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Die Terrasse des Berggasthofs Neureuth in Tegernsee bot dieser Tage einen höchst unterschiedlichen Anblick: Während am Sonntag bei Traumwetter – trotz Corona-Krise – Hunderte Bergfreunde die Gaststätte stürmten (Bild links), blieb der Außenbereich am gestrigen Donnerstag – ebenfalls bei Traumwetter – leer: Wirt Thomas Gigl hat bis auf Weiteres zugesperrt.

„Das war wirklich krank.“

Ausflügler-Ansturm trotz Corona: Der Neureuth-Wirt greift durch

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Die Corona-Krise spitzt sich zu, draußen scheint die Sonne: Viele Wanderer hält es nicht in den eigenen vier Wänden. Der Neureuth-Wirt und die Touristiker am Tegernsee haben nun reagiert.

Tegernsee – Die Situation am vergangenen Sonntag war grotesk: Während sich in den Medien die Nachrichten über das Coronavirus nur so überschlugen, herrschte auf der Terrasse des Berggasthofs Neureuth bei schönstem Ausflugswetter Hochbetrieb. Die Wanderer drängten sich an den Tischen – Sicherheitsabstand? Fehlanzeige! „Das war der stärkste Tag, den wir heuer hatten“, berichtet Neureuth-Wirt Thomas Gigl und fügt kopfschüttelnd hinzu: „Das war wirklich krank.“

Die Terrasse des Berggasthofs Neureuth in Tegernsee am Sonntag.

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Hüttenwirt sperrt zu

Gigl selbst hatte nach eigenen Worten angesichts von Corona mit einem solchen Andrang nicht gerechnet. Als Wirt, der die Massen bediente, musste er sich anschließend so einiges anhören. Per Mail habe er sich unter anderem als „umsatzgeil“ beschimpfen lassen müssen, erzählt Gigl. Am Mittwoch – ebenfalls bei Traumwetter – unternahm der Pächter des städtischen Berggasthofs noch einmal einen Versuch, der Situation gerecht zu werden: Um die 30-Personen-Regelung in seiner Gaststätte einzuhalten, setzte er einen „Türsteher“ ein. Aber auch da habe er wieder Kopfschütteln seitens der Gäste geerntet. Gestern nun zog er seine Konsequenzen – und machte den Berggasthof Neureuth „bis auf Weiteres“ dicht.

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Wanderer lassen sich auf Wiesen nieder

Einsam war es auf der Neureuth – beliebtes Ausflugsziel sowohl bei Einheimischen als auch bei Münchnern – gestern trotzdem nicht. Die Wanderer ließen sich angesichts der abgesperrten Terrasse auf den Wiesen und Bänken rund um die Hütte nieder. In kleinen Grüppchen und meist mit gebührendem Abstand, wie Gigl beobachtet hat. In seinen Augen sei dieses Verhalten in Ordnung, meint der Wirt. „So würde ich das auch machen.“

Auch Rainer Toepel, Vorsitzender der Alpenvereins-Sektion Tegernsee, hält es in diesen Zeiten nicht für falsch, „rauszugehen und sich gesund zu halten“. Allerdings nur dann, wenn der nötige Abstand zu anderen gewahrt bleibe. Bergwanderungen in großen Gruppen seien momentan tabu, sagt Toepel. „Alle unsere Sektions-Aktivitäten – auch die im Freien – finden derzeit nicht statt“, berichtet der Vorsitzende. Diese Regelung gelte vorläufig bis 19. April, dann werde die Situation neu bewertet.

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DAV ohne Empfehlung

Eine offizielle Empfehlung, wie der einzelne Wanderer mit der Corona-Krise umzugehen hat, gebe die Tegernseer Sektion nicht, sagt Toepel. „Was jeder privat macht, bleibt ihm selbst überlassen.“

Die sektionseigene Tegernseer Hütte zwischen Roß- und Buchstein ist derzeit jedenfalls kein Anlaufpunkt für Bergsteiger: Die Hütte hat noch Winterpause und würde ohnehin erst im Mai wieder aufmachen. Ob dann der geplante Umbau der Tegernseer Hütte, die zuletzt aufgrund von Brandschutzmängeln keine Übernachtungsgäste mehr aufnehmen durfte, tatsächlich im Frühjahr starten kann, ist laut Toepel angesichts der Corona-Krise nicht vorherzusagen. „Wir wissen gar nicht, ob das Material überhaupt lieferbar ist.“

Ausflugswahnsinn trotz Corona-Krise: Eine klare Haltung zu diesem Thema hat Christian Kausch, Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT). Um Tagesgästen keinen Anreiz mehr zu bieten, massenhaft an den schönen Tegernsee zu kommen, „haben wir unser Marketing auf Null gedreht“, sagt der Tourismus-Chef. In der aktuellen Lage verzichte die TTT bewusst „auf schöne Bildchen“ in den sozialen Netzwerken und habe auch das Versenden des Newsletters ausgesetzt. „Wir machen nichts, was die Menschen zusätzlich animiert, zu uns zu kommen“, stellt der Geschäftsführer klar. Auch wolle man keine Sehnsüchte wecken – nach dem Motto: Das hätten Sie haben können.

Marketing ausgesetzt

Den eigenen Veranstaltungskalender hat die Tourismus GmbH komplett auf Eis gelegt. Sämtliche Touren und Angebote – inklusive einer Pressereise – seien abgesagt worden, betont Kausch. Die Tourist-Informationen rund um den See haben ihre Schotten dichtgemacht. „Wir sehen unsere Aufgabe derzeit in der sachlichen Information und in der Betreuung aller Tourismus-Betriebe hier vor Ort“, erklärt Kausch. Krisenmanagement ist angesagt. Vereinzelt seien auch noch Urlaubsgäste im Tegernseer Tal, die viele Fragen zu ihrer Abreise hätten und um die man sich kümmern müsse.

Kausch ist überzeugt davon, dass sich die Ausflugslust der Menschen „ohne richtige Verbote“ nicht stoppen lassen wird. „Die letzten Tage haben ja gezeigt: Wenn wir uns auf den gesunden Menschenverstand verlassen, sind wir verlassen.“

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