Sitzungen zuhause.
+
Bei Hybrid-Sitzungen können Stadträte von zuhause aus teilnehmen oder auch zur Sitzung kommen.

Technische Möglichkeiten werden geprüft

2000 bis 3000 Euro für jede Hybrid-Sitzung: Tegernseer Stadtrat gibt grünes Licht für einen Probelauf

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
    schließen

An Sitzungen persönlich teilnehmen oder online dabei sein: Die Tegernseer Stadträte sollen die Wahl haben. Noch ist zu prüfen, ob und wie das technisch geht.

Tegernsee - Der Tegernseer Stadtrat will es ausprobieren. Nur Andreas Feichtner (CSU) stimmte gegen die Empfehlung von Bürgermeister Johannes Hagn (CSU), die technischen Möglichkeiten zur Umsetzung von Hybridsitzungen zu prüfen und vorerst probehalber zu schaffen. Ein konkretes Kostenangebot hat die Verwaltung schon eingeholt. Demnach kostet die technische Begleitung durch eine Firma rund 2000 bis 3000 Euro pro Sitzung.

Die Experten sind mit den Gegebenheiten vertraut: Sie unterstützen die Stadt auch beim Bergfilmfestival. Geprüft wird, ob die technischen Voraussetzungen im Rathaus und auch im Pfarrzentrum Quirinal geschaffen werden können, wo der Stadtrat seit Beginn der Pandemie tagt, um die nötigen Abstände einhalten zu können. Als Probelauf biete sich eine Bauausschusssitzung an, meinte Bürgermeister Hagn. Dabei könnten die Ausschussmitglieder im Raum sein und die anderen Stadträte zugeschaltet werden.

Im Grundsatz hatte sich der Stadtrat bereits im März mit dem Thema Hybridsitzungen befasst. Eine Abfrage via E-Mail habe ergeben, dass nur vier Stadträte bei der Sitzung unbedingt präsent sein wollen, alle anderen würden online teilnehmen, erklärte Hagn.

Wie wichtig ist Präsenz?

Dennoch ging der Entscheidung, die Umsetzbarkeit zu prüfen, eine intensive Diskussion voraus. Florian Kohler (Bürgerliste) warnte davor, die Anwesenheitspflicht einfach aufzugeben. „Präsenz zeigt auch Verbindlichkeit“, meinte er. Er erlebe bei den vielen Online-Diskussionen, die er beruflich führe, dass Teilnehmer zwischendurch einfach ihren Platz verlassen. Nachdem die Pandemie scheinbar und vielleicht endgültig im Abklingen sei, müsse man das Thema jetzt nicht forcieren.

Hohe Kosten bei jeder Sitzung

Thomas Mandl (SPD) fand hingegen, die Stadt solle beim „Mega-Trend Digitalisierung“ mit gutem Beispiel vorangehen und Routine mit der Technik entwickeln. Damit gewinne sie die Freiheit, auch in schwierigen Situationen Sitzungen abhalten zu können. Der physischen Präsenz misst er keine große Bedeutung bei: „In Auditorien sind die Teilnehmer oft körperlich anwesend, aber geistig weggetreten.“ Verbindlichkeit lasse sich auch online herstellen. Skeptisch sei er nur wegen der hohen Kosten.

Die wiederum sind für Ursula Janssen (Grüne) relativ. Die Summe von 3000 Euro sei minimal, wenn man das Corona-Desaster in Gmund betrachte: „Das war eine Katastrophe.“ Aus gesundheitlicher Sicht – die am schwersten wiege –, aber auch wirtschaftlich. Der Stadtrat solle es unbedingt mit der neuen Technik versuchen.

Stabiles Netzwerk ist Voraussetzung

Ausschlaggebend werde sein, ob ein stabiles WLAN gewährleistet sei, machte Hagn deutlich. Beschlossen sind nun lediglich die technische Prüfung und der Probelauf. Erst danach entscheidet der Stadtrat, ob seine Sitzungen künftig auch in hybrider Form stattfinden werden. Am selben Abend befasste sich auch der Gmunder Gemeinderat mit dem Thema.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare