+
Nico Schifferer alias Bruder Barnabas teilte nicht nur an Noch-Landrat und Landratskandidat Norbert Kerkel aus.

Starkbierfest im Bräustüberl:

Kreidl fehlte: "Ihn hat der Schneid verlassen"

Tegernsee - Die Wahl war ein gefundenes Fressen: Beim Starkbierfest im Tegernseer Bräustüberl teilte Nico Schifferer als Bruder Barnabas kräftiger aus als je zuvor.

Wenn bei laufender Vorstellung eine Blondine mit Federnhut à la „Oktoberfest-Entenschießen“ und „Vorhut vom Käfer Michi“ hereinstöckelt, wenn der allseits bekannte Zeitungsausträger durchmarschiert, und ihm der Hubert Peter auf Geheiß von Schifferer das ganze Packerl auf einmal abkaufen muss, „damit a Ruah is“, wenn Grünen-Landrats-Kandidat „Ritzehack“ Wolfgang Rzehak wegen einer schwachen Blase wiederholt zum Bieseln muss – dann ist Nico Schifferer mit seiner frotzelnden Spontanität so richtig in Fahrt. Dabei hat er eine gut 90-minütige Rede vor sich, in der er heuer grantiger ist als je zuvor.

Landrat Jakob Kreidl wollte kommen - doch dann hat ihn "der Schneid verlassen"

Um ein Haar hätte ihm „Fast-Ex-Landrat“ Jakob Kreidl aber das Konzept vermasselt: Kreidl hatte allen Ernstes sein Kommen angekündigt, „dann hat ihn aber um 17 Uhr der Schneid verlassen wegen einer schlimmen Erkältung“, informierte Schifferer die geladenen und von Bräustüberl-Wirt Peter Hubert verköstigten Gäste. Er hätte den „ersten Landrat der Geschichte mit parteiverordneter Spontaninsuffizient und multiplem

Maria Heiß wurde für ihr Lebenswerk mit dem Ehren-Buzi geehrt.

Mandatsverlustsyndrom“ ohnehin nicht verschont, so wie er nichts und niemanden verschonte. Nicht mal den Braumeister Norbert Stühmer, der es tatsächlich geschafft hatte, das Dunkle ausgehen zu lassen.

Dafür ließ sich Schifferer mehrmals nachschenken, um mit lockerer, jedoch spitzer Zunge zu lästern: über den scheidenden Tegernseer Bürgermeister Peter Janssen, dem der neue Fachausdruck „auffejanssen“ statt „aufoktroyieren“ und der Freudenruf „habemus ponticulum, wir haben einen Steg“, zu verdanken ist. Weil Janssen persönlich nicht da war („seine Frau hat Geburtstag. Komisch, den hat’s letzts Jahr am 23. ghabt“), nahm Nachfolger Johannes Hagn einen Ehren-Steg-Buzi - so heißt der kleine Dackel im Logo des Bräustüberls - in Empfang. Ebenfalls einen Ehren-Buzi bekam Maria Heiß, das „bürgerlich-wandelnde Trachtenkostüm mit eingebautem Polit-Gewissen und angeborener Einzelhandelsschutzfunktion“, Franz Hafner erhielt für seine letzten Tage im Rottacher Rathaus ein Ehrengeschenk.

Schifferer über Landratskandidat Norbert Kerkel: "konzeptlos, unerfahren, übergewichtig" 

Neben der Causa Kreidl in allen Facetten inklusive „Happy Birthday“-Klängen vom Trio Max Klein zog der 61-Jährige über Bad Wiessee her, die „Inkarnation des gepflegten Streits“, die dortige CSU-Schlappe und den „schneidigen“ Rolf Neresheimer mit seinem Karriereplan „von der Krabbelgruppe auf den Chefsessel“. Er schwenkte vom „Schwefelthermen Peter“ zum Gmunder Maximilians-Chef Georg von Preysing, dem er eine Lösung für den Seeglaskreisel servierte: „Wenn Du Geduld hast, dann kommt der Hubert Peter, kauft den Kreisel und stellt ein einziges Schild drauf: zum Bräustüberl links, zum Feichtner Hof rechts.“ Die Landrats-Kandidaten Kerkel („konzeptlos, unerfahren, übergewichtig“) und Rzehak („wählen Sie mich, ich bin nur hellgrün“) spülten ihren Kloß im Hals mit Starkbier hinunter. Mehr Derblecken geht nicht.

Schifferer setzte nicht so sehr auf einen Lacher nach dem anderen, sondern erhob den Zeigefinger, ermahnte die Politiker am Beispiel der A-ja-Hotel-Pläne zum mutigen Nein-Sagen. Schon schwant ihm von der Wiesseer CSU, die Kurse in Kooperationstechnik gibt, von einer Thermenwelt mit einem 2,80 auf 3,20 Meter großen Trainingsbecken, einer zwölfstöckigen LVA-Klinik, einem Westerhof, der mit bloßem Auge aus dem Weltall zu erkennen ist, einer Feier in Gmund zur hundertsten Nutzungsänderung der Maximilian-Pläne, einem Werbeverbund Schliersees mit Bora Bora, weil nur „de zu dene passn“, einem Sprachkurs, bei dem Starkbierredner Florian Oberlechner das Wort „Kreidl“ lernt, oder einem Ausschankverbot bei minus 22 Grad im Bräustüberl-Biergarten. Nach dem Starkbier ist vor dem Starkbier.

Von Gerti Reichl

Auch interessant

Kommentare