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In der neuen Traglufthalle am Birkenmoos sind bisher ausschließlich Männer, überwiegend aus Afghanistan, untergebracht. Wegen der neuen Flüchtlings-Situation im Ort sieht sich Bürgermeister Christian Köck Angriffen aus der Bevölkerung ausgesetzt.

Wegen neuer Traglufthalle für Flüchtlinge

Bürgermeister erhält anonymen Drohbrief

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Rottach-Egern - Seit in Rottach das Thema Asylbewerber aktuell ist, darf sich Bürgermeister Christian Köck (CSU) so einiges anhören. Zuletzt hat ihn sogar ein Drohbrief erreicht.

Maximal 120 Flüchtlinge können in der neuen Traglufthalle am Birkenmoos in Rottach-Egern unterkommen – gut die Hälfte der Plätze sei bereits belegt, berichtete Bürgermeister Christian Köck am Donnerstagabend in der gut besuchten Bürgerversammlung im Seeforum. Noch im Laufe des März ist damit zu rechnen, dass die Kapazität der Notunterkunft zur Gänze ausgeschöpft wird.

Eine Situation, die für die Gemeinde ohnehin nicht leicht zu meistern ist. Zu allem Überfluss sieht sich der Rathaus-Chef nun auch noch Angriffen aus der Bevölkerung ausgesetzt: „Es erreichen mich immer wieder Schmähbriefe“, berichtete Köck in der Versammlung. Die Inhalte – zumeist anonym verfasst – richten sich gegen die Flüchtlinge. Teils in primitivster Wortwahl.

Das Ganze gipfelte vergangene Woche in einem Drohbrief, der sich gegen den Bürgermeister persönlich richtete. Die „volksverhetzerischen Parolen“ in dem anonymen Schreiben brachten für Köck das Fass zum Überlaufen: „Ich habe die drei Seiten mehrmals durchgelesen und sie dann zur Polizei nach Bad Wiessee gefahren.“

Für Köck ist klar: Der Ton untereinander dürfe sich auf keinen Fall derart verschärfen. Und er betonte: „Der Bürgermeister und der Gemeinderat können am wenigsten dafür – ausgesucht hat sich die Situation keiner von uns.“

Köck sieht mit den vielen Flüchtlingen durchaus noch weitere Probleme auf seinen Ort zukommen: Sobald die Asylsuchenden anerkannt seien, würden sie auf den Wohnungsmarkt drängen – angesichts der hohen Mietpreise in Rottach ein schier aussichtsloses Unterfangen. Und an einem wollte Köck keinen Zweifel lassen: „Wir müssen zuerst auch auf unsere Leute schauen.“ Eine Aussage, für die es Applaus aus den Besucherreihen gab.

Wieder Kritik an Straßenausbau in Ellmösl

Ein weiteres Thema, das die Rottacher Bürger – zumindest einen Teil davon – bewegt, schnitt Köck mit dem Straßenausbau in der Gemeinde an. Neben dem Reisbergerweg in Oberach wurde 2015 auch ein 700 Meter langes Straßenstück im Ortsteil Ellmösl umfangreich saniert.

Letzteres sei „keine populäre Maßnahme“ gewesen, räumte der Bürgermeister ein. Der Grund: 70 Prozent der Kosten müssen die Anlieger schultern. Bekanntlich hatte das in den vergangenen Monaten für massive Proteste unter den Anwohnern gesorgt. „Aber wir können uns alle noch anschauen“, meinte der Bürgermeister, der betonte, dass die Gemeinde in Härtefällen Stundungen gewähre.

Bei der späteren Fragerunde meldete sich dennoch einer der Betroffenen zu Wort. Sepp Hehnsteiner kritisierte vor allem, dass die Kommunikation seitens der Gemeinde in Sachen Straßenausbau „schlecht gelaufen“ sei. „Kriegt wenigstens bei der Endabrechnung jeder seine Antworten?“, wollte der Bürger wissen, der in Begleitung seines Anwalts gekommen war.

Köck reagierte überrascht auf den Vorwurf. „Ich glaube schon, dass die Anlieger von der Gemeinde umfassend informiert wurden“, widersprach er.

Bis wann die Anwohner die Endabrechnung präsentiert bekommen, konnte Köck auf Nachfrage unserer Zeitung noch nicht sagen. Insgesamt hat die Sanierungsmaßnahme rund 850.000 Euro gekostet. Einige der Anlieger haben bereits angekündigt, den Endbescheid anfechten zu wollen. Denn, so Hehnsteiner, manche, die hier zur Kasse gebeten würden, seien an die 90 Jahre alt. „Die trifft es besonders hart.“

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