Gewachsene Werte bewahren und bewusst machen: Das ist das gemeinsame Ziel von (v.l.) Anton Maier, Josef Bogner und Stefan Niedermaier.
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Gewachsene Werte bewahren und bewusst machen: Das ist das gemeinsame Ziel von (v.l.) Anton Maier, Josef Bogner und Stefan Niedermaier.

Empörung bei Verkehrs- und Trachtenverein

Eine Almhütte um jeden Preis: Wenn Immobilienhaie die Heimat kapern

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Die Heimat bewahren: Was die Traditionsvereine am Tegernsee ausmacht, nutzen Immobilienmakler ungeniert als Werbung. Einheimische reagieren empört.

Rottach-Egern – Den Anstoß gab die jüngst erschienene Anzeige eines Immobilienmaklers. Die Offerte: Wer eine Alm zu verkaufen habe, möge sich bei dem Büro melden. Der Preiswunsch werde abgenickt, nicht verhandelt, hieß es. Illustriert wurde das Angebot mit dem Bild einer Almhütte in der Valepp. „Die Besitzer wussten gar nichts davon“, berichtet Stefan Niedermaier. Zu haben ist die Alm übrigens nicht.

Für den Rottacher Gemeinderat Niedermaier, Vertreter der Vereinigung Blitz, war die von blumigen Worten begleitete Anzeige Anlass für einen Facebook-Post, der ein gewaltiges Echo auslöste. Und auch bei Josef Bogner, Vorsitzender des Rottacher Verkehrsvereins, lief das Telefon heiß. „Alle wollten wissen, ob man dagegen nicht etwas machen kann“, berichtet er. Dabei geht es nicht nur um die Almhütten-Anzeige, sondern um die Wucht und die Mittel, mit der Immobilienhaie noch um den kleinsten Fleck im Tegernseer Tal buhlen. „Da stellen sich Immobilienmakler als die Bewahrer der Heimat dar“, sagt Bogner. Die Wortwahl erzürnt ihn: „Das ist eine Beleidigung für die Menschen, für die hier wirklich die Heimat ist, und die sich darum kümmern.“

Eine Alm ist viel mehr als eine Hütte

So sieht es auch Anton Maier, Vorsitzender des Trachtenvereins d’Wallberger und Bezirks-Almbauer. Er bewirtschaftet den Hof seiner Familie in 14. Generation, Brauchtum und Tradition bedeuten ihm viel. „Das gibt mir was im Leben“, sagt Maier. Dass Makler Begriffe wie Heimat einfach so für ihre Zwecke kapern und damit werben, macht ihn wütend. Erst recht, wenn es um den Verkauf einer Alm geht. „Die Leute verstehen darunter nur eine Hütte auf dem Berg“, weiß Maier. Dabei sei eine Alm die bewirtschaftete Fläche, eine artenreiche Kulturlandschaft, die von den Bauern über Generationen hinweg sorgsam gepflegt wird.

70 Almen gebe es aktuell im Tegernseer Tal, berichtet Maier. Dass sie insgesamt erhalten und nicht Hütte für Hütte verscherbelt werden, dafür will er sich stark machen. Ins Bewusstsein bringen, was es bedeutet, ererbte Werte zu verkaufen. Denn klar ist: Makler können nur auf den Markt bringen, was Einheimische ihnen überlassen haben, meist für sehr viel Geld.

Rottacher Verkehrsverein positioniert sich neu

Aufzeigen, was auf dem Spiel steht: Das wollen auch Bogner und der Rottacher Verkehrsverein. Gegründet wurde der Verein 1885 als Verschönerungsverein. „Das ist damals passiert, um Schaden von dem Ort abzuwenden“, erklärt Bogner. Weitsichtige Unternehmer hätten sich zusammengetan, um Rottach-Egern in seiner Ursprünglichkeit zu bewahren und schöner zu machen. Der Verein legte den Kurgarten an und prägte den Ort. Später übernahmen erst die Gemeinde, dann die Tourismusorganisation diese Aufgaben. Bogner will den Verein jetzt wieder stärken und neu positionieren. Schließlich gelte es mehr denn je, Schaden abzuwenden, meint er. Darum soll der irgendwann verloren gegangene Name Verkehrs- und Verschönerungsverein wieder neu etabliert werden. Vorstand und Beirat hätten die Änderung des Namens und der Satzung bereits abgesegnet, berichtet Bogner. Wenn die Pandemie wieder eine Mitgliederversammlung erlaube, werde abgestimmt.

Trachtenverein pflegt den Zusammenhalt

Auch der Trachtenverein Wallberger, erinnert Maier, wurde vor 132 Jahren gegründet, weil Einheimische in Sorge waren, dass Wichtiges verloren geht. Auch jetzt stehe der Verein für diese Werte.

Sie zu verteidigen, ist das gemeinsame Ziel von Niedermaier, Maier und Bogner. Deshalb laufen sie öffentlich Sturm, wenn Spekulanten es wagen, Worte wie Heimat und Tradition zu verwenden. „Die nehmen einfach unsere Begriffe her als Verkaufsschlager und verdienen Millionen damit“, zürnt Bogner. Er rufe dazu auf, gemeinsam dagegen anzugehen: „Passen wir auf, dass unser Tal nicht noch kälter wird.“

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