“, sagte der Mann. Also packte er sie „und stellte sie hin“ – an einen Balken auf der Tanzfläche. Beruhigen konnte er die aufgebrachte Münchnerin nicht, „sie hat mir eine mit der Faust auf mein linkes Auge betoniert“. Auch Beleidigungen seien ihrerseits gefallen. Letztlich alarmierte der Miesbacher die Polizei und sah später noch, „dass die Frau auf dem Boden lag, von der Polizei fixiert wurde und nach einer Polizistin trat.“ Die Jacke der Frau war zu diesem Zeitpunkt längst wieder aufgetaucht.

Die Aktion mit der Polizei konnte die zweite Zeugin des ersten Verhandlungstages zwar nicht beobachten, dafür war sie im Innenraum des Moschner dabei. Die Barfrau (40) sagte aber anders als der Miesbacher aus, „dass die Frau unserem Türsteher auf die Brust trommelte und ihn dabei am Auge traf“. Also doch kein gezielter, einzelner Faustschlag? Auch erklärte die 40-Jährige aus München, dass die Angeklagte selbst wieder von der Bar kletterte, „ohne dass der Türsteher sie herunter hob“.

Verteidiger entrüstet: „Belastungseifer gegenüber meiner Mandantin“

Was Rebentrost besonders erzürnte und was er wegen des Verdachts auf Verleumdung gegen seine Mandantin auch wörtlich protokollieren ließ, war eine weitere Aussage der Bardame, die die Angeklagte belastete: „Ich habe bei ihr keine Drogen gesehen – aber sie hat bestimmt etwas anderes genommen als nur Alkohol, denn sie hatte weite Pupillen.“ Laut Rebentrost sei bei den Zeugen ein „Belastungseifer gegenüber meiner Mandantin“ zu erkennen. Der Anwalt stellte auch klar, dass seine Mandantin an dem Abend keine Drogen genommen habe, und fügte hinzu: „Sie hat nur Erinnerungslücken, weil sie viel gebechert hat.“

Zwei weitere Verhandlungen im April angesetzt

Ein Urteil fiel am ersten Verhandlungstag nicht. Schon jetzt ist klar, dass es im April mindestens zwei weitere Verhandlungstermine geben wird, zu denen acht Zeugen gestaffelt geladen werden. Richter Walter Leitner: „Bei diesen Terminen wird viel mehr Zeit für die Zeugen eingeplant.“

Philip Hamm

Lesen Sie auch: Tegernseerin wegen Giftmord an ihrem Mann verurteilt.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare