+
Im Bergsteigerdorf Kreuth soll es auch künftig genügend Wohnraum für Einheimische geben. Eine neue Satzung könnte dabei helfen, die Flut der Zweitwohnsitze weiter einzudämmen. 

Künftig genehmigungspflichtig?

Im Krieg gegen Zweitwohnsitze am Tegernsee: Gemeinde denkt über neuartige Kampfsatzung nach

  • schließen

Die Zweitwohnsitze sind Bayerns Tourismus-Gemeinden zunehmend ein Dorn im Auge. Berchtesgaden hat jetzt sogar eine Anti-Zweitwohnungs-Satzung aus der Taufe gehoben. Auch Kreuth interessiert sich dafür.

Kreuth – Aktuell gibt es in Kreuth gut 400 Zweitwohnsitze. Das muss genügen, findet Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU). Um die Flut der Zweitwohnungen einzudämmen, hat der Gemeinderat im Februar zeitgleich mit Bad Wiessee beschlossen, die Zweitwohnungssteuer deutlich zu erhöhen (Merkur.de*). Möglicherweise geht das Bergsteigerdorf Kreuth in seinem Kampf gegen die Nebenwohnsitze jetzt sogar noch einen Schritt weiter.

In der Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 2. Mai, wird Rathaus-Chef Bierschneider das Gremium über eine neue Satzung informieren, die es möglich macht, dass die Umwandlung von Wohnraum in Zweitwohnsitze künftig genehmigungspflichtig wird. Dann hätte es der Gemeinderat in der Hand, solche Genehmigungen zu verweigern und somit Wohnraum für Einheimische zu schützen. „Ich möchte mir ein Meinungsbild des Gemeinderats einholen, ob wir das vorantreiben wollen“, erklärt Bierschneider auf Nachfrage.

Lesen Sie auch: Knatsch im Idyll - Filippa (7), Tochter von Schauspieler Fritz Wepper, würde gern Tennis spielen, und zwar in Rottach-Egern am Tegernsee. Doch ihre gesamte Familie hat Hausverbot.

Bereits eingeführt hat eine solche Satzung die Marktgemeinde Berchtesgaden. Sie hat das Regelwerk, das bislang seinesgleichen sucht, quasi erfunden. „Wir wollen nicht, dass Wohnungen an 350 Tagen im Jahr leer stehen“, hatte der Berchtesgadener Bürgermeister Franz Rasp (CSU) erklärt. Die Nutzung einer Wohnung als Zweitwohnung werde daher genehmigungspflichtig – und diese Genehmigung werde im Regelfall versagt. Lediglich bestehende Zweitwohnungen hätten Bestandsschutz. Der Berchtesgadener Gemeinderat hat die Anti-Zweitwohnungs-Satzung Ende März einstimmig verabschiedet.

Lesen Sie auch zum Thema auf Merkur.de*: Steuererhöhung gegen „Syltisierung“: Tegernsee sagt Feriensitzen den Kampf an

Wie die Kreuther zu einer solchen Satzung stehen, wird sich am Donnerstag (Sitzungsbeginn: 19 Uhr) zeigen. Bierschneider hat sich das Regelwerk von den Kollegen in Berchtesgaden bereits zukommen lassen. „Nun geht es darum, ob wir als Verwaltung ebenfalls eine solche Satzung ausarbeiten sollen.“

Kreuth würde damit talweit eine Vorreiterrolle übernehmen. Gut denkbar, dass auch die anderen Kommunen rund um den Tegernsee auf diesen Zug aufspringen werden. Das Problem der Überhand nehmenden Ferienwohnsitze ist schließlich allen Orten gemein.

Der Bayerische Gemeindetag hat den Berchtesgadener Vorstoß jedenfalls schon begrüßt: „Das ist ein komplett neuer Weg, um Wohnraum für die einheimische Bevölkerung zu erhalten und ihn betuchten Zuzüglern nicht zugänglich zu machen“, sagte Gemeindetag-Sprecher Wilfried Schober.

gab

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Europawahl im Landkreis Miesbach: Ergebnisse der Gemeinden und Reaktionen
Am Sonntag wählt auch der Landkreis Miesbach das neue Europaparlament. Hier gibt‘s die Gemeinde-Ergebnisse, Reaktionen und vorab alle Infos zur Wahl im News-Ticker.
Europawahl im Landkreis Miesbach: Ergebnisse der Gemeinden und Reaktionen
Abholzaktion des Herzoglichen Brauhauses an der Tegernseer Point: Frist ist abgelaufen
Der Kahlschlag an der Point bringt das Herzogliche Brauhaus Tegernsee in Erklärungsnot. Jetzt ist eine Frist abgelaufen - und es droht ein hohes Bußgeld. 
Abholzaktion des Herzoglichen Brauhauses an der Tegernseer Point: Frist ist abgelaufen
Tegernsee startet Testlauf mit Parkplatz-Sharing
Der Andrang auf freie Parkplätze ist groß in Tegernsee. Jetzt probiert‘s die Stadt mit einem Vorschlag der Geschäftsleute.
Tegernsee startet Testlauf mit Parkplatz-Sharing
„Wie in einem schönen Traum“: Vroni Ettstaller über ihre ersten Tage als Bierkönigin
Vroni Ettstaller aus Gmund ist mit großem Abstand zur Bayerische Bierkönigin gewählt worden. Im Interview erzählt die 21-Jährige, wie die ersten Tage im neuen Amt waren.
„Wie in einem schönen Traum“: Vroni Ettstaller über ihre ersten Tage als Bierkönigin

Kommentare