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Das „Paradies“ von Roelant Sevary Fe von 1625 erzielte im Tegernseer Aktionshaus von Walter Ginhart den Rekordpreis von 810.000 Euro.

Kunst-Experte Walter fand es in Münchner Wohnung

In Tegernsee versteigert: Den irren Preis für dieses Gemälde erraten Sie nie

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Der Tegernseer Auktionator Walter Ginhart hat aus einer Münchner Wohnung einen echten Glücksfund in die Hände bekommen und ihn zu einem weltweiten Rekordpreis versteigert. Ein Kunstkrimi:

Tegernsee – Was sich da jetzt im Auktionssaal von Walter Ginhart am Tegernseer Steinmetzplatz abgespielt hat, ist mit einem Krimi vergleichbar und für die Teilnehmer an Spannung wohl kaum zu überbieten: Nichts weniger als das „Paradies“ soll den Besitzer wechseln. Ein Ölgemälde von Roelant Sevary Fe, datiert aus dem Jahr 1625. Der Künstler hat es links unten selbst signiert. 84 mal 140 Zentimeter ist das gerahmte Ölgemälde auf Leinwand groß. In der Mitte des Vordergrundes ein Gewässer mit Schwänen und Pelikanen. „Die prächtig herausgearbeiteten Eichen, die Lichtschneise quer durch den Bildraum und die Staffierung mit so hervorragenden Studien von Pferden, Hund und Jungleoparden erlauben eine Platzierung unter den besten dieser Gruppe“, heißt es in der Beschreibung zum Werk.

Walter Ginhart (59), der sein Kunst & Auktionshaus am Steinmetzplatz seit 2010 betreibt, setzt das Bild mit dem Startpreis von 15.000 Euro an. Er hatte den „Sensationsfund“ in einem alten Haushalt in München gemacht. Er ahnt schon vor der Versteigerung, dass sich dieser Top-Altmeister zu einem Knaller entwickeln könnte. Schließlich spielt die Szene gerade verrückt, der Rekordpreis von 450 Millionen Dollar für einen da Vinci vor Kurzem bei Christie’s in New York war die jüngste Spitze des Eisbergs.

Bei Ginhart ist der Saal mit rund 100 Interessenten gefüllt. „Wir hatten die internationale Sammlerszene da, auch Russen“, berichtet der 59-Jährige. Per Live-Stream wird die Versteigerung, die Tegernsee über die Plattform Lot-tissimo mit dem Rest der Welt verbindet, aus dem Saal übertragen. „Die Spannung war enorm“, beschreibt Ginhart das Szenario. Sie brodelt förmlich, die Leute schreien und klatschen, als der Preis zunächst bei 600.000 Euro stockt. Dann bietet ein Teilnehmer im Saal 800.000 Euro, doch ein deutscher Bieter am Telefon macht schließlich mit 810.000 Euro das Rennen. „Das ist ein absoluter Rekordpreis für diesen Maler“, weiß Ginhart, dem die komplette Expertenwelt am Tag danach zu seinem Coup gratuliert. „Wir haben uns genauso gut geschlagen wie Christie’s oder Sotheby’s“, sagt Ginhart stolz. Er weiß auch: „Alle Altmeister, die man annähernd zuordnen kann, gehen derzeit preislich so durch die Decke. Da gibt es kein Halten.“

Wer einen Altmeister, also ein zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert datiertes Werk besitzt, legt Ginhart ans Herz: „Lassen Sie es schätzen.“

gr

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