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Lässt bald die Luft raus: Traglufthalle in Rottach.

Nach Aus für Rottacher Traglufthalle

Wo Flüchtlinge am Tegernsee jetzt unterkommen

Mit der Traglufthalle am Birkenmoos in Rottach-Egern wird derzeit die größte Asyl-Unterkunft am Tegernsee geräumt. Die Tal-Gemeinden stellt das vor neue Herausforderungen. 

Gmund

In der nördlichsten Tal-Gemeinde leben derzeit nach Auskunft des Landratsamtes 25 Asylbewerber. Seit der Räumung der Seeturnhalle Ende vergangenen Jahres sind die Flüchtlinge dezentral in der Gemeinde untergebracht – für alle Bewohner wurde anderer Wohnraum gefunden. Um sich für die Zukunft zu rüsten, setzt Gmund außerdem auf sozialen Wohnungsbau. Bekanntlich baut die Gemeinde derzeit an der Hirschbergstraße zwei Mehrfamilienhäuser mit 14 Wohnungen. Sie sind für Mieter mit kleinem Geldbeutel, aber auch für anerkannte Asylbewerber gedacht. Vom ersten Gebäude steht bereits der Rohbau, inklusive Dach. „Demnächst kann der Innenausbau weitergehen“, berichtet Rathaus-Geschäftsleiter Florian Ruml. Je nach Witterung beginnt im Frühjahr dann der Bau des zweiten Wohnhauses. Ende 2017 sollen die Gebäude bezugsfertig sind. Wie viele Wohnungen dann an einstige Asylsuchende vergeben werden, steht laut Ruml noch nicht fest.

Kreuth

Drei Objekte stehen derzeit in Kreuth für Asylbewerber zur Verfügung. Das größte ist das ehemalige Kinderheim am Riedlerberg mitsamt Nebengebäude. „Hier leben ganz viele Mütter mit ihren Kindern“, weiß Bürgermeister Josef Bierschneider. Durch die Räumung der Traglufthalle könnte es sein, dass hier das eine oder andere freie Bett noch gefüllt werde, meint der Rathaus-Chef. Zudem leben in Kreuth noch acht Senegalesen in der der gemeindlichen Obdachlosen-Unterkunft und eine afghanische Familie in einer privaten Wohnung. Insgesamt sind es in Kreuth 33 Asylbewerber, laut Landratsamt sind neun davon bereits bleibeberechtigt. Das Zusammenleben funktioniert nach den Worten Bierschneiders gut. Auch dank des Helferkreises. Ändern wird sich an der Situation nach Ansicht des Bürgermeisters vorerst wohl nichts.

Rottach-Egern

Schon in der Vergangenheit hat Bürgermeister Christian Köck keinen Hehl daraus gemacht, dass Rottach-Egern so gut wie keinen Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge zur Verfügung hat. „Das haben wir auch dem Landratsamt frühzeitig mitgeteilt, wir haben großen Druck seitens der eigenen Bevölkerung“, sagt Köck. Er spricht von wöchentlich vier bis fünf Anrufern im Rathaus, die darum bitten, bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Derzeit besitzt die Gemeinde rund 130 Wohnungen. „Zum Ende der Legislaturperiode werden wir eventuell Planungen vorlegen, um weitere Einheiten zu schaffen“, kündigt der Bürgermeister an. Konkret sei aber noch nichts. Vorläufig sei der Bürgermeister froh und dankbar, dass sich alle 17 Landkreis-Gemeinden bei der Unterbringung der anerkannten Flüchtlinge „solidarisch zeigen“.

Tegernsee

Etwa 16 Flüchtlinge leben aktuell in Tegernsee. „Ein Großteil davon ist bereits anerkannt“, weiß Rathaus-Geschäftsleiter Hans Staudacher. Sie sind fast allesamt in städtischen Wohnungen untergekommen – 140 besitzt die Stadt Tegernsee. Für eine Familie mit Kindern, berichtet Staudacher, wurde ein kleines Nebenhäuschen angemietet. Das Landratsamt visiert weiterhin das ehemalige Hotel Bastenhaus an der Hauptstraße als Unterkunft an. Seit Juni bezahlt das Landratsamt Miete dafür. Doch die Umsetzung ist bisher nicht möglich. Die Stadt Tegernsee muss der Umnutzung zustimmen – tut sie aber nicht, weil das Thema Veränderungssperre für das Bastenhaus nicht geklärt ist. Die Stadt will das Haus nämlich langfristig als Hotel erhalten. Falls die Belegung durch Flüchtlinge aber über die Dauer der bisher auf drei Jahre festgelegten Veränderungssperre hinausgeht, könnte das Bastenhaus in ein normales Wohnhaus umgewandelt werden. Seit Längerem tüfteln Anwälte an einer Lösung, CSU-Bundestagsabgeordneter Alexander Radwan bemüht sich auf höchster politischer Ebene um einen Ausweg. Falls man sich nicht einigt, muss ein Richter ein Machtwort sprechen. „Derzeit versucht man immer noch, alle Interessen unter einen Hut zu bringen“, sagt Staudacher zum aktuellen Sachstand.

Lesen Sie auch: Räumung der Rottacher Traglufthalle - so geht es den Flüchtlingen

Waakirchen

In Waakirchen sind anerkannte und noch nicht anerkannte Flüchtlinge auf das gesamt Gemeindegebiet verstreut: „Von den insgesamt 33 Flüchtlingen haben inzwischen sieben ein Bleiberecht“, weiß Silvia Hartl, Gattin von Bürgermeister Sepp Hartl und Vorsitzende des Waakirchner Asylhelferkreises. Ein Großteil der Asylbewerber lebe in Marienstein, eine Wohnung habe das Landratsamt in Schaftlach angemietet, eine weitere habe sich eine inzwischen anerkannte Familie selbst in Schaftlach besorgt. Die Gemeindehäuser in Schaftlach mit insgesamt acht Wohnungen, die im Eiltempo gebaut und Anfang Oktober 2016 eingeweiht wurden, sind noch nicht voll belegt. Zunächst wohnten zwei Mütter aus Eritrea mit jeweils einem Kind in einer Wohnung, nun sind zwei weitere Wohnungen belegt. „Fünf Wohnungen für insgesamt 20 Personen sind dort noch frei“, sagt Silvia Hartl. Wer dort einzieht, ist noch offen. Das Landratsamt lässt sich Zeit.

Bad Wiessee

Hier ist einiges im Umbruch: Das Haus Rheinland, bisher Unterkunft für minderjährige Flüchtlinge, wird zur Heimat für junge Erwachsene. „Das Haus bekommt 14 neue Flüchtlinge aus der Traglufthalle“, weiß Sissi Mereis, zuständig in der Gemeinde für das Thema Asyl. Insgesamt 34 Flüchtlinge werden dann im Haus Rheinland leben. Ein weiterer Plan hat sich zerschlagen: 17 Bewohner der Traglufthalle sollten ins ehemalige Gästehaus Otto ziehen. Wie berichtet, vermietet Betreiberin Hildegard Mosandl schon seit Längerem nicht mehr an Gäste, zuletzt wohnten Arbeiter darin. Doch nun hat Mosandl ihr Angebot an das Landratsamt überraschend zurückgezogen, wie Sprecher Gerhard Brandl am Montagnachmittag auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte. Zu einer alternativen Unterbringung für die 17 Männer ist noch nichts bekannt.

gr/gab

Lesen Sie auch: Das ist die Lage in der Region Miesbach. So reagieren die Gemeinden in der Region Holzkirchen.

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