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Seit über einem Jahr steht das ehemalige Hotel Bastenhaus in Tegernsee nun schon leer. Das Landratsamt zahlt Monat für Monat 10.000 Euro Pacht. 

Vorbereitungen für Umbau laufen

Bastenhaus: Anfang 2018 ziehen Flüchtlinge ein

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Leerstand seit über einem Jahr, 10.000 Euro Pacht pro Monat: Die Umwandlung des Hotels Bastenhaus in ein Flüchtlingsheim lässt auf sich warten. Jetzt nennt das Landratsamt einen Termin. Anfang 2018 sollen rund 50 Geflüchtete einziehen.

Tegernsee – Noch ist alles still im ehemaligen Hotel Bastenhaus. „Konkrete handwerkliche Umbauarbeiten haben wir noch nicht in Auftrag gegeben“, erklärt Birger Nemitz, Pressesprecher des Landratsamts. Die vorbereitenden Maßnahmen für den Umbau seien aber angelaufen: Antrag auf Nutzungsänderung, Brandschutznachweis, Eingabeplan.

Der jetzigen Planung nach sollen etwa 40 bis 50 Geflüchtete in dem früheren Drei-Sterne-Hotel einquartiert werden. „Die genaue Anzahl ist abhängig von den Zuschnitten der Zimmer nach dem Umbau und von der Sozialstruktur der Geflüchteten, die dort leben werden“, meint Nemitz. Der Einzug werde vermutlich „schon Anfang 2018“ möglich sein.

Es ist das zweite Mal, dass die Behörde einen Termin für die Einquartierung von Flüchtlingen ins Bastenhaus nennt. Der erste Termin wäre der 1. Juni 2016 gewesen. Wenige Wochen zuvor hatte eine kleine Abordnung aus dem Landratsamt das Hotel besichtigt, das damals noch als solches betrieben wurde.

Die Behörde suchte mit Hochdruck nach Unterkünften. Die Tegernseer Turnhalle war mit Geflüchteten belegt, die Situation angespannt. Das Bastenhaus schien die Rettung zu sein. Als verlängerter Arm der Regierung von Oberbayern schloss das Landratsamt einen Pachtvertrag über zehn Jahre, ohne Rücktrittsrecht. 10.000 Euro sind jeden Monat zu berappen. Den Aufwand für die Umbauarbeiten schätzten die Zuständigen auf 80.000 Euro.

Doch an einen schnellen Einzug war nicht zu denken. Es folgten längere Verhandlungen mit der Stadt Tegernsee, die baurechtlich sichergestellt haben wollte, dass auf die Nutzung als Flüchtlingsheim wieder eine als Hotel folgt. Keinesfalls sollte quasi durch die Hintertür der Bau von Wohnungen direkt am See ermöglicht werden.

Parallel zeigte sich, dass der Brandschutz viel teurer wird als auf den ersten Blick gedacht. Rund 300.000 Euro dürften es sein, wie im März dieses Jahres bekannt wurde. Erst nach längerem Ringen erklärte sich die Regierung von Oberbayern bereit, den Umbau zu finanzieren.

Ob diese Schätzung noch aktuell ist, verrät Nemitz nicht. Nebulös lässt er verlauten: „Die tatsächlichen Kosten können darüber oder darunter liegen.“ Bei einer großen Baustelle gebe es meist nicht vorhersehbare Entwicklungen. Die Umbaukosten seien zudem in Relation zu einer großen Anzahl von Geflüchteten zu sehen, die für einen längeren Zeitraum in dem Gebäude leben könnten. Wenn man den finanziellen Aufwand mit dem vergleiche, den der Betrieb von Traglufthallen verursacht, „kann man von einem guten Kosten-/Nutzenverhältnis ausgehen“.

Für Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) ist vor allem eines wichtig: dass am Ende nicht wieder die Turnhalle als Flüchtlingsheim herhalten muss. Darum stehe die Stadt hinter dem Vorhaben, das Bastenhaus als Flüchtlingsheim zu nutzen. „Auch wenn es ärgerlich ist, dass es sich um ein Hotel direkt am See handelt.“ Doch dies und auch die Kosten seien weniger einschneidend als die Einschränkungen und der Ärger, den die Umwandlung der Landkreis-Turnhalle in ein Flüchtlingsquartier mit sich bringe.

Derzeit sind in Tegernsee 16 Geflüchtete untergebracht, in verstreut liegenden Wohnungen. Im Moment reicht das aus: Der Flüchtlingsstrom erreicht den Landkreis derzeit nicht. Aber das, warnt Hagn, könne sich angesichts der politischen Lage sehr schnell ändern. Und wenn in Tegernsee kein Raum ist, bleibe dem Landkreis nichts anderes übrig, als auf eigene Gebäude zurückzugreifen: „Das wäre dann die Turnhalle.“

jm

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