+
Das ehemalige Hotel Bastenhaus ist seit fast drei Jahren als Flüchtlingsheim angemietet. Doch bislang hat noch nicht einmal der Umbau begonnen. 

345.000 Euro sind kalkuliert 

Bastenhaus-Umbau wird noch teurer als gedacht

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
    schließen

Vor nun drei Jahren verkündete das Landratsamt: Das Bastenhaus wird Flüchtlingsheim. Seitdem steht es leer. Monatliche Pacht: 10.000 Euro. Wann Geflüchtete einziehen, ist weiter offen. 

Tegernsee– „Stündlich“ erwarte das Landratsamt ein Schreiben der Regierung von Oberbayern, erklärt Behördensprecher Birger Nemitz. Eine schriftliche Bestätigung, dass der Umbau des ehemaligen Hotels Bastenhaus in der bereits genehmigten Form beginnen kann. „Mündlich haben wir das schon vereinbart“, erklärt Nemitz. Ihm ist wichtig, eines festzuhalten: „Von uns aus hätte das Ganze schon vor einem Jahr über die Bühne gehen können.“

Eigentlich sollte das Bastenhaus sogar schon seit fast drei Jahren als Flüchtlingsheim dienen. Ende Februar 2016 verkündete das Landratsamt, es sei gelungen, das an der Hauptstraße gelegene Gebäude anzumieten, und das für zehn Jahre. Damals war das Hotel noch in Betrieb. Zum 1. Juni 2016 sollten Geflüchtete einziehen.

Doch es kam anders. Der Brandschutz erwies sich als Problem, zudem wollte die Stadt Tegernsee sichergestellt wissen, dass die Immobilie nur vorübergehend als Flüchtlingsunterkunft dient und dann wieder zum Hotel wird. Der Stadt ist eines wichtig: Auf dem Grundstück direkt am See sollen keine Eigentumswohnungen entstehen. Dies ist mittlerweile juristisch fixiert. Die Genehmigung für die Nutzung des früheren Hotels als Flüchtlingsheim gilt nur bis zum 31. Mai 2026. So lange läuft der Pachtvertrag. Und bis dahin sind jeden Monat 10 000 Euro Miete fällig.

Einziehen können die Asylbewerber jedoch erst, wenn ein Umbau erfolgt ist. Der kommt teurer als gedacht. Erst waren die Kosten auf 275 000 Euro taxiert, inzwischen sind 345 000 Euro angesetzt. Nach langem Ringen hat die Regierung von Oberbayern die Übernahme der Kosten zugesichert. Doch als es bei einer Besprechung Mitte Dezember um die Umsetzung des Bauvorhabens ging, legten die Vertreter der Regierung von Oberbayern eine lange Liste von Änderungswünschen vor. „Es waren viele kleine Details“, so Nemitz. Da ging es zum Beispiel um Barrierefreiheit. So sollten die Stufen zur Gemeinschaftsküche verschwinden.

Doch eine erneute Plan-Änderung würde viel Zeit kosten. „Und wir wollen jetzt anfangen“, erklärt Nemitz. Bei der Besprechung habe man sich schließlich darauf geeinigt, dass die längst genehmigten Pläne nicht geändert, sondern endlich umgesetzt werden. Sobald die schriftliche Bestätigung der Vereinbarung vorliege, werde das Landratsamt die Aufträge an die Handwerker vergeben.

Firmen zu finden, die schnell Termine frei haben, dürfte nicht einfach sein. „Die Konjunktur ist gut“, weiß Nemitz. Darum lasse sich derzeit nicht abschätzen, wie viel Zeit der Umbau in Anspruch nimmt.

Ausgelegt ist das Bastenhaus als Gemeinschaftsunterkunft für 50 Asylbewerber. Sie wird von der Regierung von Oberbayern betrieben, die auch einen Betreuer einstellt und für einen Sicherheitsdienst sorgt. Wer einzieht, legt ebenfalls die Regierung von Oberbayern fest. Die Unterkunft sei für sogenannte Kontingent-Flüchtlinge bestimmt, erklärt Nemitz. Heißt: Tegernsee erfüllt damit die auf Basis der Einwohnerzahl errechnete Vorgabe, wie viele Asylbewerber aufzunehmen sind. Die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft sollen nicht auf Dauer bleiben, sondern nur für die Dauer ihres Asylverfahrens.

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Unterbringung im Bastenhaus sei im Vergleich zu Traglufthallen und Containern gut, versichert Nemitz. Allerdings trübt der lange Leerstand die Bilanz beträchtlich. Die Finanzierung ist Nemitz zufolge allein Sache der Regierung von Oberbayern. Das Landratsamt sei nur durch die Personalkosten beteiligt: „Den Kreishaushalt belastet das nicht.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Schiff in Schieflage: Gutachten entscheidet über Schicksal von MS Bad Wiessee
Wegen eines Gewitters ist das historische Boot bei der Villa am See in Tegernsee-Süd in Schieflage geraten. Nun müssen Gutachter entscheiden, ob das alte Schiff noch zu …
Schiff in Schieflage: Gutachten entscheidet über Schicksal von MS Bad Wiessee
Palestrina Motettenchor darf endlich wieder proben - aber unter besonderen Umständen
Gemeinsam proben und singen - monatelang war das wegen Corona für die Sänger des Palestrina Motettenchors tabu. Jetzt haben sie ihre Probenarbeit wieder aufgenommen. …
Palestrina Motettenchor darf endlich wieder proben - aber unter besonderen Umständen
Unfall bei Kapler Alm: Stau auf B318 bei Waakirchen
Im einsetzenden Gewitter hat sich soeben ein Verkehrsunfall auf der B318 auf Höhe der Kapler Alm ereignet. Es staut sich bis nach Dürnbach zurück.
Unfall bei Kapler Alm: Stau auf B318 bei Waakirchen
SME-Baustelle: Gemeinderat Bad Wiessee verschärft Gangart gegenüber Investor
Seit über einem Jahr herrscht Stillstand auf der Baustelle des früheren Jodbad-Areals. Der neue Gemeinderat von Bad Wiessee will seine Gangart gegenüber Investor SME …
SME-Baustelle: Gemeinderat Bad Wiessee verschärft Gangart gegenüber Investor

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion