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An die Wand im Barocksaal, auf die Sekretärin Doris Bachmeier zeigt, soll der Aufzug hin. 

Barrierefrei zum Barocksaal

Aufzug am Tegernseer Gymnasium: Projekt seit zwei Jahren geplant 

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Ein Klassenzimmer fällt weg, dafür kommen bald alle ohne Probleme in den Barocksaal des Tegernseer Gymnasiums.  Behindertenbeauftragter Anton Grafwallner hatte den Aufzug angestoßen. Nicht alle finden die Lösung gut.

Tegernsee – Anton Grafwallner habe schon Einladungen ausschlagen müssen, da er schlichtweg mit dem Rollstuhl nicht in den Barocksaal gelangt sei. Der Behindertenbeauftragte des Landkreises hat deshalb vor zwei Jahren beantragt, den Saal – er ist gleichzeitig die Aula des Tegernseer Gymnasiums – behindertengerecht zu erschließen. „Ich kenne ältere Leute, die im Rollstuhl sitzen und deshalb nicht mehr zu Vorträgen im Barocksaal gehen.“

Seit vergangener Woche ist bekannt: Das Gymnasium bekommt für 60 000 Euro einen neuen Aufzug. Wie berichtet, ist Schulleiter Werner Oberholzner nicht glücklich darüber, da dieser Baumaßnahme ein Klassenzimmer weichen muss. Außerdem finde er die Lösung, die auch eine Wand des Barocksaals betrifft, ästhetisch nicht gelungen.

Wo der Aufzug genau hinkommt, da habe sich Grafwallner nicht eingemischt. Ihm ging es lediglich um Inklusion, also die Teilhabe am Leben. „Die Menschen haben ein Recht darauf, sicher in den Saal zu kommen.“ Dort gibt es schließlich regelmäßig Konzerte und Vorträge. Die Tatsache, dass es bereits einen Aufzug im Gymnasium gibt und zum Barocksaal lediglich ein paar Stufen überwunden werden müssen, ist dem Gmunder bekannt. Für eine Rampe, die nach baulichen Vorschriften nur sechs Prozent Steigung haben darf, wären die Stufen zu steil. Und: „Wir wollen auch nirgends hingeschleppt werden“, sagt Grafwallner stellvertretend für alle Rollstuhlfahrer. Sein Elektrorollstuhl wiege allein 140 Kilo, das wolle er niemandem zumuten, und es sei auch gefährlich. „Wir wollen auch nicht immer im Mittelpunkt stehen und dauernd bitte und danke sagen müssen.“

Der Kreisausschuss hat den Aufzug bereits vor zwei Jahren behandelt, im Haushalt 2017 wurde das Projekt einstimmig beschlossen. „Barrierefreiheit bedeutet auch, nicht auf andere angewiesen sein zu müssen“, bekräftigt Landrat Wolfgang Rzehak. 22 000 Euro Förderung gibt es für den Aufzug von der Regierung von Oberbayern. Dass der Schulleiter sich Gedanken über die Raumsituation mache, sei nachvollziehbar, heißt es seitens des Landratsamts. Eine Schulfamilie bestehe aber aus mehr Leuten, beispielsweise gehöre dazu auch die Großmutter, die mit dem Rollstuhl zur Verleihung des Abiturzeugnis ihres Enkels kommen möchte.

Das kann wiederum Christian Stadler, der Vorsitzende des Elternbeirats, nachvollziehen. „Grundsätzlich ist der Aufzug ja nicht verkehrt.“ Und vermutlich sei es architektonisch auch die einzige Lösung. Der Elternbeirat, der erst vor wenigen Wochen von dem Bau erfahren hat, schließt sich aber der Meinung Oberholzners an. „Optisch ist es nicht schön, und dass ein Klassenzimmer wegfällt, ist nicht gut.“ Schließlich musste die Schule schon im vergangenen Jahr vier Zimmer wegen Eigenbedarfs an die Herzogliche Verwaltung zurückgeben.

Was den Denkmalschutz angeht, geht der Aufzug wohl in Ordnung. Laut Grafwallner hatte es eine Besichtigung mit Kreisbaumeister und Vertretern des Denkmalschutzes gegeben, die den nun geplanten Aufzug als beste Lösung deklarierten.

nip

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