Wer am Tegernsee Urlaub macht muss Kurbeitrag bezahlen. Dies gilt auch für Familien mit Kindern und Jugendlichen, die, wie hier bei dieser Aufnahme vom September, die Aussicht am Wallberg genießen.  Foto: Thomas Plettenberg
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Wer am Tegernsee Urlaub macht muss Kurbeitrag bezahlen. Dies gilt auch für Familien mit Kindern und Jugendlichen, die, wie hier bei dieser Aufnahme vom September, die Aussicht am Wallberg genießen.

Stadtrat hat über Antrag der Grünen und SPD diskutiert

Auch Jugend muss Kurbeitrag am Tegernsee zahlen

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Die Grünen und die SPD in Tegernsee wollen, dass Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 16. Lebensjahr vom Kurbeitrag befreit sind – ein Vorschlag, der jetzt im Stadtrat für eine lebhafte Debatte sorgte.

  • Grüne und SPD wollen, dass Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren keine Kurtaxe zahlen.
  • Lebhafte Debatte im Stadtrat.
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Tegernsee – Erst im Oktober hatte der Stadtrat mehrheitlich eine neue Kurbeitragssatzung beschlossen. Sie gilt ab 1. Mai 2021 und bedeutet: Erwachsene zählen künftig drei statt zwei Euro pro Tag, Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 16 Jahren zahlen 1,50 statt einen Euro. Damit schließt sich Tegernsee einer talweit nahezu einheitlichen Kurbeitrags-Regelung an (wir berichteten). Schon im Oktober hatten die Grünen im Stadtrat vorgeschlagen, Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 16. Lebensjahr gänzlich von der Kurbeitragspflicht zu befreien. Zur jüngsten Sitzung packten sie diesen Wunsch zusammen mit der SPD in einen konkreten Antrag, den Ursula Janssen erläuterte.

„Unser Ziel ist nachhaltiger Tourismus, nicht nur im ökologischen Sinn. Er soll in wechselhaften Zeiten dauerhaft stabil sein“, so die Grünen-Rätin. Abgesehen davon, dass der Erhöhungssprung um 50 Prozent ungewöhnlich hoch und nicht werbewirksam sei, stelle er für Familien mit Durchschnittseinkommen eine besondere Belastung dar. Die Verteuerung, finden die Antragsteller, könne durchaus den Ausschlag geben, dass die Familien Tegernsee als Urlaubsort meiden. Janssen machte sogar eine Rechnung auf: Bei einem zweiwöchigen Urlaub mit Elternpaar und zwei Schulkindern wären das 126 Euro. „Ein beachtlicher Beitrag in der Größenordnung von zwei Gaststättenbesuchen“, so Janssen. Nicht die Doppelverdiener zwischen 50 und 60 Jahren, „die heute hier und morgen da Urlaub machen“ sollten die Zielgruppe sein, sondern Familien. „Kinder sind die Gäste von morgen und beleben das Ortsbild“, so ihr Argument. Außerdem gelte es, etwas gegen den „drastischen Einbruch“ bei den Gästezahlen mit 22 Prozent weniger Familien in den Jahren 2018 und 2019 zu unternehmen. Tegernsee sollte eine Vorreiterrolle in Sachen Familienfreundlichkeit übernehmen und den Konsens mit den anderen Talgemeinden suchen, so ihr Appell.

Verzicht auf Kurtaxe für Jugendliche: Das würde es kosten

Um eine echte Diskussionsgrundlage zu bieten, hatte die Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) im Vorfeld anhand der Übernachtungszahlen von 2018 und 2019 berechnet, welche finanziellen Auswirkungen eine Kurbeitragsbefreiung für Kinder und Jugendliche hätte. Tegernsee müsste auf 7700 Euro jährlich verzichten, Gmund auf 6200 Euro, Kreuth auf 19 000 Euro, Rottach-Egern auf 19 600 Euro und Bad Wiessee auf 20 775 Euro.

Der Antrag löste eine kontroverse Debatte aus: Vize-Bürgermeister Michael Borujau (FWG) wertete die Befreiung als familienfreundliches Signal, das Tegernee gut stehen würde. Thomas Mandl (SPD) hob den Nachhaltigkeits-Aspekt hervor und richtete den Blick auf Kinder als Gäste von morgen. Markus Schertler (CSU) war dafür, bei der gerade erzielten, nahezu einheitlichen Linie zu bleiben. „Wir tun uns mit 7700 Euro Mindereinnahmen relativ leicht, aber wie denken die anderen?“

Debatte um Kurtaxe am Tegernsee: Kommunen wollen bei (fast) einheitlichem Weg bleiben

Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) wusste es: Die Tal-Kollegen seien dafür, bei der beschlossenen Kurtaxe zu bleiben. Es werde nicht so gesehen, dass die Befreiung ein zusätzlicher Anreiz für Familien sei. Günter Allerstorfer (CSU) war gegen die Befreiung, da hinter der Kurtaxe ja auch Leistungen für die Familien stecken. Anton Lengmüller (FWG) sprach von einem durchaus „netten Beitrag“, er hielt es aber nicht für sinnvoll, das gute Verhältnis zu den anderen Talgemeinden für einen „wohl nicht durchschlagenden Effekt“ aufs Spiel zu setzen. Vor allem, da sich die Aufregung um den Alleingang von Bad Wiessee und deren noch immer geltende Sonderregelung von 3,30 Euro pro Erwachsener gerade gelegt habe.

Hagn wollte der Argumentation der Antragsteller nicht folgen und gab zu bedenken: „Wir haben gemeinsam ein Hallenbad zu finanzieren. Das ist ein Schlechtwetterangebot, gerade für die Zielgruppe der Familien.“ Es wäre ein „fatales Zeichen“, auf den Kurbeitrag für Kinder und Jugendliche zu verzichten. Die Mehrheit war am Ende dieser Meinung: Der Antrag wurde mit 12:4 Stimmen abgelehnt.

gr

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