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Exotischer Gast: Auch eine Kanadagans ist derzeit am Tegernsee anzutreffen. Meist befindet sie sich in Begleitung einer Schwanengans und mehrerer Graugänse. Die Vögel halten sich besonders gerne an der Point in Tegernsee auf, wo sie auch ihre üppigen Häufen hinterlassen.

Vögel haben sich bereits vermehrt 

Werden Gänse auch am Tegernsee zum Problemfall?

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Am Ammersee und Starnberger See sind Gänse eine echte Plage. Überall hinterlassen sie ihren Kot. Auch am Tegernsee gibt‘s eine Gänse-Schar, die sich gern an Badeplätzen breit macht. Sogar Exoten sind darunter.

Tegernsee – Woher sie kommen, weiß keiner so genau. Auch Wolfgang Hiller vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) im Landkreis Miesbach kann da nur rätseln. Vermutlich, so glaubt der Vogel-Experte, stammen die Gänse, die sich am Tegernsee niedergelassen und dort rasch vermehrt haben, aus einer privaten Zucht. Inzwischen seien es zehn an der Zahl, berichtet Hiller: Neben acht Graugänsen weiß er von einer Kanadagans und einer Schwanengans. Die beiden Letzteren sind Exoten am Tegernsee. „Weiß Gott, wo die herkommen“, sagt Hiller.

Eine Schwanengans tummelt sich ebenfalls an der Point in Tegernsee.

Mittlerweile hat sich die ganze Gänse-Schar zusammengerottet – und auch ihre Lieblingsplätze auserkoren. Besonders wohl fühlt sich die gefiederte Truppe an der Tegernseer Point oder auch auf der Popperwiese in Rottach-Egern. Eben dort, wo sich viele Badegäste tummeln und somit das Nahrungsangebot reichlich ist. „Viele Leute finden die Gänse toll und füttern sie“, berichtet Hiller. Und genau das könnte zum Problem werden. Die Graugänse, anfangs nur zu zweit, haben sich bereits deutlich vermehrt. „Da muss man schon aufpassen, die nehmen schnell zu“, warnt der Gmunder.

Dort, wo bereits ganze Heerscharen von Gänsen leben, klagen die Menschen vor allem über eines: die Verschmutzung durch den Kot. Kein Wunder, schließlich setzen diese Vögel beachtliche Häufen an die Ufer der Badeseen. Zwei Kilogramm Kot, verteilt auf 170 Portionen, scheidet eine Gans täglich aus. In Herrsching am Ammersee greift man daher zu drastischen Maßnahmen: Die Gemeinde beantragt seit Jahren eine Verkürzung der Schonzeit, damit die Tiere noch früher im Jahr geschossen werden können.

Bürgermeister Hagn: Hundekot ist das viel größere Problem

Dagegen bleiben am Tegernsee Badegäste und Spaziergänger bisher gelassen. Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) kennt die Gänse-Schar zwar und weiß auch von üppigen Kothäufen an der Point, Beschwerden darüber gebe es aber kaum. „Da haben wir mit dem Hundekot wesentlich größere Probleme“, meint der Rathaus-Chef. Und auch sein Rottacher Amtskollege Christian Köck (CSU) bestätigt: „Eine grobe Verschmutzung können wir an unseren Badeplätzen nicht beklagen.“

Also kein akuter Handlungsbedarf wegen der Gänse am Tegernsee? Das sieht das Landratsamt Miesbach ein wenig anders. „Das Problem ist uns schon bekannt“, erklärt Behörden-Sprecher Birger Nemitz auf Nachfrage. Er spricht allerdings nicht von Graugänsen, sondern von Kanadagänsen, Streifengänsen und auch Hybridgänsen (Mischlinge aus Grau- und Streifengänsen), die man bereits am Tegernsee beobachtet habe. Und er sagt: „Aus naturschutz-fachlicher Sicht ist es notwendig, diese Tiere zu entnehmen.“ Denn es sei nicht abzuschätzen, welche Auswirkungen diese nicht einheimischen Vögel auf die lokalen Tierarten hätten. „Man muss davon ausgehen, dass diese Vogelarten sich sehr stark ausbreiten werden, falls sie nicht kontrolliert werden“, fügt Nemitz hinzu.

Landratsamt will den Jagdpächter einschalten

Und was bedeutet das nun? Auf Nachfrage wird der Behörden-Sprecher konkreter: Im Herbst, so kündigt er an, werde das Landratsamt wieder den Jagdpächter am Tegernsee informieren, „und dieser kann die Tiere dann entnehmen“. Das müsse aber nicht heißen, dass gleich scharf geschossen wird, lässt Nemitz durchblicken. Zunächst werde versucht, die Tiere mit speziellen Vorrichtungen zu fangen. Die Verhältnismäßigkeit, so der Sprecher, müsse gewahrt werden.

gab

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