+
Noch ist das Bastenhaus in Tegernsee ein Hotel. Schon bald wird es aber zur Asylbewerber-Unterkunft umfunktioniert.

Im Juni ziehen Asylbewerber in das Hotel

Bastenhaus: Nachbarn in großer Sorge

  • schließen

Tegernsee - Im Juni ziehen 60 Asylbewerber ins Bastenhaus in Tegernsee. Was für die Stadt eine gute Lösung ist, bereitet den Nachbarn Sorge: Sie fürchten eine Wertminderung ihrer Häuser.

Im Bastenhaus, einem 3-Sterne-Hotel mit direkter Seelage, läuft der Anrufbeantworter. Bis 19. März ist Betriebsurlaub, heißt es, dann könne man hier wieder Urlaub machen. Für 235 Euro im Doppelzimmer, so steht’s auf der Homepage. Doch ab 1. Juni wird im Bastenhaus alles anders: Dann ziehen 60 Flüchtlinge ein – Männer, Frauen und Familien (unsere Zeitung berichtete).

„Das wird keine Luxus-Unterkunft“, stellt Birger Nemitz, Sprecher des Landratsamts, schon jetzt klar. Das Hotel werde umgebaut, aus den bisher 42 Übernachtungsmöglichkeiten werden 60. „Die Profi-Hotelküche wird durch eine Gemeinschafts-Küche nach Asyl-Standard mit einfachen Kochplatten ersetzt“, sagt Nemitz.

Gerede, wonach in Tegernsee Flüchtlinge dann in einem Luxushotel mit Seeblick und Schwimmbad wohnen würden, rückt Nemitz zurecht: „Das Wasser im Schwimmbad wird abgelassen, wahrscheinlich werden wird einen Boden darüber legen, damit nichts passiert.“

Für welche Dauer das Landratsamt den Mietvertrag mit den Bastenhaus-Besitzern geschlossen hat, darf Nemitz nicht sagen. „Vertragsangelegenheiten sind nicht öffentlich.“ Die Rede ist aber von „langfristig“. Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) hält fünf oder gar zehn Jahre für realistisch, „wenn nicht sogar dauerhaft“.

Vor kurzem empfing Hagn im Rathaus zusammen mit Landratsamtsvertretern die Nachbarn rund um das Bastenhaus. „Die Anwohner wollen die Flüchtlingsunterkunft nicht“, berichtet der Bürgermeister von dem Treffen. Sie seien in Sorge, dass „plötzlich fremde Leute auf deren Grundstück stehen könnten“ oder „dass im Sommer ständig gegrillt“ werde. Sie befürchten eine Wertminderung ihres Eigentums. Und sie fürchten, dass in der benachbarten Seesauna und im Familien-Strandbad der Betrieb beeinträchtigt werden könnte.

Daniela Russ, Betriebsleiterin der Seesauna, dementiert Gerüchte, wonach bereits Anfragen an die Mitarbeiter herangetragen wurden. „Wir werden die Entwicklungen abwarten“, sagt Russ. „Gäste und Belegschaft sehen dem gelassen entgegen.“

Johannes Hagn ist erleichtert, dass die Turnhalle nach dem Auszug der Flüchtlinge schon bald wieder für den Sport genutzt werden kann.

Hagn nimmt die Sorgen der Nachbarn durchaus ernst und versichert, immer ein offenes Ohr für sie zu haben. „Was die Sauna betrifft, so kann unser Bauhof notfalls weitere Sichtschutzwände errichten.“ Er sei aber überzeugt, dass es sich bei den Flüchtlingen, die ins Bastenhaus ziehen, um Leute „mit Wohlverhalten“ handeln werde. Dies habe das Landratsamt versichert. „Und wenn sich einer daneben benimmt, dann wird ihm ganz schnell klar gemacht, dass er wieder in eine Tragluft- oder Turnhalle ziehen muss“, betont der Landratsamts-Sprecher. „Dort sind die Verhältnisse nämlich nicht so toll wie im Bastenhaus.“

Für Tegernsee beginnt also eine neue Etappe: Seit Sommer 2015 lebten Flüchtlinge in der Halle, vorher schon wurde die kleine städtische Turnhalle nebenan zur Verfügung gestellt. Laut Nemitz sind aktuell noch rund 100 Flüchtlinge in der Dreifachturnhalle untergebracht, in der vergangenen Woche wurden 50 an andere Plätze verlegt, zudem 47 aus Tegernsee in die Traglufthalle in Rottach-Egern. Wenn künftig 60 Asylbewerber in der Stadt sind, dann entspricht diese Zahl dem Verteilerschlüssel, der im Landkreis aufgrund der Einwohnerzahl gilt.

„Wir sind heilfroh“, atmet Hagn durch. Schließlich ist nach der gründlichen Sanierung der Halle in den Pfingstferien endlich wieder ein geregelter Sportunterricht möglich. Insgesamt werde sich die Lage entspannen. Er könne die Nachbarn des Bastenhauses zwar verstehen, „aber die Nachbarn an der Turnhalle hatten es auch nicht leicht.“

Die geringere Zahl ermögliche es nun, die Flüchtlinge wieder durch den Helferkreis zu betreuen. Die Stadt werde versuchen, die Leute zu integrieren und zu beschäftigen. „Niemand wird einem Tegernseer den Job wegnehmen oder Firmen die Aufträge vermasseln“, versichert Hagn. Die Beschäftigung der Leute müsse vielmehr ein Gewinn sein für die Stadt. So könnten die jungen Männer beispielsweise dem städtischen Wegereferenten unter die Arme greifen oder auf dem Friedhof Unkraut zupfen.

Den Flüchtlingen müsse aber klar gemacht werden, „dass Deutschland kein Land ist, in dem Milch und Honig fließt“. Was die Schlepper den Asylbewerbern versprechen, sei nicht die Realität. Das hat Hagn den Männern in der Turnhalle selbst gepredigt. Vor allem die über 40-Jährigen hätten kaum eine Perspektive, angesichts der langen Asylverfahren. „Ich halte die Heimreise mit einem Mini-Kredit für eine neue Existenz im Gepäck für die bessere Aussicht als eine Harz-IV-Karriere“, so Hagn.

Wenn die Asylverfahren erst einmal abgeschlossen sind, und viele wohl ein Bleiberecht bekommen, dann steht die Stadt vor dem nächsten Problem: Sie muss die Familien, Männer und Frauen dauerhaft unterbringen. „Wir müssen bezahlbaren Wohnraum schaffen, für Flüchtlinge und auch sozial schwächere Mitbürger“, formuliert Hagn als Aufgabe für die Stadt.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Jugendliche gestehen Einbruch ins Warmbad 
Zwei junge Burschen aus Gmund und Bad Wiessee mussten auspacken. Weil sie eine Überwachungskamera beim Einbruch ins Warmbad Rottach-Egern gefilmt hatte, blieb ihnen …
Jugendliche gestehen Einbruch ins Warmbad 
Widerstand gegen Umbau von Glasl-Tenne
In der Tenne des denkmalgeschützten Glasl-Anwesens sollen Eigentumswohnungen entstehen. Die Pläne sehen hohe Lichtbänder vor, die dem Ortsplanungsausschuss nicht …
Widerstand gegen Umbau von Glasl-Tenne
Mautautomat an der Wallbergstraße aufgebrochen 
Der Mautautomat an der Rottacher Wallbergstraße wurde geknackt. 600 Euro Wechselgeld erbeuteten die Unbekannten. Der Schaden am Automaten ist weitaus höher: Er beläuft …
Mautautomat an der Wallbergstraße aufgebrochen 
Walter Hübsch ist zurück: Ruheständler führt Bauamt
Ex-Bauamtsleiter Walter Hübsch sitzt seit Montag wieder an seinem Schreibtisch im Rottacher Rathaus. Hübsch vertritt Christine Obermüller, die wegen Krankheit fünf …
Walter Hübsch ist zurück: Ruheständler führt Bauamt

Kommentare