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Nach Sichtung bei See: Geheime Gesprächsrunde zu Umgang mit Wolf - Gefahr für Tourismus?

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Von: Alexandra Korimorth, Christina Jachert-Maier

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Ein Wolf wurde Ende April in der Nähe des Seehamer Sees gesichtet. Screenshot: mm
Ein Wolf wurde Ende April in der Nähe des Seehamer Sees gesichtet. © mm

Almbauern wünschen sich eine Allianz gegen den Wolf im Alpenraum. Dazu fand jetzt eine Gesprächsrunde mit Bürgermeistern statt. Zum Inhalt herrscht Stillschweigen.

Rottach-Egern/Bad Wiessee – Ein Monat ist vergangen, seit bei Seeham (Gemeinde Weyarn) ein Wolf gesichtet wurde. Das Video ließ die Emotionen hochkochen, die Almbauern schlugen Alarm. Wie berichtet, fordert Bezirks-Almbauer Anton Maier aus Rottach-Egern eine breite Allianz gegen den Wolf im Alpenraum. Er appellierte an die Bürgermeister, Gemeinden, Kreise und Tourismusorganisationen im gesamten Alpenraum, gemeinsam Druck aufs Umweltministerium ausüben, damit der bislang streng geschützte Wolf ins Jagdrecht aufgenommen wird. Im Klartext: erlegt werden darf.

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Eben dies war Thema einer nicht öffentlichen Gesprächsrunde, zu der die Almbauern die Tal-Bürgermeister ins Rottacher Seeforum eingeladen hatten. „Es war nur ein sehr kleiner Kreis, nicht größer als ein Ausschuss“, versichert Bürgermeister Christian Köck (CSU). Allen Corona-Vorgaben sei Rechnung getragen worden.

Wegen der Pandemie wäre eine größere Runde nicht möglich gewesen. Eine solche sei aber zu einem späteren Zeitpunkt geplant. Vorerst gehe es nur darum, ein Meinungsbild abzufragen und das weitere Vorgehen in Ruhe zu beraten. „Das Thema ist sehr sensibel.“ Deshalb seien die Gesprächsteilnehmer überein gekommen, Stillschweigen über den Inhalt der Sitzung zu bewahren. „Wir sind da noch ganz am Anfang“, so Köck.

Wolf bei Seehamer See gesichtet: Landwirte fordern von Gemeinden Solidarität

Wie groß die Sorge der Almbauern ist, hatte wenige Tage zuvor Landwirt Alois Fichtner in der öffentlichen Sitzung des Wiesseer Gemeinderats bekundet: „Der Wolf belastet mich und meine Berufskollegen. Wir machen uns Sorgen um unsere Viecher.“ Der Wolf passe nicht ins bayerische Voralpenland und sei zudem eine Gefahr für den Tourismus.

Wie Bezirks-Almbauer Maier gehört Fichtner dem Gemeinderat seines Heimatorts an. Und wie Maier im Rottacher Gemeinderat forderte Fichtner in Bad Wiessee seine Gemeinde zur Solidarität auf. Dabei verwies er auch auf die Gesprächsrunde der Almbauern mit Bürgermeistern im Seeforum.

Nach Wolfsichtung im Landkreis Miesbach: Betriebe fürchten um ihre Existenz - „Alleine schaffen wir Bauern das nicht“

Über deren Verlauf äußert sich Maier mit Verweis auf die Stillschweige-Vereinbarung nicht. Aber er macht klar, dass die Landwirte in der Region auf breite Unterstützung hoffen. „Alleine schaffen wir Bauern das nicht“, sagt Maier. Wie stark das Thema bewegt und polarisiert, ist ihm bewusst.

„Aber die Leute wissen zu wenig darüber.“ Ein einzelner durchziehender Wolf stelle freilich kein großes Problem dar. Doch man müsse die Entwicklung betrachten. Im Jahr 2000 seien die ersten Wölfe in Deutschland gesichtet worden, 2019 habe man deutschlandweit schon 128 Rudel gezählt. Jedes bestehe aus bis zu zehn Tieren.

„Wenn wir hier erst einmal Rudel haben, ist es zu spät“, warnt Maier. Der Wolf bedrohe die Weidewirtschaft nicht nur oben auf der Alm, sondern auch im Tal, wo viele Bauern ihre Tiere nach draußen lassen. Gebiete man der Ausbreitung des Wolfs keinen Einhalt, steht nach Überzeugung Maiers die Existenz von Betrieben auf dem Spiel – und die in Jahrhunderten geformte Kulturlandschaft mit ihrer Artenvielfalt: „Das alles kann schnell verloren gehen.“

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