Amtsgericht Miesbach
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Im Amtsgericht Miesbach sitzt derzeit ein Angeklagter wegen des Vorwurfs einer Ohrfeige.

48-Jähriger Rottacher beschuldigt

„Fürchterliches Theater“: Wegen Körperverletzung Angeklagter wehrt sich gegen Vorwürfe im Amtsgericht Miesbach

Weil ihm im Streit die Hand ausgerutscht sein soll, saß ein 48-jähriger Rottacher jetzt im Amtsgericht Miesbach auf der Anklagebank.

Tegernsee/Miesbach - Der 48-Jährige hatte gegen einen gegen ihn ergangenen Strafbefehl wegen Körperverletzung Einspruch eingelegt - und bestritt zu Beginn der Verhandlung den Vorwurf, im September 2020 in der Tegernseer Rosenstraße eine Frau mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen zu haben. Stattdessen schilderte er seine Version des Vorfalls.

Er kenne die Geschädigte und ihren Mann schon lange, da beide in einem Restaurant gearbeitet hätten, das er häufig besuche. 2017 habe der Ehemann ihn gebeten, ihm 1300 Euro zu leihen. „Er hat in dem Lokal bei allen versucht, sich Geld zu leihen“, erinnerte sich der 48-Jährige. Er selbst sei aber „so blöd“ gewesen, das Darlehen tatsächlich zu geben. Der Andere habe sich damals sogar mit Handschlag bedankt und ihm versichert, er sei eben ein „echter Freund“.

Amtsgericht Miesbach: Beschuldigter gibt an, der Geschädigten die Maske vom Gesicht gezogen zu haben

Nach einer Woche sollte das Geld zurückerstattet werden. Doch da sei der Schuldner plötzlich wie vom Erdboden verschluckt gewesen. „Seine Frau hat gesagt, dass er in der Psychiatrie sitzt“, sagte der Beschuldigte. In Wirklichkeit sei ein Strafverfahren der Grund des Verschwindens gewesen. Dann habe er ihn zufällig in einem anderen Lokal getroffen. Auf die Schulden angesprochen, habe ihn der Schuldner wieder vertröstet. Obwohl er sich zwischenzeitlich eine größere Wohnung genommen, einen SUV und einen Motorroller sowie einen Hund angeschafft hatte.

Im Herbst 2020 eskalierte dann die Situation bei einem zufälligen Aufeinandertreffen in der Rosenstraße. Das Ehepaar sei damals „einfach an ihm vorbeigelaufen, als ob nichts wäre“, erinnerte sich der Rottacher. Auf die Schulden angesprochen, habe der Ehemann vorgegeben, nichts davon zu wissen und die Sache dreist umgekehrt: Der Rottacher schulde vielmehr ihm 2000 Euro.

Darüber sei es zum Streit gekommen, woraufhin die Geschädigte ihr Handy gezückt und ihn gefilmt habe. Dabei habe sie sich mit Schutzmaske und Sonnenbrille „vollständig vermummt“. Diese Feigheit habe ihn befremdet und angewidert, ebenso wie die Tatsache, dass sich die Frau trotz entsprechender Aufforderungen nicht vom Aufzeichnen des Geschehens habe abbringen lassen. Da habe er ihr schließlich „aus Verzweiflung“ die Maske vom Gesicht gezogen.

„Hohe Impulskontrolle“: Angeklagter rechtfertigt sich - und verweist auf „fürchterliches Theater“

Ihr eine Ohrfeige zu geben, sei nie seine Absicht gewesen. „Ich habe auch bei Konflikten eine sehr hohe Impulskontrolle“, versicherte er Richter Walter Leitner. Außerdem sei im Strafbefehl von einem Schlag auf die rechte Wange die Rede, er sei aber Linkshänder. Das folgende „fürchterliche Theater“ – die Frau habe laut geschrien, der Hund zu bellen angefangen – habe den Inhaber einer Versicherungsagentur alarmiert, der dazugekommen sei. Die Eheleute hätten dann nach der Polizei gerufen, er selbst habe sich daraufhin entfernt.

Wieso er denn, statt der Polizei seine Version auseinanderzusetzen, einfach gegangen sei, fragte Leitner: „Das macht doch gerade einen verdächtigen Eindruck.“ Er habe gefürchtet, dass der Mann von den Eheleuten als Werkzeug gegen ihn instrumentalisiert werde, lautete die Antwort. Im Zuge einer Fahndung konnte der Rottacher schließlich von der Polizei ausfindig gemacht werden. Der Prozess dauert an. Eine Münchnerin saß kürzlich ebenfalls wegen des Vorwurfs der Körperverletzung auf der Anklagebank des Amtsgerichts Miesbach. Sie war zuvor in einem Rottacher Wein-Lokal ausgerastet. (stg)

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