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Mit dem Großen Preis der Stadt Tegernsee zeichneten Bürgermeister Johannes Hagn (l.) und Festival-Leiter Michael Pause (r.) den Kletterer Daniele Nardi (2.v.l.) und Filmemacher Federico Santini für ihren Film „Verso I’ignoto – Ins Unbekannte“ aus. Im Hintergrund: die diesjährige Jury.

Vom Scheitern und Schaffen

Bergfilm-Festival Tegernsee: Das sind die Preisträger

Tegernsee – Die Gewinner stehen fest: Am Samstagabend wurden die Preisträger des 14. Bergfilm-Festivals Tegernsee gekürt, das am Sonntag zu Ende ging. 

Mit Spannung erwarteten die von Juror Peter-Hugo Scholz als „Kinoeulen vom Tegernsee“ begrüßten Gäste der festlichen Schlussfeier im Barocksaal die Präsentation der Gewinner des Bergfilm-Wettbewerbs. Aus einer „auffällig großen Vielfalt“ entschied sich das Gremium, den mit 3000 Euro dotierten „Großen Preis der Stadt Tegernsee“ den Italienern Federico Santini und Roberto Dall’Angelo für „Verso l’ignoto – Ins Unbekannte“ zu verleihen. 

Mit einem Tusch der Tegernseer Tanzlmusi auf die Bühne gebeten und vom Tegernseer Bürgermeister Johannes Hagn mit dem traditionellen Wanderstab beschenkt, erzählten Santini und der Extrembergsteiger Daniele Nardi von drei über mehrere Jahre laufenden Versuchen Nardis, den Nanga Parbat erstmals im Winter über die Diamir-Flanke auf Albert Mummerys Spuren zu besteigen. Am Ende scheitert er 300 Meter vor dem Gipfel, weil der pakistanische Begleiter heftige Anzeichen von Höhenkrankheit zeigt. „Das Leben ist 100.000-mal mehr wert, als den Gipfel zu erreichen oder den Film fertig zu drehen“, betonte Nardi. 

Ums Scheitern geht es auch im schon vielfach prämierten „K2 – Touching the Sky“ von Eliza Kubarska, die mit den Kindern von vor 30 Jahren am K2 verunglückten Bergsteigern an den schicksalsträchtigen Ort reist. Sie selbst grüßte mit ihrem fröhlich winkenden Sohn auf den Schultern von der Leinwand, auf der sie zugeschaltet war. Von Seattle kam Amy Benson nach Tegernsee, um die berührende Geschichte nepalesischer Mädchen zu erzählen, die vor den zu großen Hoffnungen ihrer Familien in den Suizid flüchten. Für „Drawing the Tiger“ wurde sie ausgezeichnet. 

Mit den ganz großen Preisverleihungen hatte das Bergfilm-Festival heuer nicht nur die goldenen Umschläge aus Gmund-Papier gemeinsam, die auch für die Oscar-Verleihung und die Filmfestspiele von Cannes verwendet werden. Eine Parallele gab es auch zum Literatur-Nobelpreis: Nick Waggoner aus den USA war nicht erreichbar, als man ihm die frohe Kunde über die Auszeichnung für den besten Film in der Kategorie „Naturraum Berg“ überbringen wollte. 

So blieb es beim Statement der Jury für „Jumbo Wild“, eine „stets transparente“ Darstellung der seit Beginn der 1990-er Jahre laufenden Bemühungen, einen Teil des Jumbo Gletschers in British Columbia touristisch zu erschließen oder dies zu verhindern. Michael Pause spannte den Bogen bis in die Alpen, zum heftig diskutierten Ausbau am Riedberger Horn im Allgäu: „Die Dimensionen in Kanada sind ganz anders als bei uns, aber die Probleme sind ganz ähnlich.“ Der Fischbachauer Tierfilmer Rolf Steinmann bekam für sein „poetisches Gemälde“ einer Moschusochsen-Herde die Lobende Erwähnung der Jury. Mitten in Dreharbeiten konnte er diese nicht persönlich in Empfang nehmen. 

Mindestens so viel Applaus wie die Preisträger erhielt Heiner Geißler, der frühere Bundesminister und begeisterte Alpinist, der seit Beginn des Festivals dessen Schirmherr ist. Er ging auf die aktuelle Ceta-Problematik ein und gab mit leidenschaftlichen Worten zu bedenken, ob das Bruttosozialprodukt tatsächlich das Entscheidende sei, nach dem wir uns richten sollten. Es spiegle nicht die Bedeutung der Natur für das Heranwachsen unserer Kinder wider, messe nicht den Mut und die Kühnheit unserer Bergsteiger und gehe über die Schönheit der Blumen auf unseren Bergwiesen hinweg. Von „Bravo“-Rufen quittiert, betonte der 86-Jährige, dass Bergfilme das wahre, vermutlich wichtigere Leben zeigten, als das, was man gemeinhin vorgesetzt bekäme.

Kritik und Lob von der internationalen Jury

Vor der Preisverleihung ließ Festival-Leiter Michael Pause die Tage im Vorfeld Revue passieren. 175 Filme aus 32 Ländern wurden eingereicht und zunächst einer zehntägigen Vorauswahl durch den Rottacher Berg-Journalisten Harald Antes, die Cutterinnen Christl Suckow und Hanna Vogel und den Filmautor Heino Brunner unterzogen. Die 83 ausgewählten Streifen nahm die fünfköpfige internationale Jury genau unter die Lupe. Traditionell setzt sie sich aus Wiederholern – diesmal Ingrid Runggaldier aus Bozen und Peter-Hugo Scholz aus Leipzig – und Neulingen zusammen – diesmal die Neuseeländerin Carla Braun-Elwert, die Züricherin Lisa Röösli und Adi Stocker aus Tirol. 

Erfreut zeigten sie sich von der Vielfalt der Herangehensweise ans Thema Berg. Besonders beeindruckten sie „Filme, die mit sparsamen Mitteln viel zeigen“, während sie die sehr häufig fast als State of the Art eingesetzten Drohnen vielfach als unnötig empfanden. Kritisch bemerkten sie, dass sich zu viele Filme einer Werbeästhetik hingäben und Musik häufig einen zu hohen Stellenwert einnehme: „Hat der Berg einen Hollywood-Sound nötig? Wir meinen nein.“ Für den Publikumspreis stimmen die Besucher der insgesamt 40 Vorstellungen in sechs Sälen ab. 

Die Gewinner im Überblick: Großer Preis der Stadt Tegernsee (3000 Euro): „Verso l’ignoto – Ins Unbekannte“ von Frederico Santini (Italien) Preis des Deutschen Alpenvereins in der Kategorie „Erlebnisraum Berg“ (1000 Euro): „K2 – Touching the Sky“ von Eliza Kubarska (Polen) Kategorie „Lebensraum Berg“ (1000 Euro): „Drawing the Tiger“ von Amy Benson und Scott Squire (USA/Nepal) Kategorie „Naturraum Berg“ (1000 Euro): „Jumbo Wild“ von Nick Waggoner (USA) Otto-Guggenbichler-Nachwuchspreis (1000 Euro): „Simply the Worst“ von Franz Müllern und Johannes Kürschner (Deutschland) Sonderpreis der Jury (undotiert): „Metronomic“ von Vladimir Cellier (Frankreich) Lobende Erwähnung der Jury (undotiert): „In Between“ von Rolf Steinmann (Deutschland) und „Afghan Winter“ von Fulvio Mariani und Mario Casella (Schweiz) E-Werk-Publikumspreis (1000 Euro): „Anna und die wilden Tiere – Wo pfeift das Murmeltier?“ von Christiane Streckfuß (Deutschland).

Heidi Siefert

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