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Almdorf: Entwässerung auf dem Prüfstand

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Von: Gerti Reichl

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Am Fuße der Neureuth soll das Almdorf gebaut werden. Das Hinweisschild auf das Café Bergschwalbe, das hier stand, existiert noch immer.
Am Fuße der Neureuth soll das Almdorf gebaut werden. Das Hinweisschild auf das Café Bergschwalbe, das hier stand, existiert noch immer. © Thomas Plettenberg

Das geplante Almdorf hat wieder einmal den Tegernseer Stadtrat beschäftigt. Diesmal ging es um das geforderte Baugrundgutachten, das Voraussetzung für die Zustimmung zu den Tektur-Plänen war. Sie wurden mit 11:5 Stimmen befürwortet.

Tegernsee – 2022 feiert das Almdorf sein Zehnjähriges. Nicht tatsächlich, sondern die Planung. So lange beschäftigt die Idee vom exklusiven Feriendorf im Almschick schon die Stadt und sämtliche beteiligten Genehmigungsbehörden. Geplant sind jetzt 85 Betten in 21 Wohneinheiten, gruppiert in mehreren Häusern um einen Natur-Badeteich, dazu Gastro und Personalappartements. Auch eine Tiefgarage mit zwei Ebenen und 61 Stellplätzen soll sich in das abfallende Gelände am Fuße der Neureuth graben – dort, wo bis Dezember 2019 das Café Bergschwalbe stand.

Die Tegernseer Ernst Tengelmann Projekt GmbH hat das 4500 Quadratmeter große Gelände teils in Erbbaurecht, teils in Eigentum erworben. Sie tut sich offenbar schwer, das Vorhaben zu verwirklichen, was auch im Stadtrat Zweifel schürt. Auch sind längst nicht mehr alle begeistert. „Wir haben das Projekt nun mal geerbt“, formulierte Vize-Bürgermeister Michael Bourjau (FWG), der als neues Stadtratsmitglied die schon im September 2016 erteilten Genehmigungen mittragen muss. Aktuell ging es um den Tektur-Antrag, also Änderungswünsche. Im Oktober hatte der Stadtrat seine Zustimmung in Aussicht gestellt. Voraussetzung war ein neues Baugrundgutachten und die Anpassung des Durchführungsvertrags mit dem Investor.

Visualisierung geplantes Almdorf Tegernsee
So könnte das Almdorf aussehen © Tegernseer Ernst Tengelmann Projekt GmbH

Baugrundgutachten für das Almdorf: Gibt es Auswirkungen auf die Hangstabilität?

Bei der Sitzung fasste Bauamtsleiterin Bettina Koch das Ergebnis des Gutachtens, das sich auf eine Expertise aus dem Jahr 2016 stützt, zusammen. Demnach seien keine negativen Auswirkungen auf die Hangstabilität zu erwarten, auch nicht durch die tiefere Gründung wegen der Tiefgarage. Allerdings dürften keine Hangeinschnitte im steilen Bereich erfolgen, Niederschlagswasser dürfe nicht im Hang versickern. Empfohlen wird vielmehr eine „gedrosselte Einleitung“ in den Kanal. „Ich bezweifel, ob wir das Einvernehmen da herstellen können“, sagte Ursula Janssen (Grüne), für die noch einige Fragen offen waren. „Wohin drosselt man das Wasser? Was passiert mit dem Wasser, das man nicht ableiten kann? Läuft das in den Schwimmteich?“

Bettina Koch klärte auf. So sei ein Regenrückhaltebecken geplant, das bei Starkregen eine erste Welle abfange. Nur der Überlauf werde dann in den Südhang abgeleitet. Koch erklärte auch, dass die Entwässerung grundsätzlich im Zuge des Baugenehmigungsverfahrens geprüft worden sei. Es gebe keine neuen Erkenntnisse, auch nicht durch die um 1,25 Meter tiefere Tiefgarage oder durch die Verschiebung der Almhütten aus statischen Gründen, was Gegenstand der Tektur sei, so Bürgermeister Johannes Hagn (CSU). Auf Nachfrage Jansssens, wo sich dieses Rückhaltebecken befinde, durfte der anwesende Bauherr Rainer Leidecker Stellung nehmen. Nahe des Schwimmteichs, so Leidecker, seien sogenannte Rigolen ausgebildet, also unterirdische Pufferspeicher, die das Wasser bei Starkregen aufnehmen. Dies sei mit dem Wasserwirtschaftsamt Rosenheim und dem Abwasserzweckverband geklärt.

Geplantes Almdorf: Stadt passt Vertrag an, verrät aber nichts zu den Fristen

Auch wenn es nichts mehr zu diskutieren gebe, da das Projekt nun mal genehmigt sei: Er frage sich schon, so Michael Bourjau, warum es immer wieder Nachgenehmigungen gebe. Antworten auf seine Frage, welche Fristen es gebe und bis wann das Vorhaben ausgeführt werden müsse, bekamen die Stadträte dann im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung. Hier sei, so Hagn auf Nachfrage unserer Zeitung, der Durchführungsvertrag angepasst worden. Konkrete Termine dürfe er nicht nennen. Bisher ist die Rede davon, dass die Baugenehmigung bis 2023 Gültigkeit hat. Dies wird vom Landratsamt auf Nachfrage bestätigt.

„Wenn die Fristen abgelaufen sind und das Projekt nicht verwirklicht ist, dann ist eine Konventionalstrafe fällig“, erklärt Hagn. Er betont auch, dass mit der Zustimmung zur Tektur keine Verlängerung der Fristen verbunden sei. Natürlich gebe es Unwägbarkeiten, über die der Stadtrat immer wieder entscheiden müsse, so Hagn. „Doch das Ziel ist, dass das Almdorf gebaut wird und auch zum Erfolg wird.“

Fragen zu Corona: Hier die Antworten zweier Ärzte auf Fragen unserer Leser.

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