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Bei der Preisverleihung im Barocksaal wurden noch einmal Ausschnitte der erfolgreichsten Filme gezeigt.

Leise, emotionale Filme überzeugten die Jury

Bergfilm-Festival in Tegernsee: Das sind die preisgekrönten Beiträge

Es waren eher die leisen, emotionalen Beiträge, die heuer beim Bergfilm-Festival in Tegernsee überzeugten. Mit der Preisverleihung ist die 16. Auflage zu Ende gegangen. 

Tegernsee – Majestätisch kreisen Adler vor einer Felswand. Murmeltiere stopfen sich die Backen voller Frühlingsblumen und ahnen nicht, dass sie bald selbst zum Futter werden. Still und eindrucksvoll sind die Szenen, die Anne, Veronique und Erik Lapied in sieben Jahren an mehr als 1500 Tagen in den französischen Alpen eingefangen haben. Am Samstag wurde der daraus entstandene „imposante Film ohne unnötige Effekte“ beim Tegernseer Bergfilm-Festival mit dem „Großen Preis der Stadt Tegernsee“ ausgezeichnet.

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„Das ist für uns sehr überraschend“, freute sich eine sichtlich gerührte Anne Lapied, die mit ihrem Mann Eric aus dem Aostatal zur Schlussfeier in den Barocksaal gekommen war, um die Ehrung für „Aigle et Gypaète – Les maîtres du ciel“ („Adler und Geier – Die Herrscher der Lüfte“) entgegen zu nehmen. „Ich dachte nicht, dass man mit einem Film gewinnen kann, der keine Menschen zeigt und Tiere in den Mittelpunkt stellt“, erklärte die bereits mehrfach beim Festival ausgezeichnete Naturfilmerin, die zur Kamera fand, als sie mit ihrem Mann nach Möglichkeiten suchte, die Leidenschaft fürs Klettern zum Beruf zu machen.

Die strahlenden Preisträger: (v.l.) Festival-Direktor Michael Pause, Julia Schulz, Bürgermeister Johannes Hagn, Erik und Anne Lapied, Uwe Müller, Christine Kopp, Carla Braun-Elwert, Michael Bilic, Susan Gluth, Sebastian Mars eiler.

Einen kleinen Menschen habe man doch gesehen, fügte Bergfilmfestival-Direktor Michael Pause an und wollte den winzigen, im Abspann gezeigten Tourengeher als Hoffnungsschimmer sehen, was Menschen für die Natur erreichen können, wenn sie sich zusammentun. Dass sich die nahezu ausgestorbenen Bartgeier, die im Film ebenfalls eine Hauptrolle spielen, wieder in den Alpen angesiedelt haben, sei ein Mut machendes Beispiel.

Ein anderes sei das Wasserrad-Projekt in Kathmandu, dem das Festival zwar keinen Filmpreis, aber einen dicken Scheck einbrachte. Heinrich Brunners Dokumentation „Eigentlich wollten wir nur bergsteigen...“ begleitet Stephan Baur und Dirk Steuerwald in abgelegene Regionen Nepals, wo sie helfen, durch mit Wasserrädern erzeugten Strom die Infrastruktur zu verbessern. Seit einiger Zeit unterstützt das E-Werk Tegernsee das Projekt. Nun überbrachte Vertriebsleiter Florian Appel einen mit 5000 Euro dotierten spontanen Sonderpreis.

Gleich zweifach prämiert – „Erlebnisraum Berg“ und Publikumspreis – wurde der gerade im Kino angelaufene „The Dawn Wall“ („Durch die Wand“), der Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson bei ihrem 19-tägigen Aufstieg im senkrechten Fels des El Capitan begleitet. Im Zusammenschnitt sieht man, wie sich Caldwell mit nur 16 Jahren in die Weltspitze des Kletterns katapultiert und zum Mörder wird, um seine Freundin und die Kletterkameraden zu retten, als sie in Kirgisistan von Rebellen entführt werden.

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Die zünftige Musik der Riederstoana Musikanten, die den Abend musikalisch auflockern, klingt nach diesem Beitrag fast etwas befremdlich. Die ausgezeichneten Beiträge sind allesamt Filme, die berühren. Da ist der ungestüme junge Mann, der lernen muss, sich langsam an extreme Felswände zu wagen. Die Wasserspitzmaus, die in eiskalten Bächen von der Kälte träge Fische erbeutet und vor allem Beat Bieris Reportage über die Bauernfamilie, die schwindelerregend hoch über dem Urnersee fast senkrechte Wiesen bewirtschaftet. Während der mehrjährigen Filmarbeit stürzt der im Wildheuen erfahrene, sechsfache Familienvater, den man als warmherzigen Menschen erlebt hat, der jedes seiner Tiere als liebenswerte Kreatur behandelt, 300 Meter tief in den Tod.

Heidi Siefert

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