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Große Sprünge, rasante Action: So wie hier beim Weltcup in Arosa (Schweiz) werden sich die Rennläufer Ende Januar am Oedberg duellieren. Beim Skicross fahren immer vier Athleten gleichzeitig auf einem Hinderniss-Parcours mit Sprüngen, Wellen und Steilkurven.

2015 am Ostiner Oedberg

Skicross-Weltcup: "Es gibt richtig viel Arbeit"

Bad Wiessee/Ostin - Skicross-Weltcup am Ostiner Oedberg - bei vielen hat diese Entscheidung für Verwunderung gesorgt. Warum nicht am Wiesseer Sonnenbichl? Und was steht jetzt alles an?

Toni Schwinghammer kann sich noch gut erinnern. Als er zum ersten Mal davon gehört hat, dass im kommenden Winter am Oedberg in Ostin ein Skicross-Weltcup ausgetragen werden soll – „da war ich schon sehr überrascht“, sagt der Vorsitzende des Fördervereins Schneesport im Tegernseer Tal. Freilich hat er sich über die Ehre für die Region gefreut. Sein erster Gedanke aber war: „Warum findet es nicht am Sonnenbichl statt?“

Das haben sich viele gefragt. Immerhin hat der Förderverein, ein Zusammenschluss der fünf Skiclubs aus Bad Wiessee, Rottach-Egern, Kreuth, Tegernsee und Ostin in einem gemeinsamen Kraftakt 2010 den Hang samt Lift vor der Stilllegung bewahrt. Seither hat sich der Sonnenbichl mit viel persönlichem und finanziellen Einsatz zu einem der spannendsten Projekte im deutschen Wintersport entwickelt. Und nun sollen am 31. Januar und 1. Februar zwei Weltcup-Rennen in der Region stattfinden und der Sonnenbichl bleibt links liegen? Im ersten Moment klingt das komisch. „Aber nachdem es mir erklärt worden ist, leuchtet es ein“, sagt Schwinghammer.

Der Sonnenbichl ist einfach zu steil

Der Sonnenbichl ist einfach zu steil, das deutlich flachere Gelände am Oedberg dagegen ist ideal. „Das klingt zunächst einmal kurios“, räumt Wolfgang Maier ein, der als Alpindirektor des Deutschen Skiverbands (DSV) auch die Skicross-Sparte verantwortet. Doch um das Unfallrisiko in der jungen Disziplin zu reduzieren, sei es entscheidend, die Geschwindigkeit der Athleten zu kontrollieren. „Es wird ab einer bestimmten Neigung einfach zu gefährlich“, erklärt Maier. „Darüber hinaus lebt der Sport von der Taktik und den Überholmanövern. Das kommt im flacheren Gelände eher zum Tragen.“

Nicht nur der Leistungssport-Verantwortliche ist froh, mit Ostin schnell und unkompliziert einen Veranstalter für den Heim-Weltcup 2105 gefunden zu haben. Auch Walter Vogel, Geschäftsführer des DSV-Marketing-GmbH, ist glücklich. Nachdem die beiden etablierten Skicross-Standorte Grasgehren (Erweiterung der Beschneiung verschiebt sich) und Bischofswiesen (keine Planungssicherheit durch Verkauf der Liftanlage) im Frühjahr kurzfristig ausgefallen waren, machten sich die Verantwortlichen auf die Suche nach einer Alternative. Fündig wurden sie weder in Garmisch-Partenkirchen, noch im Bayerischen Wald oder dem Allgäu, sondern am Oedberg.

Am Oedberg herrschen ideale Bedingungen - nicht nur aus sportlicher Sicht

Sicher kein Nachteil war dabei, dass mit Weltcup-Cheftrainer Peter Stemmer (Waakirchen) und Europacup-Coach Dennis vom Brocke (Rottach-Egern) zwei Insider aus der Region kommen. Schon im vergangenen Winter haben sie mit ihren Athleten regelmäßig am Oedberg trainiert.

Gerademal ein Monat ist zwischen der ersten Kontaktaufnahme Mitte Juli bis zur Entscheidung vergangen. „Das ging schnell“, sagt Georg Reisberger, Vorsitzender des SC Ostin und Geschäftsführer der Liftbetreibergesellschaft. Auch er habe sich anfangs gefragt, warum nicht Bad Wiessee. „Aber es war schnell klar, dass das nicht geht. Am Oedberg haben wir dagegen ideale Voraussetzungen.“ Und zwar nicht nur aus sportlicher Sicht, auch die Rahmenbedingungen für Zuschauer, Fernsehen und so weiter stimmen. „Der Kreis hat sich ziemlich schnell geschlossen“, sagt Reisberger.

Seitdem ist viel passiert – hinter den Kulissen. „Es gibt richtig viel Arbeit“, betont Reisberger. So ein Weltcup ist nochmal eine andere Hausnummer, als alles, was wir bisher veranstaltet haben.“ In den kommenden Wochen soll das Organisationskomitee endgültig fixiert und der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Fest steht, dass die fünf Tal-Vereine im Vorfeld und bei der Veranstaltung in bewährter Manier zusammenarbeiten, Reisberger soll die Leitung übernehmen.

Wenn der Weltcup ein Erfolg wird, könnte es ein Wiedersehen am Oedberg geben

Der DSV hat jedenfalls vollstes Vertrauen. „Wir bekommen ja mit, was hier in den vergangenen Jahren für tolle Arbeit geleistet wurde“, sagt Geschäftsführer Vogel. Unter anderem mit der Durchführung der Europacup-Slaloms und den Deutschen Meisterschaften 2008 und 2013 haben sich die Tegernseer Clubs viel Renommee in der Szene erarbeitet. „Das hat schon eine Rolle gespielt“, betont Vogel. „Sie haben zwar keine Erfahrung mit Skicross, aber wir haben großes Vertrauen.“ Der DSV werde zudem mit Fachwissen unterstützen, wo es nötig ist, etwa mit Experten für den Streckenbau. Und als einmalige Sache oder Ausweichlösung sieht es Vogel ohnehin nicht. Zwar sei für die Saison 2015/16 Grasgehren wieder fest als Austragungsort eingeplant. „Aber von uns gibt es eine klare Ansage“, sagt Vogel. „Wenn es erfolgreich wird, muss das keine einmalige Aktion sein.“

Und daran zweifelt eigentlich niemand. Auch Fördervereins-Chef Schwinghammer nicht, wenngleich er sich konkret wohl raushalten wird beim Thema Skicross-Weltcup. Er hat genug Baustellen – im wahrsten Sinne des Wortes. Derzeit werden am Sonnenbichl ein Zielhaus, eine Raupengarage und Lagerräume errichtet.

Von Alexander Schwer

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