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Ärger über Hundekot: Christian Neumann will die Verschmutzung des Bereichs um seine Wohnung nicht dulden. Als Hundehasser sieht er sich deshalb nicht. 

„Ich bin doch kein Hundehasser“

Anwohner am Tegernsee wehrt sich gegen Wanderer: Wir wollen diesen Hundedreck nicht mehr

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Nach einer unerfreulichen Begegnung am Tegernseer Prinzenweg beschwerten sich am Ostermontag zwei Hundehalterinnen bei der Stadt. Jetzt schildert der Anwohner seine Sicht der Dinge. 

Tegernsee – Das Anwesen Prinzenweg 35 hoch oben über dem Tegernsee ist das letzte, bevor es in den Bergwald geht. Es ist eine einfache Unterkunft, in der die Stadt Tegernsee bei Bedarf auch Menschen unterbringt, die sonst kein Obdach hätten. Manche bleiben wegen der günstigen Miete und weil sie sich heimisch fühlen. Christian Neumann (75) lebt seit 17 Jahren in dem alten Haus am Alpbach. Seine Wohnung mit Terrasse hat er sich als kleines Refugium eingerichtet. Damit es hübsch aussieht, sorgt er für Blumenschmuck. Was ihn ärgert: Immer wieder liegen am Bach und auf der schmalen Straße die Hinterlassenschaften von Hunden. 

Wenn Wanderer mit ihren Vierbeinern vorbeilaufen, was sehr oft vorkommt, fürchtet er neues Ungemach. So wie am Ostermontag, als zwei Wandererinnen mit Hunden passierten. Am Ende beschwerten sich die Münchnerinnen bei der Stadt. „Und es heißt, ich wäre ein Hundehasser“, sagt Neumann. „Aber das bin ich nicht.“ Er wolle nur keinen Hundedreck mehr. Und etwas Respekt. „Die Leute sind so arrogant.“

Die Frauen aus München waren schon vom Bärenfell verschreckt, das an der Holzwand über Neumanns Terrasse hängt. „Das war ein Bär aus den Karpaten“, sagt Neumann. Er mag seinen Wandschmuck und den wildromantischen Platz am Berg. „Viele wollen das gerne fotografieren“, erzählt er. Mehr noch als das Fell waren die Münchnerinnen allerdings von den Scherben auf dem Grünstreifen irritiert. Sie lagen rund um die hölzerne Figur eines Hundes in eindeutiger Position mit der Aufschrift: „No!“. Dass die Frauen sich darüber und wegen einer harschen Aufforderung, mit den Hunden zu verschwinden, gleich bei der Stadt beschwert haben, findet Neumann überzogen. Darum ist es ihm wichtig, seine Sicht der Dinge darzustellen. Um klar zu machen, dass er kein Hundehasser ist, will er trotzdem ein Zeichen setzen. Er denkt an eine 50-Euro-Spende ans Tierheim.

Die Scherben auf dem Grünstreifen am Bach hat der Tegernseer Bauhof eingesammelt, mitsamt der hölzernen Hundefigur. Neumann will sie ersetzen, als Vorlage hat er noch ein Pappmodell.

Vor allem wünscht er sich, dass die Ausflügler mit Hund mehr Rücksicht nehmen. Das finden auch seine Nachbarn. Sie stärken ihm den Rücken, wollen aber nicht mit Namen genannt werden. Der Hundekot sei ein riesiges Problem, zudem seien viele Tiere nicht angeleint. Die Stadt möge eine Leinenpflicht anordnen und Dog-Stations installieren. Jetzt, wo die Wandersaison gerade beginne, sei der richtige Zeitpunkt.

Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn beurteilt die Lage weniger dramatisch. „Da fängt doch gleich der Wald an“, erinnert er. Die Hinterlassenschaften lägen im Forst besser pur als in Plastik verpackt. Eine generelle Leinenpflicht gebe es in Tegernsee nicht. Und auch keine Notwendigkeit dafür: „99,9 Prozent der Hundehalten verhalten sich doch vernünftig.“

jm

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