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Thomas Tomaschek aus Rottach-Egern hat beim Internationalen Musikfest am Samstag ein Heimspiel im Tal.

Heimspiel mit Thomas Tomaschek

Open-Air findet statt: 11 Saxophone auf Schloss Ringberg

Kreuth – Das zwölfköpfige Saxophon-Ensemble Selmer Saxharmonic, Gewinner eines Echo Klassik 2010, tritt am Samstag auf - und jetzt ist auch klar: Das Open-Air findet sicher statt.

+++ Update: Freitag, 15.35 Uhr +++

Die Wetterpropheten verheißen gute Bedingungen. Die Organisatoren des Musikfests Kreuth haben deshalb am Freitag beschlossen, das Open-Air-Konzert auf Schloss Ringberg an diesem Samstag als Freiluft-Veranstaltung durchzuziehen. Eine gute Nachricht für all jene, die keine Karten für den Auftritt von Selmer Saxharmonic mit dem Rottacher Thomas Tomaschek ergattern konnten. Denn weil auf Schloss Ringberg mehr Platz ist als in der Schlechtwetter-Alternative Seeforum, gibt es eine Abendkasse. Beginn ist um 18 Uhr.

Besucher sollten allerdings zeitig anreisen. Die Schlossstraße ist für Pkw gesperrt. Die Besucher werden von der Wallbergbahn-Talstation sowie den Bushaltestellen Trinisstraße und Oberhof mit zwei Pendelbussen zum Schloss gebracht. Diese fahren zwischen 16.15 und 17.40 Uhr. Parkmöglichkeiten bestehen in Oberhof (Langlaufparkplatz), Pförn (Ringbergfriedhof, Fußballplatz, Naturkäserei), an der Wallbergstraße sowie an der Wallbergbahn.

Ursprünglicher Artikel:

Thomas Tomaschek erklärt, was deren Sound so besonders macht:

Das Konzert der Selmer Saxharmonic mit dem Rottacher Saxophonisten Thomas Tomaschek (40) ist dieses Jahr das einzige beim Internationalen Musikfest Kreuth, das „zu Hause“ in Kreuth stattfindet – und auch nur, wenn das Wetter passt. Sonst soll im Rottacher Seeforum gespielt werden. So oder so, für Tomaschek ist es ein Heimspiel im doppelten Sinne. Denn Selmer Saxharmonic, das 2010 einen Echo Klassik gewann, hat sich vor zehn Jahren auf dem Musikfest gegründet. Wir sprachen mit dem 40-Jährigen.

Das Konzert von Selmer Saxharmonic war im Handumdrehen ausverkauft, als erstes Konzert und trotz der beachtlichen Konkurrenz von Kit Armstrong und Daniel Müller-Schott. Wie kommt das?

Thomas Tomaschek: Ich denke, das liegt an drei Dingen. Erstens haben wir uns in der Region durch die drei oder vier Auftritte, die wir in den letzten Jahren hier hatten, einen Namen gemacht. Und beim Kreuther Musikfest, bei dem wir uns vor zehn Jahren gegründet haben, sind wir ja auch keine Unbekannten. 

Zweitens ist das Schloss Ringberg, in dessen Innenhof wir bei gutem Wetter spielen werden, ein ganz besonderer Ort. Er ist nicht jederzeit zugänglich, und auch das Kreuther Musikfest kann hier nur alle zwei Jahre sein Open Air durchführen. Und der dritte Aspekt ist, dass wir als Ensemble einfach ungewöhnlich sind: Unseren Sound kriegen sie einfach nicht oft zu hören. 

Wie viel Saxophon-Ensembles Ihrer Art gibt es denn? 

Tomaschek: Kleinere Ensembles, etwa Saxophon-Quartette, gibt es viele. Aber ein Zwölftett als Profi-Formation, wie wir das sind: Das ist einmalig. Ich habe das recherchiert, das gibt es sonst weltweit nicht. 

Wie kamen Sie vor zehn Jahren auf die Idee, ein solches Ensemble zu gründen?

Tomaschek: Damals habe ich bei der Organisation des Musikfests mitgearbeitet. Weil es früher sehr viele Meisterkurse gab, bei denen die unterschiedlichsten Musiker zusammen spielen, um daraus etwas künstlerisch Außergewöhnliches entstehen zu lassen, regte ich einen solchen Meisterkurs für Saxophone an. Mein ehemaliger Professor aus Köln, Studienkollegen und Profi-Saxophonisten aus ganz Deutschland, die ich über die Zeit durch meine Konzerttätigkeit kennengelernt hatte, schlossen sich zusammen. Zwölf Saxophonisten in einem Ensemble ist zwar einzigartig, aber nicht neu. Denn große Saxophon-Ensembles haben schon seit den Anfängen des Saxophons eine große Tradition. Die war in Vergessenheit geraten, und wir haben sie wieder aufleben lassen.

Wie sah sie aus, diese Tradition?

Tomaschek: Nachdem Adolphe Sax das Saxophon speziell für Militärkapellen erfunden hatte und 1846 dafür das Patent erhielt, gab es vor dem Eifelturm im Beisein von König Louis Philippe einen Konzertwettbewerb. Heute würde man sagen ein Battle, welche Kapelle besser und voller klang: die mit oder die ohne Saxophon. Danach bekam Sax den Auftrag, jede Kapelle Frankreichs mit Saxophonen auszustatten. Denn man hatte erkannt, dass das Saxophon die Feinheit eines Holzblasinstruments hat und die Power und das Volumen eines Blechblasinstruments. Es ist für draußen gemacht. Von daher freue ich mich besonders auf das Open Air am Samstag.

Woran liegt es denn, dass man bei reinen Saxophon-Ensembles immer glaubt, andere Instrumente wie Holzbläser oder sogar Streicher herauszuhören? 

Tomaschek: Das liegt vor allem an den Frequenzen des Instruments, das einfach variabel und sehr flexibel ist im Ton. Wie bei kaum einem anderen Instrument können durch unterschiedliche Spielweisen und mit verschiedenem Material, etwa Mundstück und Blätter, viele Klangfarben erzeugt werden. Obendrein haben sich etwa für den Jazz, Rock oder Pop oder eben die Klassik verschiedene Richtungen herausgebildet, wie man das Instrument spielt. Ein Saxophon kann daher richtig rotzig klingen oder auch ganz fein wie eine menschliche Stimme oder wie eine Geige. Es hat eine ganz große Bandbreite an Klangfarben, und die versuchen wir ausführlich herauszuarbeiten. 

Was steht denn für Samstag auf dem Programm?

Tomaschek: Wir spielen ein „Best of“ der letzten zehn Jahre, eine Mischung aus unseren beiden CDs. Aus dem Bereich der Filmmusik etwa „Spiel mir das Lied vom Tod“. Und weil wir versuchen, den Original-Sound herauszukitzeln, hören sich die Saxophone wie Mundharmonika und E-Gitarre an. Wir spielen aber auch die Slawischen Tänze von Dvorák: Da sind wir dann Fagotte, Oboen und Streicher. Das ist spannend! Zusammengefasst: Auf Schloss Ringberg gibt es ein unterhaltsames Programm von Klassik bis Swing, zum Beispiel mit Gershwin-Nummern. Wir bedienen einerseits Erwartungen, die man an den Saxophon-Sound hat. Andererseits machen wir auch Sachen, bei denen man seinen Ohren nicht trauen würde, wenn man es nicht sähe.

Moderieren Sie das Open Air?

Tomaschek: Nein, das macht unser Leiter Milan Turkovic. Er hat im ORF schon durch die Sendung „Erkennen Sie die Melodie“ geführt. Sie können sich also auf eine launige und lustige Moderation und auf eine Instrumentenvorstellung freuen. Da zeigen wir, wie das sehr seltene Sopranino- oder auch ein Bass-Saxophon klingt. Das ist auch für den Musiknachwuchs interessant. 

Und was machen jetzt die Saxophon-Fans, die keine Karte ergattern konnten?

Tomaschek: Die können uns zwei Tage drauf beim Festival „Il Suoni delle Dolomiti – Die Klänge der Dolomiten“ in Val di Fiemme, Lagorai bei Bozen hören. Da spielen wir ein Open-Air-Konzert auf 2000 Metern im Hochgebirge. Konzertkleidung wird Wanderkleidung sein, denn zur Konzertstätte muss man etwa eine Stunde aufsteigen. Wer mag, kann uns nachwandern.

Das Konzert

Das Konzert findet am Samstag, 16. Juli, statt – bei schlechtem Wetter um 19.30 Uhr im Seeforum Rottach-Egern, bei schönem Wetter bereits um 18 Uhr auf Schloss Ringberg (Gemeinde Kreuth). Im Vorverkauf gibt es wegen der begrenzten Plätze im Seeforum keine Tickets mehr. Findet das Konzert aber wie geplant als Open Air auf Schloss Ringberg statt, gibt es noch Karten an der Abendkasse. 

Zum Open Air bringt die Besucher ein Bus, der zwischen 16.15 und 17.30 Uhr zwischen Parkplatz und Schloss pendelt. Das komplette Programm des Musikfests im Überblick sowie alle Vorverkaufsstellen sind auf der Internetseite des Musikfests zu finden.

Von Alexandra Korimorth 

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