Leere Bierflaschen im Kurpark im Tegernsee.
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Die leeren Bierflaschen sind stumme Zeugen: Im Kurgarten trafen sich zuletzt vermehrt junge Leute zum Feiern. Die Stadt hat nun für den größten Teil der Anlage ein Alkoholverbot erlassen.

Entscheidung ist umstritten

Junge Leute feiern trotz Corona im Kurpark: Tegernsee beschließt nun Alkoholverbot - mit Ausnahmen

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Nach Beschwerden von Anwohnern und auch wegen Corona greift die Stadt durch: Sie hat für den fast kompletten Tegernseer Kurgarten ein Alkoholverbot erlassen. Im Stadtrat waren nicht alle damit einverstanden.

  • Die Beschwerden über die Partys im Kurgarten Tegernsee haben sich in letzter Zeit gehäuft.
  • Die Stadt hat nun reagiert - und ein Alkoholverbot erlassen.
  • Im Stadtrat wurde das Thema heißt diskutiert.

Tegernsee – Im Sommer hatte bereits die Gemeinde Bad Wiessee an ihrer Seepromenade einen Riegel vorgeschoben und dort ein Alkoholverbot erlassen, wir berichteten. Jetzt greift auch Tegernsee durch. Bei der Sitzung des Stadtrats erklärte Geschäftsleiter Hans Staudacher zunächst die Gründe.

Tegernsee: Stadtrat beschließt Alkoholverbot im Kurgarten

Der Kurgarten sei ein beliebter Treffpunkt von meist jüngeren Leuten, die oft in den Abendstunden in größeren Gruppen zusammensitzen und Alkohol konsumieren. Mund- und Nasenschutzbedeckungen würden bei den Ansammlungen von bis zu 20 Personen nur selten getragen, Mindestabstände nicht berücksichtigt. Auffällig sei auch, dass sich in letzter Zeit vermehrt Personen aus anderen Gemeinden im Kurgarten treffen – wohl deshalb, weil dort bereits teilweise Alkoholverbote in öffentlichen Anlagen erlassen wurden.

Kurgarten in Tegernsee: Beliebter Treffpunkt für junge Leute - Corona-Regeln oft nicht berücksichtigt

Grund für ein Alkoholverbot im Kurgarten sei nicht nur die Aufforderung des Bayerischen Innenministeriums, wonach Alkoholverbote im öffentlichen Raum gerade wegen der Verbreitung des Corona-Virus durch Menschenansammlungen in Verbindung mit steigender Unachtsamkeit durch Alkoholkonsum zu prüfen seien. Die Stadt hat zudem den Kinderspielplatz im Blick, der seit Freitag (13. November) geöffnet ist.

„Hier gilt es, die Kinder und Familien sowie die neu errichteten Spielgeräte zu schützen“, so Staudacher, der Vorfälle in jüngster Vergangenheit und damit verbundene Gefahren nannte. Angefangen von zerschlagenen Flaschen über beschädigte oder stark verschmutzte Toiletten bis hin zu Flaschen- und Verpackungsmüll. Auch würden sich Kurgäste und Anlieger durch „laute Musik und Gegröle“ belästigt fühlen, Kurkonzerte würden gestört.

Corona in Tegernsee: Alkoholverbot in Kurpark - auch zum Schutz des neuen Spielplatzes

Marcus Staudacher (Grüne) hielt wenig davon, die Jugendlichen „unter Generalverdacht“ zu stellen. Das Problem würde sich dann nur woanders hin verlagern. Fraktionskollegin Ursula Janssen erkannte zwar Corona als Grund für ein Verbot an, war aber eher dafür, das Problem zunächst über den Winter zu beobachten. „Dass man dann ab 20 Uhr nicht mehr mit einem Bier an einer Bank Richtung See sitzen darf, das ist ein Eingriff, den wir uns überlegen sollten“, fand Janssen, die auch anregte, mit den Jugendlichen das Gespräch zu suchen.

Die Verbindung von Spielplatz und Schnaps, das ist nicht gut.

Stadtrat Andreas Feichtner (CSU)

Anton Lengmüller (FWG) war für das Verbot und wusste etwa von Gmund, dass die Situation an der dortigen Seepromenade „extrem“ sei. Auch Andreas Obermüller (FWG) hielt ein auf ein Jahr befristetes Verbot in „Tegernsees guter Stube“, unabhängig von Corona, für einen richtigen Schritt.

Alkoholverbot im Kurpark: Unstimmigkeiten im Tegernseer Stadtrat

Vize-Bürgermeister Michael Bourjau (FWG) hielt die Verordnung für „zumutbar“, wenngleich er es schade fand, dass die Stadt durch Einzelfälle und nicht wegen einer großen Masse zum Handeln gezwungen sei. „Das wird keine ‚No-Go-Area‘“, beruhigte Markus Schertler (CSU), befürwortete das Handeln wegen des Spielplatzes aber, was Andreas Feichtner (CSU) aufgriff: „Die Verbindung von Spielplatz und Schnaps, das ist nicht gut.“

Tegernsee: Spielgolfanlage und Kiosk vom Alkoholverbot ausgenommen

Bürgermeister Johannes Hagn hielt die Verordnung für wichtig, weil damit auch die Polizei tätig werden könne. Ein Verbot für nur drei Monate, das Rudolf Gritsch (CSU) vorgeschlagen hatte („und irgendwo müssen die Jugendlichen ja auch hin“), erachtete er nicht als sinnvoll. Am Ende wurde die Verordnung gegen drei Stimmen beschlossen. Sie umschließt den größten Teil des Kurgartens – Spielgolfanlage und Kiosk sind ausgeschlossen.

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(gr)

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