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Feuerwerke - wie hier beim Seefest in Tegernsee - sind faszinierend anzusehen, aber schädlich für die Umwelt. 

Feuerwerks-Gegner jubeln über klares Statement

Gemeinsamer Appell der Tal-Gemeinden: Finger weg von den Silvesterraketen!

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Die Feuerwerks-Gegner am Tegernsee jubeln: In einem gemeinsamen Appell rufen die Gemeinden im Tal alle Bürger und Gäste dazu auf, künftig an Silvester auf die Böllerei zu verzichten. Ein Durchbruch?

Tegernseer Tal – Mit seiner zentralen Laser-Show und dem Aufruf, von der privaten Böllerei die Finger zu lassen, hatte das Bergsteigerdorf Kreuth schon zum jüngsten Jahreswechsel Neuland betreten. Jetzt wollen die anderen Tal-Gemeinden – zur Überraschung vieler – nachziehen.

In einem gemeinsamen Beschluss haben sich die Bürgermeister rund um den See dafür ausgesprochen, in diesem Jahr erstmals alle Bürger und Gäste der Urlaubsregion dazu aufzufordern, auf das Abfeuern von Silvesterraketen zu verzichten. Eine entsprechende E-Mail hat Christian Kausch, Geschäftsführer der TTT, bereits an alle Gastgeber und Gastronomen rausgeschickt.

Darin heißt es, man wolle durch den Verzicht auf die Silvester-Knallerei „unserer Umwelt und den in unserer Natur frei lebenden und bei uns in der Landwirtschaft und zu Hause gehaltenen Tieren etwas Gutes tun“. Zudem könnten dadurch unnötige Feinstaub- und erhebliche Lärmbelastungen vermieden werden.

Lesen Sie hier: Initiative fordert erneut: Schluss mit der Knallerei

Argumente, mit denen die Feuerwerks-Gegner im Tegernseer Tal bereits seit Jahren gegen das private Abfeuern von Raketen zu Felde ziehen. Jetzt gibt’s dazu erstmals ein offizielles und gemeinsames Statement der Tal-Gemeinden. Für Angela Brogsitter-Finck ein Grund zum Jubeln.

„Wir sind begeistert und können es kaum fassen“, sagt die Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT), die schon 2015 gemeinsam mit anderen Mitstreitern die Initiative „Stoppt private Feuerwerke“ gegründet hatte. Dass nun die Tal-Gemeinden auf diesen Zug aufspringen, sieht sie auch als Erfolg ihrer Initiative. Steter Tropfen höhle den Stein, meint die Naturschützerin, die sich von dem offiziellen Appell endlich den gewünschten Rückgang der Böllerei erhofft. Vielleicht auch während der Sommermonate, wenn zu Hochzeiten und Geburtstagen rund um den See regelmäßig Raketen in die Luft gefeuert werden.

Doch was ist eigentlich mit den Brillantfeuerwerken anlässlich der drei Seefeste? Wäre es seitens der TTT und der Tal-Kommunen nicht konsequent, auch die eigenen Feuerwerke einzustampfen? Nicht unbedingt, findet Kausch. Die Seefest-Feuerwerke seien ganz anders zu steuern, würden nur punktuell an einem Ort stattfinden und seien nach 15 Minuten garantiert vorbei – somit seien sie mit der privaten Böllerei an Silvester nicht zu vergleichen.

Hier finden Sie den Artikel: Silvester-Böllerei: Immer mehr im Tegernseer Tal fordern Verzicht

„Wir wollen Schritt für Schritt vorgehen und zunächst einmal das eindämmen, das überall knallt und zischt und laut ist“, erklärt der Tourismus-Chef. Während die unkontrollierte private Knallerei von den Menschen als störend und nervend empfunden werde, würden die Seefest-Feuerwerke in der Öffentlichkeit „überwiegend positiv wahrgenommen“, argumentiert Kausch. Auch bei Naturschützern sei hier die Akzeptanz wesentlich größer.

Apropos positiv: Seit Kausch den Feuerwerks-Verzicht-Appell vor wenigen Tagen per Mail rausgeschickt hat, hat er nach eigenen Angaben bereits Unmengen Reaktionen erhalten. „Das war überwältigend – die Rückmeldungen sind wahnsinnig positiv“, freut sich der Geschäftsführer. Zahlreiche Gastgeber und Gastronomen hätten ihm bereits ihre Unterstützung zugesagt.

Und die ist ihm auch von einer anderen Seite gewiss: Brogsitter-Finck und ihre Initiative wollen auch weiterhin nach Kräften die Werbetrommel für einen lautlosen Jahreswechsel rühren.

Vorsitzende des Tierschutzvereins hatte bereits Antrag im Gemeinderat gestellt

Eine, die sich ebenfalls für eine „feuerwerksfreie Region“ einsetzt, ist Johanna Ecker-Schotte, Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal und zugleich Rottacher FWG-Gemeinderätin. Sie hatte bei der jüngsten Rottacher Gemeinderatssitzung – mit Erfolg – den Antrag gestellt, dass die Gemeinde zum Jahreswechsel einen öffentlichen Aufruf startet für einen freiwilligen Verzicht auf Feuerwerke. Dass es jetzt zu der talweiten Initiative gekommen ist, sieht Ecker-Schotte „absolut positiv“. „Ich freue mich sehr“, erklärt sie auf Nachfrage. Silvester habe aufgrund der privaten Böllerei inzwischen „unerträgliche Formen“ angenommen, findet die Tierschützerin, die auch mögliche Alternativen wie Lasershows, stille Barockfeuerwerke oder Wasserfontänen ins Spiel bringt.

Auch am Tegernsee: Kreuth will komplett auf Feuerwerke verzichten

gab

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