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Villa am See: Heidi Kohlhauf vom Lenggrieser Bauunternehmen Peter Schwarzenberger zeigt die Skizze vom Haus, das auf dem Grundstück in Tegernsee-Süd geplant ist. 

Demnächst beginnen die Arbeiten an der Schwaighofstraße 

Bauherr aus Abu Dhabi: „Ich bin kein Scheich“

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Das Gerede ist groß, seitdem bekannt wurde, dass angeblich ein „Scheich“ in Tegernsee-Süd ein „Herrschaftshaus“ baut. Jetzt lässt der Bauherr aus Abu Dhabi einiges klarstellen.  

Tegernsee – „Zieht ein Scheich an den Tegernsee?“ – so wurde im April 2017 gemunkelt, nachdem sich der Ortsplanungsausschuss mit dem Antrag eines gewissen Mohamed Sahoo Al Suwaidi befasst hatte. Laut Internet sollte es sich demnach um den Generaldirektor der Nawah Energy Company und damit um einen der einflussreichsten Männer der Energieversorgung in den Vereinigten Arabischen Emiraten handeln. Im Rathaus wollte man sich damals nicht festlegen, ob es sich tatsächlich um genannten Mann handle.

Bauherr Mohamed Sahoo Al Suwaidi aus Abu Dhabi, hier mit Enkelkindern.

Jetzt, ein gutes Jahr später, wird alles greifbar und das Bauprojekt tatsächlich konkret. Der Bauzaun an der Schwaighofstraße gegenüber von Lidl steht, die Werbetafeln der Firmen ebenso. Das Lenggrieser Generalunternehmen Peter Schwarzenberger hat von besagtem Mohamed Sahoo Al Suwaidi nicht nur den Generalauftrag für die geplante „Villa“ bekommen, sondern auch die Aufgabe, über den Bauherrn einiges klarzustellen. „Herr Al Suwaidi bittet darum, nicht als Scheich bezeichnet zu werden“, erklärt Heidi Kohlhauf, Prokuristin im Unternehmen Schwarzenberger. „Er legt großen Wert auf diese Feststellung, denn dieser Titel ist ausschließlich dem Königshaus und Regierungsmitgliedern vorbehalten.“ Und ihr Auftraggeber, so zitiert ihn Heidi Kohlhauf, „ist genauso ein Mensch wie du und ich, aber kein Scheich.“ Beruflich betreibe Al Suwaidi ein selbständiges Ingenieur-Büro für Energietechnik, Gas, Öl und Elektrotechnik.

Wie das Unternehmen an den exotischen Bauherrn gekommen ist? „Auf Empfehlung, durch einen ehemaligen Kunden“, verrät Heidi Kohlhauf. Zusammen mit Peter Schwarzenberger sei sie nach Abu Dhabi gereist, um die Feinabstimmung der Pläne vorzunehmen. Sichtlich angetan von der Gastfreundschaft und der Herzlichkeit ihres Kunden, kehrte sie zurück. Mohamed Al Suwaidi, berichtet Heidi Kohlhauf, komme schon seit über zehn Jahren an den Tegernsee, um hier die Urlaube zu verbringen. „Er hat den Tegernsee lieben gelernt.“ Die Familie würde begeistert radfahren, bergwandern und skifahren. Mit dem Zweitwohnsitz möchte er die Möglichkeit haben, diesen jederzeit mit seinen Kindern und Enkelkindern besuchen zu können.

So schwierig und kurios ist das Bauen in Seenähe

Die Bekanntschaft mit schwierigem Terrain wird Al Suwaidi jedenfalls nicht machen, der Bauunternehmer schon: Das 1800 Quadratmeter Grundstück, für das es in der Vergangenheit schon mehrere Bauanträge und genehmigte Voranfragen gab, liegt nur durch einen Spazierweg vom Ufer getrennt im Überschwemmungsgebiet HQ 100. Erst in 17 bis 25 Metern Tiefe, so ein Bodengutachten, geht der Seeton in festen Untergrund über. Der Aufwand ist also riesig, die Bodenplatte wird deutlich über dem jetzigen Grundstücksniveau liegen. Maßnahmen hinsichtlich des Hochwasserschutzes würden vom Landratsamt festgeschrieben, so Hans Staudacher, Geschäftsleiter der Stadt Tegernsee.

„Durch den sehr hohen Grundwasserstand ist eine Bohrpfahlgründung nötig“, erklärt Heidi Kohlhauf. Verzichtet wird allerdings auf einen Keller. Dafür fällt der Rest üppig aus: Das Gebäude mit Giebel, kleinteiliger Fassade und mit Sprossen unterteilten Fenstern bringt es auf 25 mal 15 Meter und eine Wandhöhe von 7,69 Meter. Ein Obergeschoss ist geplant, das Dach wird ausgebaut. Stattliche 785 Quadratmeter Wohnfläche stehen Al Suwaidi zur Verfügung. „Er wird mit seiner Frau und vier Kindern hier wohnen, von weiteren Frauen und Kindern ist nicht die Rede“, weiß Heidi Kohlhauf. In den nächsten Wochen beginnen die Arbeiten, Ende 2019 wird das Haus schlüsselfertig übergeben. Für die Familie aus Abu Dhabi wird dann ein Märchen aus tausendundeiner – bayerischen – Nacht wahr, für den Lenggrieser Bauunternehmer vermutlich auch.

gr

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