Hoffen noch auf die gemeinsame Abifahrt: Lucia Holzhauer (l.) und Julia Seitz aus Schaftlach.
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Hoffen noch auf die gemeinsame Abifahrt: Lucia Holzhauer (l.) und Julia Seitz aus Schaftlach.

Reifeprüfung in der Pandemie

Abitur für Corona-Jahrgang: Tegernseer Gymnasiastinnen sehen sich vorbereitet - „Sozialer Aspekt fehlt“

  • Jonas Napiletzki
    vonJonas Napiletzki
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Vor dem Abitur-Start am Mittwoch blicken drei Tegernseer Abiturientinnen auf ihre Vorbereitungszeit zurück. Den sozialen Aspekt vermissen sie am meisten.

Tegernsee – Videokonferenzen, Übungsaufgaben, fokussierter Unterricht – das alles klappte gut im diesjährigen Abiturjahrgang des Tegernseer Gymnasiums. Trotzdem ist bis zur ersten Abiprüfung am morgigen Mittwoch vieles auf der Strecke geblieben, das eigentlich dazugehört. Die drei Schülerinnen Lucia Holzhauer, Julia Seitz und Lisa Rohrmoser erklären, warum die lange Zeit im Distanzunterricht für sie Fluch und Segen zugleich war – und was sie vermissen.

Abitur am Gymnasium Tegernsee: Distanzunterricht kollidierte mit Musik-Additum

Rohrmoser strebt nach dem Abitur eine Karriere als Opernsängerin an, will an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Musik- und Theaterwissenschaften studieren. Die 18-Jährige traf der Distanzunterricht vor allem im praktischen Bereich: „Von Dezember bis jetzt hatte ich nur drei Präsenzstunden Gesangsunterricht“, sagt die Tegernseerin. Erst vor einigen Wochen war der Unterricht im Schulgebäude für den Abschlussjahrgang wieder erlaubt worden.

Gesang nur mit Distanz: Lisa Rohrmoser aus Tegernsee will Opernsängerin werden.

Immerhin: Die mündliche Prüfung in ihrem Musik-Additum konnte Rohrmoser deshalb schon vor zwei Wochen ablegen. „Ich bin damit zwar ganz zufrieden – aber ohne Distanz-Singen wäre die Qualität sicher besser gewesen.“ Auch an anderen Fächern hatte die Abiturientin anfangs zu knabbern. „In der elften Klasse sind wir gefühlt sehr ins kalte Wasser geschmissen worden – plötzlich musste man selbst sehen, wie man zurechtkommt.“ Ob das klappt? „Eine Frage des Lerntyps.“

Abiturientinnen fehlt der soziale Aspekt: Abipartys gekippt - Abschlussfahrt in der Schwebe

Holzhauer war eine der Schülerinnen, die damit persönlich gut zurechtkam. „Ich habe die freie Zeiteinteilung genossen.“ Neben den Abivorbereitungen konnte Holzhauer auch einen Medizinertest mitschreiben, um ihre Chancen auf einen Studienplatz in ihren Wunsch-Städten Augsburg, Nürnberg oder Würzburg zu erhöhen. Dass sich die Schaftlacherin in dieser stressigen Phase pro Tag eine Stunde Fahrtzeit zur Schule sparen konnte, spielte ihr in die Hände.

Der Abiturientin fehlten indes die sozialen Kontakte. „Den Ausgleich zur Schule, zum Beispiel beim Fußball oder bei den Abipartys vermisse ich schon.“ Jede Umarmung mit Freunden – selbst im erlaubten Rahmen – sei für sie mit einem schlechten Gewissen verbunden gewesen. „Ich hoffe, dass wenigstens unsere Abifahrt stattfinden kann“, meint Holzhauer.

Tegernseer Gymnasiastin hofft auf Abiball im Sommer - private Reise abgesagt

Julia Seitz hat indes noch andere Gedanken: „Der Stress liegt in der Luft.“ Über eine Abifahrt würde sie sich trotzdem freuen, sobald sie den Kopf dafür frei hat. „An das Distanzlernen habe ich mich recht schnell gewöhnt“, sagt die Schaftlacherin. „Aber der soziale Aspekt ist einfach verloren gegangen.“ Seitz hofft jetzt auf einen gelungenen Abiball in Gut Kaltenbrunn. Zuletzt fand dieser 2019 statt. Der diesjährige Termin ist im August – und die Hoffnung noch nicht ganz verloren.

„Schade finde ich, dass die Studienfahrten abgesagt wurden“, sagt Seitz. Wettmachen könne das vielleicht die gemeinsame Abifahrt in die Toskana, geplant für Juli. „Aus meiner Reise nach Thailand wird aber wohl nichts“, bedauert die 18-Jährige. Nach dem Abi strebt sie ein Germanistikstudium an – „immerhin das sollte trotz Corona klappen“.

Bis dahin stehen erst die Prüfungen an. Rohrmoser belegte für ihre Mathe-Vorbereitung einen außerschulischen Intensivkurs, Holzhauer setzte bis zuletzt auf Lerngruppen in der Schule – und Seitz versucht sich in Video-Telefonaten mit Mitschülern abschließend vorzubereiten. Schon vergangenes Jahr sorgten sich Abiturienten am Gymnasium Tegernsee um das Gelingen der Prüfungen wegen der coronabedingt erschwerten Vorbereitungszeit. Die Schulleiter der Gymnasien im Landkreis Miesbach sehen die Absolventen heuer gut vorbereitet. (nap)

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