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Rückblick bei der Bürgerversammlung: Peter Höß zeichnete die Entwicklung Bad Wiessees in den nun fast zwölf Jahren seiner Amtszeit nach.

Im Gasthof Zur Post 

Rückblick zum Abschied: Peter Höß zeigt bei Wiesseer Bürgerversammlung Entwicklung auf

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Zum letzten Mal leitete Peter Höß die Wiesseer Bürgerversammlung. Dabei blickte er zum Teil weit in die Vergangenheit. Für die Zukunft bleibt viel offen.

Bad Wiessee– 2019 war kein leichtes Jahr für Wiessees Bürgermeister Peter Höß. Nach zwei Operationen und einem Jahr Krankenstand kehrte er im Sommer ins Rathaus zurück, wo ein ganzes Bündel Großprojekte nach Entscheidungen verlangten. Aber Persönliches war für Höß bei seinem letzten großen Rapport als Rathaus-Chef kein Thema. Vielmehr holte er bei der bestens besuchten Bürgerversammlung im Gasthof Zur Post weit aus, um zu beleuchten, was in den nun fast zwölf Jahren seiner Amtszeit geschehen ist.

„Das prägendste Ereignis war der Kauf des Jodschwefelbads“, erinnerte Höß an den November 2011. Damals überließen die Erben des Holländers Adrian Stoop der Gemeinde Bad Wiessee das 100 000 Quadratmeter große Gelände im Kurviertel mitsamt der Heilquellen, die das Dorf Wiessee einst zum Kurbad gemacht haben. „Damit ist ein 100 Jahre währender Traum in Erfüllung gegangen“, meinte Höß. Ein Coup, der den Ort vor dem Zugriff der Immobilienhaie bewahrt hat, die gerne mit den Holländern ins Geschäft gekommen wären. „Und wir wären nur noch Getriebene gewesen“, resümierte der Bürgermeister. Bad Wiessee bescherte der mutige Schritt 38 Millionen Euro. Die Pro-Kopf-Verschuldung lag bei 8000 Euro. „Das war wohl der Rekord in Bayern“, so Höß. Inzwischen habe Bad Wiessee 20 Millionen Euro getilgt.

In seinem Fazit zeichnete Höß nach, wie es zu der Entscheidung der Gemeinde kam, ein eigenes Badehaus zu errichten, er erinnerte an den Kampf mit den Nachbarorten um die Spielbankabgabe, den Umzug der Tourist-Info und natürlich an die Weichenstellung für den Bau des neuen Hotelkomplexes an der Seepromenade. „Ich bin sehr froh, dass Herr Strüngmann in Bad Wiessee ein solches Leuchtturmprojekt errichtet“, erklärte Höß.

Wann geht es auf der SME-Baustelle weiter? 

Während Investor Thomas Strüngmann mit seiner Firma Athos alles für den Baubeginn Anfang 2020 bereit macht, steht auf dem Jodbadgelände seit Ende Mai eine Großbaustelle still. Hier soll ein Hotel mit 121 Zimmern, Spa-, Wellness- und Sportbereich, mehreren gastronomischen Outlets sowie ein medizinisches Funktionsgebäude entstehen. Dass die Firma Sports Medicine Excellence Group (SME) die gerade begonnenen Arbeiten wegen davonlaufender Kosten und Konflikten mit dem Denkmalschutz einstellte, war ein Schock. Höß ging in der Bürgerversammlung nur sehr kurz darauf ein. Vor allem ließ er offen, wann und wie es auf der Baustelle weitergeht. Das sorgte für ein Raunen in der Zuhörerschaft. Viele hätten sich Antworten erhofft. SME hat einen Stopp bis zum Jahresende angekündigt, bisher aber keinen konkreten Termin für die Wiederaufnahme der Arbeiten genannt. 

Neues Badehaus: Rückblick nicht ohne Groll

Höß sprach lieber vom neuen Badehaus der Gemeinde, das Anfang 2020 eröffnen wird. Es war eine Rückschau nicht ganz ohne Groll. Weil der erste Entwurf dem Gemeinderat zu teuer schien, habe man abgespeckt – zu Lasten der Qualität. Am Ende dauerte alles so lange, dass gestiegene Kosten die Einsparungen verpuffen ließen, merkte Höß an. „Besser wäre es gewesen, zügig zu bauen. Dann hätten wir eine noch höhere Qualität bekommen“, meinte Höß. 7,6 Millionen Euro kostet das Badehaus nun, 2,8 Millionen Euro die Sanierung der Quellen.

Als nächstes hat die Gemeinde Bad Wiessee den Bade Park im Visier, der saniert oder auch abgerissen werden soll. Hierzu seien vor allem auch Parkplätze nötig, erklärte Höß: „Da sind wir noch nicht an einer Lösung.“

Auch Vize-Bürgermeister Robert Huber verabschiedet sich

Punkt für Punkt arbeitete Höß seinen Bericht ab. Feuwehrhaus, Sonnenbichl, Lindenplatz, Rathaus, Sportgelände. Danach beantwortete er Bürgerfragen (wir berichten noch). Raum für Emotion ließ er sich nicht. Ganz anders sein Stellvertreter Robert Huber, der wie gewohnt die Begrüßung übernommen hatte und am Ende seinen persönlichen Abschied verkündete, nach 18 Jahren. Er habe sich damals zum kommunalpolitischen Engagement entschlossen, weil er erleben musste, wie schwierig die Wohnungssuche in Bad Wiessee für einen Handwerksmeister mit Familie ist, erinnerte Huber. Unglaublich viel Stunden habe er seither mit kommunalpolitischer Arbeit verbracht. Sie alle hätten sich gelohnt, um diesen ganz besonderen Ort Bad Wiessee mit zu gestalten: „Glückauf, Bad Wiessee.“

Lesen Sie auch: Ein erster Blick ins neue Wiesseer Badehaus: Führungen durch den Neubau

Baustopp auf dem Jodbad-Gelände

Applaus für den Jodbad-Kauf

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