Almbauern besorgt

Wolf in Bayern bestätigt: Autofahrer filmte wildes Tier nahe See südlich von München

  • Alexandra Korimorth
    vonAlexandra Korimorth
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  • Christina Jachert-Maier
    Christina Jachert-Maier
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Das Video von einem vermeintlichen Wolf in der Nähe des Seehamer Sees sorgte am Dienstag für Aufregung. Nun wurde bestätigt: Bei dem Tier handelt es sich tatsächlich um einen Wolf.

Rottach-Egern – Es ist ein Wolf. Das hat die Analyse des Videos ergeben, das ein Unbekannter aus dem Auto heraus aufgenommen hat. Wie berichtet, kursiert die Aufnahme des mächtigen Tieres, das kraftvoll über grüne Wiesen trabt, in den Sozialen Medien. Das Landratsamt hatte es zur Prüfung an das Landesamt für Umwelt weiterleitet (wir berichteten). Inzwischen liegt das Ergebnis vor. Auch Zeit und Ort wurden bestätigt.

Wolf bei Seehamer See gesichtet: Experten vermuten durchwanderndes Einzeltier

Demnach war der Wolf am Montagmittag im Landkreis Miesbach unterwegs. Dem Vernehmen nach wurde das Tier in der Nähe des Seehamer Sees gesichtet. „Leider ist das Video zu schlecht aufgelöst, um die Straße mit absoluter Sicherheit bestimmen zu können, dennoch: Der Kollege des Staatlichen Bauamtes Rosenheim, der sich das Video angesehen hat, denkt, dass es sich bei der Straße, die zu sehen ist, um die Kreisstraße MB 18, Abschnitt 120, von Bruck nach Großseeham handelt“, bestätigt eine Pressesprecherin des Staatlichen Bauamts Rosenheim. „Dazu würde auch passen, dass im Hintergrund des Videos der Ausläufer eines Sees zu sehen ist, dabei müsste es sich demnach um den Seehamer See handeln.“

„Das Verhalten des Wolfes ist unauffällig“, lässt ein Sprecher des Landesamts verlauten: „Wir gehen von einem durchwandernden Einzeltier aus.“ Gerade jetzt, zur Paarungszeit, legten vor allem junge Rüden auf der Suche nach einem eigenen Territorium sehr weite Strecken zurück, täglich 50 bis 70 Kilometer oder mehr. In Oberbayern gebe es bisher keine standorttreuen Tiere. „Ohne genetische Analyse ist eine Individualisierung, also die Bestimmung von Geschlecht, der Herkunft und gegebenenfalls die Zuordnung zum Elternrudel nicht möglich“, meint der Experte.

Nach Sichtung im Landkreis Miesbach: Almbauer fordert Jagdrecht für Wolf - „Gefahr für unser Weidevieh“

Bezirks-Almbauer Anton Maier gehört dem Rottacher Gemeinderat an und machte den Wolf dort zum Thema. Maier monierte den Schutzstatus der Wölfe: „Im landwirtschaftlich und touristisch genutzten Alpenraum sind Wölfe nicht gefragt.“ Im vergangenen Jahr seien in Mittenwald und Reit im Winkel Wölfe gesichtet worden. „Sie bedeuten eine Gefahr für unser Weidevieh“, erklärte Maier. Wenn sich mehrere Wölfe zu einem Rudel zusammenfänden, seien die Almbauern verloren. „Wir müssen wach werden!“, rief er und forderte, dass sich die Bürgermeister, Gemeinden, Kreise und auch die Tourismusorganisationen im gesamten Alpenraum erheben und Druck aufs Umweltministerium ausüben, damit der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen wird.

Es ist bestätigt: Im Landkreis Miesbach war am Montag ein Wolf unterwegs. Den Almbauern bereitet das eher Sorge.

„Wir müssen eine Allianz bilden, damit wir da was erreichen.“ Auch Bürgermeister Christian Köck sieht in den einzelnen Wölfen ein Problem – egal, ob sie nur durchziehen oder bleiben. Vor allem sieht Köck Konfliktpotenzial beim Tourismus. Die Partnergemeinde Kastelruth in Südtirol habe schon Erfahrungen mit einem Wolf am beliebten Ausflugsziel Seiser Alm gemacht, berichtete Köck, der sich dort informiert hat. Sein Fazit: „Der Beutegreifer soll hier nicht heimisch werden.“

Wölfe in Oberbayern: Bürgermeister sieht Konfliktpotenzial beim Tourismus - „Beutegreifer soll hier nicht heimisch werden“

Der Wolf passe nicht zur Freizeitnutzung der Berge, zudem dürften die landwirtschaftlichen Nutztiere auf den Almen nicht zur Beute werden. Die vom Umweltministerium vorgeschlagenen Maßnahmen wie Zäune oder gar Herdenschutzhunde hält Köck für nicht umsetzbar und wenig zielführend. Trotzdem rät Köck zur Gelassenheit: „Wir sollten jetzt nicht in Panik geraten, sondern wir sollten uns gemeinschaftlich am gesamten Alpenrand und mit den Behörden Gedanken machen, wie wir mit dem Wolf umgehen.“        (ak/jm)

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