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Voller Grundwasser steht die Baugrube an der Schwaighofstraße in Tegernsee-Süd.

Die Hintergründe zur kuriosen Baugrube

Baustelle wird zum ungewollten See - am Tegernsee

Nanu, ein Schwimmbad? Eine Baugrube, gefüllt mit Wasser, zieht derzeit in Tegernsee-Süd neugierige Blicke auf sich. Ganz normal, sagt das Landratsamt. Derweil bilden sich bei den Nachbarn Risse.

Tegernsee – Hinter dem Wohn- und Geschäftshaus an der Schwaighofstraße 76 und neben dem Gebäude der ehemaligen Bäckerei Eberwein bietet sich derzeit ein kurioses Bild: Eine Baugrube ist bis obenhin mit Wasser gefüllt – Grundwasser. Hier, fast direkt am See, baut die cwbauprojekte GmbH aus Gmund ein Mehrfamilienhaus mit fünf Wohnungen und Tiefgarage, das derzeit gefragteste Baumodell rund um den See. Das Projekt wird bereits vermarktet und soll noch heuer stehen.

Angesichts der Baugrube, die aussieht wie ein riesiges Schwimmbad, drängt sich die Frage auf: Geht hier alles mit rechten Dingen zu? Das Landratsamt Miesbach erklärt auf Nachfrage schriftlich, dass das Bauprojekt im Überschwemmungsgebiet liegt. Für den Bau sei am 24. Oktober 2016 eine Ausnahmegenehmigung erteilt worden, die mit zehn Auflagen verknüpft wurde. „Diese Auflagen sind mit der fachkundigen Stelle für Wasserwirtschaft erarbeitet worden“, so Sprecher Birger Nemitz. Unter anderem wurde gefordert, dass Wohn- und Schlafräume, Elektroinstallationen, die Stromverteilerkästen und Hausanschlüsse über dem HQ100 liegen müssen, also jener Pegelhöhe eines Hochwassers, das statistisch nur alle 100 Jahre erreicht wird. „Hier ist das 727,38 Meter über Normalnull“, so Nemitz. 

Viele Tegernseer erinnern sich mit Schrecken daran, dass im Juni 2013 der Tegernsee sogar noch über diesem Pegel lag. 

Die Gebäude müssen zudem in wasserundurchlässiger Bauweise gegründet und mit drucksicheren Außenwänden errichtet werden. Auch die Gefahr eines Rückstaus aus der Kanalisation müsse berücksichtigt werden. Dass die Baugrube nun voller Wasser sei, sei nichts besonders, so Nemitz, „sondern ein ganz normaler Vorgang“.

Das mit dem Wasser in der Baugrube kann Nachbarin Gertraud Eberwein ja noch verstehen. Ihr Haus steht hier seit 1906. Sie kennt den schwierigen Boden, der aus Seeton besteht. Sie ist auch mit Hochwasser vertraut. „Zehn Mal pro Jahr fließt Grundwasser in unseren Keller – und auch wieder hinaus.“ Was ihr bei diesem Bauvorhaben aber Sorgen bereitet, sind die Risse, die im Boden sichtbar werden, seitdem die Spundwände aus Metall in den Boden gerammt wurden. 

Risse im Asphalt: Die waren vor der „Seebaustelle“ noch nicht da, sagt die Nachbarin.

Sie bilden die Hülle, quasi das Bassin des Wassertümpels. Zum Beweis zeigt Eberwein auf tiefe Risse im geteerten Parkplatz hinter dem Haus, auf eine abgesenkte Betonmauer, auf Holztore, die sich seither nicht mehr schließen lassen. „Sogar der Parkettboden im Wohnzimmer hat neuerdings einen Spalt“, sagt Eberwein. Man habe zwar vor dem Bau eine Beweisaufnahme gemacht, doch die sei nun erneut erforderlich. In Häusern bis weit über der Bundesstraße hätten die Gläser im Schrank geklirrt, als die Spundwände geschlagen wurden, das habe man ihr berichtet.

Sie haben sich angeblich erst kürzlich gebildet. 

Der Bauleiter der Firma versteht die ganze Aufregung nicht und möchte nicht zu dem Vorhaben Stellung nehmen. Nur so viel: Alles laufe ganz geregelt. Es gebe ein Bodengutachten, zudem werde mit Lasern gemessen, ob und wie sich der Boden weiter bewege. Schon am Mittwoch werde weiter gearbeitet. Dann werde in der Baugrube, innerhalb der Spundwände, eine Unterwasserbetonbodenplatte für eine wasserdichte Baugrube erstellt. Anschließend, erklärt auch Nemitz, werde die Grube leergepumpt, damit das Grundwasser nicht abgesenkt werden muss. Der Verbau werde vom Landratsamt zudem regelmäßig kontrolliert. Für die Schäden, das hat man Gertraud Eberwein schon von vornherein versichert, kommt der Verursacher auf.

gr

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