Durchatmen für Mensch und Natur: Beate Rutkowski und Hans Kornprobst vom Bund Naturschutz in Bayern plädieren für autofreie Bergstraßen. Pendelbusse und Radverleihe sollen Wanderer künftig ans Ziel bringen.
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Durchatmen für Mensch und Natur: Beate Rutkowski und Hans Kornprobst vom Bund Naturschutz in Bayern plädieren für autofreie Bergstraßen. Pendelbusse und Radverleihe sollen Wanderer künftig ans Ziel bringen.

Zwischen Moni-Alm und Valepp

Sperrung auf beliebter Touristen-Strecke? Bund Naturschutz fordert autofreie Bergstraßen in Bayern

  • VonCornelia Schramm
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Bayerns Berge sind so beliebt wie nie. Über Mautstraßen kommt jeder mit seinem eigenen Auto an die schönsten und entlegensten Orte. Der Bund Naturschutz fordert neue Konzepte.

Rottach-Egern – Im Kampf gegen die Blechlawine hat Hans Kornprobst schon einmal einen kleinen Sieg errungen: 1984, als die Mautstraße zwischen Spitzingsee und der Valepp (Kreis Miesbach) für den privaten Pkw-Verkehr gesperrt wurde. Seitdem fährt nur noch ein Bus durch das gebirgige Gelände, das die Gemeinden Schliersee und Rottach-Egern voneinander trennt. „Rund um die Uhr Verkehr wäre in dem sensiblen Schutzwaldgebiet nicht weiter tragbar gewesen“, erinnert sich der 83-Jährige.

Von 1975 bis 2003 leitete Kornprobst das Forstamt Schliersee und war somit bei all den Verhandlungen dabei, die geführt werden mussten, um die mautpflichtige Bergstraße für „private Kaffeefahrten“ zu schließen. „Der Landrat, die Gemeinde Schliersee und die Forstverwaltung waren sich einig“, sagt er. Das Forstamt Kreuth und die Gemeinde Rottach-Egern zogen auf ihrem Teilstück damals aber nicht mit.

Immer mehr Menschen in bayerischen Alpen: Bund Naturschutz fordert autofreie Bergstraßen

So ist die Straße von Enterrottach aus über die Moni Alm bis ins Valepp noch bis heute für jedermann befahrbar. Trotz sechs Euro Gebühr ist sie bei Wanderern und Mountainbikern sehr beliebt, weil sie ihre Autos in der Valepp weit hinten im Tal parken und dort ihre Bergtouren starten können. „Diesen unnützen Verkehr müssen wir aus dem Gebirge heraushalten und die Mautstraße von der Moni Alm bis ins Valepp sperren“, sagt Kornprobst. Fahre auf den circa 15 Kilometern nur noch ein Bus, könne die Natur dort besser zur Ruhe kommen.

Das Problem mit der autofreien Bergstraße treibt nicht nur Kornprobst um. Naturschützer in ganz Bayern machen sich dafür stark, den Individualverkehr zu den überrannten Ausflugsorten zu reduzieren und die entlegensten, aber auch überlaufensten Ziele nur mehr mit Bus oder Bahn erreichbar zu machen. Über 75 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen im Alpenraum stammt vom Verkehr, heißt es vom Bund Naturschutz Bayern – und die gilt es laut der stellvertretenden Landesvorsitzenden zu reduzieren.

Neue Konzepte sollen die Natur schonen: Ausflug mit Pendelbus und Leihrad

Dabei nimmt Beate Rutkowski nicht nur die Regierung, sondern auch die Gemeinden im Alpenraum in die Verantwortung: „Urlaub im eigenen Land ist klimafreundlich und wird immer beliebter“, erklärt sie. „Aber der Ausflugsverkehr muss auch in ökologische Bahnen gelenkt werden.“ Durch Busverkehr oder Radverleihe könnten die Mautstraßen, die weit in die Berggebiete führen, für Privatautos gesperrt werden. Staus, Lärm, zugeparkte Waldstücke oder Wiesen – und nicht zuletzt der Bau von neuen Zufahrtsstraßen und Parkplätzen – könnten so vermieden werden. „Wir müssen die Berge nicht bis in den letzten Winkel befahren“, sagt Rutkowski. „Sonst verlieren wir irgendwann ihre Erholungsqualität und wertvolle Tier- und Pflanzenwelt.“ Es ist eine Forderung, die der Bund Naturschutz schon seit 2004 ausspricht – viel getan hat sich seitdem aber nicht.

Als sich der Bund Naturschutz an der Moni Alm zur Exkursion trifft, kann jeder ein Mautstraßen-Beispiel aus seinem Landkreis nennen. Im Berchtesgadener Land ist der Busverkehr zum Kehlsteinhaus ein Positiv-Beispiel. Auf der Mautstraße am Rossfeld wird das Konzept aber bisher nicht umgesetzt. Auch im Oberallgäu, wo zahlreiche Alpen noch mit dem Auto angefahren werden können, wünschen sich die Naturschützer ein Bus-Konzept. „Das funktioniert aber auch nur, wenn es auf den Bergsteiger abgestimmt ist“, sagt Kornprobst. Fährt der frühste Bus zu spät oder der letzte zu früh, nehmen die Ausflügler lieber das Auto. Verständlich, findet Julian Fürholzer von der Naturschutz-Jugend. Vom Ammersee hat er mit Zug und Bus fast drei Stunden zum Termin an der Moni Alm gebraucht. Mit dem Auto wäre er schneller – und auch günstiger unterwegs. „Da muss die Regierung endlich nachbessern“, sagt er. Möglich sei die öffentliche Anreise ja immerhin schon.

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